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14.10.2004

Neues Honorierungssystem für freiwillige Umweltleistungen in der Landwirtschaft

Göttinger Wissenschaftler: Öffentliche Mittel effizienter verwenden - Bürgerwünsche berücksichtigen

Quelle: IDW
(pug) Ein neues Konzept zur Honorierung freiwilliger Umweltleistungen im Agrarsektor haben jetzt Wissenschaftler der Georg-August-Universität vorgelegt. Das Göttinger Modell, das in dreijähriger Arbeit am Forschungs- und Studienzentrum Landwirtschaft und Umwelt unter der Leitung von Prof. Dr. Rainer Marggraf, Prof. Dr. Johannes Isselstein und Prof. Dr. Bärbel Gerowitt entwickelt wurde, basiert auf einem ergebnisorientierten Anreizsystem, der Berücksichtigung von Bürgerinteressen und einem nachfragebezogenen Ausschreibungsverfahren. Damit soll die Rolle der Landwirte als Bewirtschafter ökologisch wertvoller Flächen gestärkt sowie eine effiziente Verwendung öffentlicher Fördermittel erreicht werden. In einer Modellregion, dem Landkreis Northeim, werden diese Elemente praktisch erprobt. Das Vorhaben ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes "Biodiversität und räumliche Komplexität in Agrarlandschaften unter Global Change".

Freiwillige Maßnahmen in der Landwirtschaft, die auf den Schutz der Umwelt und den Erhalt des ländlichen Lebensraumes ausgerichtet sind, werden als ökologische Leistungen im Rahmen von Agrarumweltprogrammen honoriert. Diese weisen nach den Worten des Ökonomen Markus Groth aber eine Reihe von Defiziten auf. Er kritisiert die so genannte Handlungsorientierung, die Vielzahl der Reglementierungen und die mangelnde Effizienz bei der Verwendung der Gelder. Das Göttinger Modell verfolgt mit der Ergebnisorientierung einen einen völlig neuen Ansatz. Markus Groth: "Die Honorierung erfolgt anhand von eindeutig beschriebenen, umweltpolitisch angestrebten Zielgrößen. Dazu werden ökologische Güter definiert, die die Ergebnisse ökologischer Leistungen der Landwirtschaft darstellen." Nach den Worten des Wissenschaftlers gehören dazu zum Beispiel artenreiche Wiesen und Weiden, Äcker mit Wildkräutern oder Hecken und Brachen, die zum Schutz und zur Förderung der Biodiversität auf landwirtschaftlich genutzten Flächen beitragen.

Zweiter Bestandteil des Göttinger Konzeptes ist das Prinzip der Subsidiarität: Bei der Definition von Zielgrößen sollen nicht nur Experten gehört, sondern auch die Wünsche der Bevölkerung berücksichtigt werden. Im Landkreis Nordheim wurde dazu ein regionaler Beirat mit Vertretern der Bereiche Naturschutz, Landwirtschaft, Grundeigentum und Kommunalpolitik eingerichtet. Dieser setzt sich für einen Interessensausgleich der beteiligten Akteure ein und entscheidet über die Nachfrage nach den jeweiligen ökologischen Gütern, deren Produktion dann von der Agrarverwaltung ausgeschrieben wird, wie Markus Groth erläutert. Bislang ist in den Agrarumweltprogrammen eine einheitliche Prämie verankert. In einem Ausschreibungsverfahren sind die Landwirte aufgefordert, Angebote auf der Basis individueller Kostenstrukturen und Produktionsbedingungen abzugeben. Damit soll ein effizienterer Einsatz öffentlicher Mittel erreicht werden.

Im Rahmen der Forschungsarbeiten wurde in diesem Jahr ein erstes Ausschreibungsverfahren von den Mitarbeitern des Projektes durchgeführt. Der Praxistest ist dabei erfolgreich verlaufen, wie Markus Groth betont. Eine detaillierte ökonomische Auswertung wird sich im weiteren Verlauf der Umsetzungsphase anschließen. Für 2005 ist eine erneute Ausschreibungsrunde geplant. Die umfassende Erprobung wird von einer Arbeitsgruppe begleitet, der Vertreter von Land, Bund und Europäischer Union angehören. In weiteren Schritten soll zudem die Übertragbarkeit des Honorierungssystems auf andere Regionen überprüft werden. Dies erfolgt in Kooperation mit der Universität Rostock.

Kontaktadresse:
Markus Groth
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Institut für Agrarökonomie
Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-4840, Fax (0551) 39-4812
e-mail: mgroth1@gwdg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

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