"Hochschule neu denken" - Denkanstöße zur Hochschulreform
Unter dem Namen "Gruppe 2004" haben sich 14 hochschulpolitisch engagierte Professorinnen und Professoren unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen aus ganz Deutschland zusammengetan, um einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über die Hochschulrefor
Quelle: IDW
Zur Gruppe 2004 gehören Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler, deren fachliches Spektrum von der Theologie bis zur
Neurobiologie, von der Chemie bis zu den Literaturwissenschaften
reicht. Sie alle möchten mit ihrem Memorandum Wege aufzeigen, wie die
Hochschulen die komplexen Probleme einer Weltgesellschaft im Wandel
erkennen und zu deren Lösung beitragen können. Dazu sollte den
folgenden 10 Aspekten besondere Geltung verschafft werden (Thesen
gekürzt):
1. Die Hochschulen sollten selbstkritisch ihr inter- und
transdisziplinäres Potenzial überprüfen und im Diskurs mit anderen
Einrichtungen zum Vergleich bringen. So erst können die relevanten
Forschungsfelder und Forschungsstrategien für die Zukunft ermittelt
werden.
2. Im Diskurs mit der Gesellschaft ist durch verstärkte Bildung und
Wissensvermittlung die Fähigkeit zur Teilnahme an den
Orientierungsprozessen für mehr Nachhaltigkeit zu stärken. Hierzu
gehört insbesondere die Fähigkeit zu vorausschauendem und vernetztem
Denken und zur kritischen Prüfung von Leitbildern.
3. Unter dem Gesichtspunkt einer auf Nachhaltigkeit orientierten
Bildung und Ausbildung sind die Lehrstrukturen für die Bachelor- und
Masterstudiengänge auf transdisziplinäre Vernetzung und die Erziehung
zu Selbständigkeit und Verantwortlichkeit auszurichten.
4. Auch in den weiterführenden akademischen Ausbildungsgängen
(Promotion) ist die Spezialisierung bei der Einübung in die jeweilige
Forschungspraxis zu ergänzen und zu integrieren in interdisziplinäre
Methoden und Fragestellungen.
5. Im Zuge der empfohlenen Diskurse um die neue Ausrichtung der
Hochschule wird sich zeigen, dass diese über beachtliche
Forschungspotentiale verfügt, zentrale gesellschaftliche Probleme
aufzugreifen und Lösungsansätze bereitzustellen.
6. Komplexe Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt sowie die
globalen Probleme des menschlichen Zusammenlebens sind nur sinnvoll zu
erforschen und zu bearbeiten, wenn sich die Geistes-, Sozial- und
Verhaltenswissenschaften mit den Natur- und Technikwissenschaften
stärker verbinden.
7. Die Fusion von Hochschulen kann unter der Voraussetzung integrativer
Vereinigungskonzepte zu einer Stärkung der inter- und
transdisziplinären Kompetenz und einem effizienteren
Ressourcenmanagement führen. Kontraproduktiv sind jedoch
Zusammenlegungen, die vorschnell unter dem Druck verknappter Finanzen
erfolgen.
8. Die Kooperation mit zukunftsorientierten Kräften in Wirtschaft,
Gesellschaft und Politik ist entschieden zu stärken. Dabei müssen
Globalität und Nachhaltigkeit die prinzipiellen Prüfsteine möglicher
Kooperationen sein. Mit technischer Effizienz unter der Perspektive
kurzfristiger Produktionsinteressen allein ist es nicht getan.
9. Es ist ein verfehltes Unterfangen, an den geforderten autonomen
Profilbildungsprozessen vorbei durch mehr oder weniger willkürliche
Finanzspritzen die Förderung von Spitzenforschung erreichen zu wollen.
Die Bundesregierung sollte ihr bisheriges Elite-Konzept ernsthaft
überdenken.
10. Die alleinige Verantwortung für die Hochschulen und deren weitere
Entwicklung auf die Bundesländer zu übertragen und das
Hochschulrahmengesetz weiter auszuhöhlen oder gar abzuschaffen, wäre
ein hochschulpolitischer Rückschritt.
Das Memorandum begreift sich nicht als ein geschlossenes Konzept,
sondern als Auslöser eines Prozesses, der nach Möglichkeit in die Mitte
der Hochschulen hineinwirken soll, um von dort aus weitergeführt zu
werden.
Für weitere Informationen stehen Ihnen als Ansprechpartner Herr Prof.
Dr. Gerd Michelsen sowie Herr Dr. Maik Adomßent (beide Universität
Lüneburg) jederzeit gern zur Verfügung.
Kontakt
Universität Lüneburg, Scharnhorststrasse 1, D-21335 Lüneburg
Telefon:+49-(0) 4131 / 782802
Fax: +49-(0) 4131 / 782819
e-mail gruppe2004@uni-lueneburg.de
Eine Serviceplattform wurde auf der folgenden Website eingerichtet: http://www.uni-lueneburg.de/gruppe2004
Das Memorandum "Hochschule neu denken" ist im VAS Verlag für Akademische Schriften, Wielandstr. 10, 60318 Frankfurt/Main, http://www.vas-verlag.de, erschienen.
Mitglieder der Gruppe 2004 "Hochschule neu denken"
unterstützt durch die Altner-Combecher-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Günter Altner
Prof. Dr. Egon Becker
Prof. Dr. Christian Beckervordersandforth
Prof. Dr. Joseph Dehler
Prof. Dr. Hubertus Fischer
Prof. Dr. Armin Grunwald
Prof. Dr. Hariolf Grupp
Prof. Dr. Patricia Holm
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bernd Jastorff
Prof. Dr. Rolf Kreibich
Prof. Dr. Lenelis Kruse
Prof. Dr. Gerd Michelsen (Vorsitz)
Prof. Dr. Gerhard Neuweiler
Prof. Dr. Dr. h.c. Udo E. Simonis
Sekretär: Dr. Maik Adomßent