Daher sind Sicherung und weitere Steigerungen des Ertragsniveaus dringend erforderlich. Diese Ertragssteigerungen sind zudem unter dem verstärkten Druck von biotischen sowie abiotischen Stressoren dauerhaft zu erzielen.
Zudem nimmt die Nachfrage nach speziellen, auf die vielfältigen Bedürfnisse
von verarbeitender Industrie und von Verbrauchern zugeschnittenen Lebens- und
Futtermitteln stetig zu. Hierbei müssen auch die veränderten Ansprüche der
Verbraucher an die Qualität von Nahrungsmitteln berücksichtigt werden.
Gleichzeitig kommt es in den Industrieländern zu einer ständigen Zunahme von
ernährungsbedingten Volkskrankheiten. Pflanzen besitzen aufgrund ihrer
Diversität und Syntheseleistungen ein enormes bis dato nicht ausreichend
genutztes Spektrum gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe, das gezielter
erschlossen werden sollte.
Die etablierten Nutzpflanzen müssen zukünftig
nicht nur ertragreich mit hoher Qualität, sondern auch nachhaltig, d.h.
insbesondere auch umweltverträglich, produziert werden. Agrarische Produktion
bedingt, dass der Mensch von jeher in Umwelt und Ökosysteme eingreift. Dies kann
zu einer Belastung der Umwelt, zur Minderung der biologischen Vielfalt und zu
einer übermäßigen Nutzung von begrenzten Ressourcen führen. Daher muss er
oberstes Ziel sein, diese Eingriffe durch effiziente Produktion zu mindern oder
auszugleichen. Die erforderlichen Maßnahmen müssen deshalb an der Pflanze
ansetzen.
In agrarisch geprägten Regionen - insbesondere wenn Böden nur über eine
geringe Wasserspeicherungskapazität verfügen - steht Wasser nur sehr limitiert
zur Verfügung.
Wasser ist dann bei zunehmenden Trockenphasen ein
begrenzender Wachstums- und Ertragsfaktor. Entsprechend gilt dies auch für alle
anderen essentiellen Pflanzennährstoffe, die der Pflanze während der
Vegetationszeit bedarfsgerecht zur Verfügung stehen müssen. Rohstoffe bzw.
Energie für eine intensive Düngung von Nutzpflanzen, wie Stickstoff, Phosphat
und Mineralien, sind ebenfalls begrenzt.
Die Steigerung und Sicherung des pflanzlichen Ertrages, der Qualität
pflanzlicher Rohstoffe und der Nachhaltigkeit in der Pflanzenproduktion
erfordern neue Ansätze in Forschung und Züchtung, welche deutlich über das
erreichte Maß der letzten Dekaden hinausgehen.
Die Grundlagen für diese
innovativen Ansätze wurden in Deutschland vor allem durch die vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Deutsche
Agrar-Biotechnologie Initiative GABI ("German Agri-Biotech Initiative") gelegt.
Im Rahmen von "GABI" wurde in der letzten Dekade im Zuge der wissenschaftlichen
Bearbeitung anwendungsrelevanter Fragestellungen substanzielles Wissen über die
Struktur und Funktion von Pflanzengenomen erarbeitet.
Zukünftig wird es
darum gehen, diese Erkenntnisse der Pflanzengenomforschung in die züchterische
Praxis zu überführen. Hierfür kann die moderne Pflanzenbiotechnologie mit ihren
vielfältigen Methoden einen wichtigen Beitrag leisten. Pflanzenbiotechnologie
muss genutzt werden, um die Effizienz von Züchtungsverfahren zu steigern,
gezielt leistungsfähige Pflanzen mit kombinierten Eigenschaften zu entwickeln,
mit wirderstandsfähigen Pflanzen neue Ansätze im Pflanzenschutz zu realisieren
sowie die Pflanzenproduktion insgesamt nachhaltiger auszugestalten.
Biotechnologie besitzt dabei das Potenzial, alle Formen der Biomasseproduktion
zu unterstützen: konventionelle Landwirtschaft, Landwirtschaft mit gentechnisch
verbesserten Sorten und ökologischen Landbau.
Für die nachhaltige Nutzung
von Pflanzen als "Bio-Fabriken" der Zukunft für Ernährung, Energie- und
Rohstoffbereitstellung bedarf es interdisziplinärer und integrativer
Forschungsanstrengungen, die die gesamten Prozessketten in den Blick nehmen und
in denen exzellente Forscherinnen und Forscher mit innovativen Unternehmen
gemeinsam an Problemlösungen arbeiten. Für derartige Forschungsansätze, die die
Grundlagen für den Aufbau einer wissensbasierten und international
wettbewerbsfähigen Bioökonomie darstellen, besteht in Deutschland ein deutlicher
Nachholbedarf. Hier setzt die vorliegende Förderinitiative des BMBF
an.
Das Ziel des Förderschwerpunktes "GABI-innovativ" ist es, neue und
wettbewerbsfähige biotechnologische Verfahren und Produkte voranzubringen,
welche
Entlang dieser Zielgrößen Ertrag, Qualität und Nachhaltigkeit sollen Forschungsprojekte mit klaren Verwertungsperspektiven für marktfähige (Zwischen-) Produkte und/oder für die Entwicklung von Geschäftsideen für neue Methoden und Verfahren gefördert werden.
Mit der inhaltlichen Schwerpunktsetzung auf ökonomisch und ökologisch relevante komplexe Merkmale in Nutzpflanzen wird angestrebt, Allianzen aus öffentlichen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft zur Entwicklung von innovativen Ansätzen zu stimulieren. Diese Allianzen sollen zum Aufbau einer wissensbasierten Bioökonomie (Knowledge-Based Bio-Economy, KBBE) beitragen, die biologische Ressourcen wettbewerbsfähig und nachhaltig nutzt.
Mit der Förderinitiative "GABI-innovativ" werden dafür alle relevanten Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft entlang pflanzenbasierter Innovations- und Prozessketten, von der molekularen Pflanzenforschung über die Pflanzenzüchtung und den Pflanzenschutz bis hin zur verarbeitenden Industrie, Ernährungswirtschaft, chemischen Industrie und Energiewirtschaft angesprochen. Zu den vorrangigen Adressaten gehören insbesondere auch jene Forschungseinrichtungen und Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, die noch nicht Bestandteil des existierenden Forschungsnetzwerks "GABI" sind.
Die verstärkte Internationalisierung der Forschungsaktivitäten wird darüber hinaus ein wichtiges Element von "GABI-innovativ" sein. Forschungsarbeiten im Zusammenhang mit der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sollen voraussichtlich mit einer separaten Förderinitiative aufgegriffen werden.
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