Wissenschaftler fordern ein besseres Verkehrssystem, mehr Effizienz und gerechtere Steuern
Quelle: IDW
"Verkehr macht Klima", diese einfache, aber
weitgehend nicht zur Kenntnis genommene Tatsache thematisierte der 2.
Hamburger Klimakongress des BUND vom 12. - 14. November im Geomatikum
der Universität Hamburg. "Die Tragfähigkeit der Erdatmosphäre ist
erschöpft, wir müssen schnell handeln", sagte Prof. Hartmut Graßl vom
Hamburger Max-Planck-Institut.
Prof. Dr. Peter Hennicke, Präsident des Wuppertal Instituts, das
Mitveranstalter des Kongresses war, stellte fest, dass der Bereich
Verkehr rund ein Drittel unseres Energieverbrauchs ausmacht und damit
das Klima wesentlich belastet. Er sieht in fahrzeugtechnischen
Verbesserungen die beste Möglichkeit zur Senkung der Klimaemissionen
des Verkehrs.
"Effizienz ist unsere heimische Ölquelle", bestätigte Dr. Axel
Friedrich vom Umweltbundesamt. Er beklagte, dass nach wie vor in vielen
Kommunen der Klimaschutz kein Maßstab für die Verkehrspolitik sei.
Prof. Heiner Monheim von der Universität Trier kritisierte eine
einseitige Fixierung der Politik auf das Auto. Er warnte davor, ein
System, das bei uns an vielen Stellen bereits zum Kollaps führe, in
Entwicklungs- und Schwellenländer zu übertragen.
Joachim Kettner von der Deutschen Bahn AG kritisierte, dass im
Gegensatz zum Flugverkehr die Bahn sowohl Treibstoff- als auch
Ökosteuer zahlen muss: "Nachhaltige Mobilitätspolitik muss im Interesse
unserer Umwelt faire Rahmenbedingungen zwischen den Verkehrsträgern
gewährleisten."
Zu diesen Rahmenbedingungen gehörten Preise, welche die ökologische
Wahrheit sagen, betonte Prof. Hartmut Graßl. Er warb dafür, die
Ökosteuer in Deutschland beizubehalten und weiterzuentwickeln. Zusammen
mit den insgesamt steigenden Kraftstoffpreisen sei sie die Ursache
dafür, dass der Autoverkehr hierzulande seit wenigen Jahren nicht mehr
weiter ansteige. "Die Ökosteuer greift", so der Klimaforscher.
Der Kongress mit seinen zahlreichen Einzelveranstaltungen und insgesamt
mehr als 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern machte deutlich, dass für
den Klimaschutz im Verkehr noch sehr viel getan werden kann und muss.
"In der Wissenschaft liegen die Fakten vor und es gibt viele gute
Konzepte", so die Hamburger BUND-Vorsitzende Maren Jonseck-Ohrt. "Jetzt
kommt es darauf an, dass die Politik sie zur Kenntnis nimmt."