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27.09.2004

Nachhaltigkeit in China deutlich verbessert

Trotz ungelöster Probleme tragen Unternehmen zunehmend soziale und ökologische Verantwortung

Quelle: WAMS.de
Von allen Ländern konnte China 2003 mit 53 Milliarden Dollar die meisten ausländischen Direktinvestitionen anziehen, zahlreiche Unternehmen haben Teile ihrer Produktionsstätten dorthin verlegt. Der wirtschaftliche Erfolg der Region wird allerdings teuer erkauft. Denn mit der sozialen und ökologischen Verantwortung nehmen es viele Konzerne nicht immer so genau. Doch es gibt Ausnahmen, wie jetzt eine Studie des Bankhauses Sarasin belegt: Beispiele sind Unternehmen aus der Konsumgüter- und Elektronikbranche wie Adidas-Salomon, Hewlett-Packard oder Marks & Spencer. Sie sind auf Grund ihrer Produktionsprozesse am stärksten gefordert. Und sie erfüllen nachhaltige Kriterien auch am besten.

Die Schweizer Bank, die auf nachhaltige Anlagen spezialisiert ist, hat diesen Sachverhalt in der Studie "Made in China - ist dieses Label nachhaltig?" untersucht, die der "Welt am Sonntag" vorab vorliegt. "Immer mehr Unternehmen errichten Produktionsstandorte in China", sagt Eckhard Plinke, Leiter Sustainability Research bei Sarasin und Ko-Autor der Studie. "Wer als Anleger nachhaltig investieren möchte, muss also die ökologischen und sozialen Konsequenzen berücksichtigen, die daraus folgen. Dafür wollen wir mit dieser Studie eine Orientierung geben."

Seit China in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts offen für ausländische Investoren ist, steht das Land im Fokus der ökonomischen Welt. Mehr als eine Milliarde potenzielle Kunden, ein Wirtschaftswachstum von bis zu neun Prozent pro Jahr und geringe Lohnkosten haben unzählige europäische, US-amerikanische und japanische Unternehmen nach China gelockt. Doch den guten Wirtschaftsaussichten stehen negative soziale und ökologische Auswirkungen gegenüber. Niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen sind die Kehrseite der aus Unternehmenssicht attraktiven Lohnkosten. Landflucht und die Schließung von Staatsbetrieben spülen unzählige Menschen auf den Arbeitsmarkt, vor allem in den aufstrebenden industriellen Zentren des Landes. "Das verstärkt den Druck auf die Löhne für ungelernte Arbeiter", sagt Andreas Knörzer, Leiter Sustainable Investment bei der Bank Sarasin. Hinzu kämen schlechte Arbeitsbedingungen wie übermäßig viele Überstunden und eine hohe Zahl von Arbeitsunfällen.

Doch auch die Umwelt leidet unter dem Boom in China. So führen Industrialisierung und Urbanisierung zu einem starken Anstieg des Energieverbrauchs. China hat weltweit den größten Kohleverbrauch, ist zweitgrößter Importeur von Erdöl und steht bei den Emissionen von Kohlendioxid, dem nachgesagt wird, die Umwelt zu schädigen, an zweiter Stelle.

Zwar hat China in den vergangenen Jahren viele Umwelt- und Sozialgesetze beschlossen. "Die gesetzlichen Regelungen werden allerdings ungenügend umgesetzt", sagt Sarasin-Experte Knörzer. Regionale Behörden hätten wenig Interesse, die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu verbessern und stünden gewerkschaftlichen Aktivitäten oft feindlich gegenüber. Der Wettbewerbsrahmen für internationale Unternehmen, die in China tätig sind, würden von Staatsunternehmen bestimmt, die oftmals schon minimale Anforderungen an Umweltschutz und Arbeitsbedingungen nicht erfüllten, so Knörzer.

Die daraus entstehenden Risiken sind für internationale Konzerne beträchtlich. "Verbraucher und Öffentlichkeit erwarten von ihnen zunehmend die Wahrnehmung ihrer sozialen Verantwortung", sagt Knörzer. Das betreffe nicht allein die Produktionsstätten, sondern auch ihre Lieferketten. "Schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Umweltstandards gefährden somit den Ruf des Unternehmens", sagt der Sarasin-Experte. Weitere Risiken seien geringe Produktivität und hohe Fluktuation auf Grund schlechter Arbeitsbedingungen.

Die Studie der Bank Sarasin zeigt anhand von Beispielen auf, welche Möglichkeiten Unternehmen unter den gegebenen Umständen haben, mit den verschiedenen Herausforderungen in China umzugehen. "Diese Beispiele können an nachhaltigen Investments interessierten Anlegern als Messlatte für die Beurteilung konkreter Unternehmen dienen", sagt Knörzer, "aber auch, um zu entscheiden, ob unter den gegebenen Bedingungen in China die Einhaltung ökologischer und sozialer Mindestanforderungen überhaupt möglich ist."

Um die genannten Risiken möglichst gering zu halten, achten viele Unternehmen darauf, angemessene Umwelt- und Sozialstandards in ihrer Lieferkette einzuhalten. Positive Beispiele aus der Konsumgüter- und Elektronikbranche sind der Sportartikler Adidas-Salomon, PC-Bauer Hewlett-Packard und die Kaufhausgruppe Marks & Spencer. Sie berücksichtigen laut der Studie soziale Mindestanforderungen bei den Lieferanten und setzen zur langfristigen Verbesserung der sozialen Verhältnisse unterstützende Maßnahmen wie Schulungen und Beratung ein. "Marks & Spencer etwa verfügt über ein formelles Auditing-Programm für seine Zulieferer, in dem Arbeitsbedingungen überprüft werden", sagt Studienautor Plinke. Adidas-Salomon hat in seinen chinesischen Werken und bei Zulieferbetrieben Arbeitnehmerausschüsse gebildet, die als Ansprechpartner für Arbeitssicherheit und Gesundheit dienen.

Weiteres Ergebnis der Studie: Die untersuchten Firmen mit eigenen Produktionsstandorten in China haben fast immer ein konzernweites Umweltmanagement. Ein Beispiel ist das japanische High-Tech-Unternehmen Canon, das im Reich der Mitte mit fast 20 000 Mitarbeitern Kameras, Bürogeräte und Zubehör produziert. "Canon hat für seine Werke spezifische Umweltprogramme mit strengen Richtlinien entwickelt, die weit über den gesetzlichen Vorgaben liegen", so Plinke weiter.

Die Studie zeige insgesamt, dass bei Investitionen in Unternehmen mit Fernost-Engagement finanzielle Erfolge durchaus mit Umwelt- und Sozialverträglichkeit vereinbar seien. "Und der Kontakt mit den betroffenen Unternehmen im Rahmen der Nachhaltigkeitsanalyse trägt zusätzlich dazu bei, das Bewusstsein für die spezifische Problematik in China zu erhöhen", sagt Sarasin-Experte Knörzer. So könnten Anleger mit Fokus auf Nachhaltigkeit durch ein aktives Investment in Unternehmen, die im Sinne einer "guten Praxis" in China wirtschaften, zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

MICHAEL HÖFLING

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