20.09.2004

Wasserfonds als Quelle für Gewinne

Schwindende Ressourcen und steigende Nachfrage machen Wasser zum kostbaren Rohstoff

Quelle: Welt am Sonntag
Eine Orange benötigt 50 Liter bis zur Reife, ein Kilogramm Blumen saugt 1000 Liter auf, für ein Kilogramm Fleisch werden 5000 Liter benötigt, und eine Mikrochip-Fabrik verbraucht 400 000 Liter pro Stunde. Die Rede ist vom Rohstoff Wasser. Er ist begehrt wie Erdöl, und die Nachfrage pro Jahr steigt doppelt so schnell, wie die Weltbevölkerung wächst (zwei bis drei Prozent). Ideale Voraussetzungen für Anleger, um in diesen Markt zu investieren und von den steigenden Unternehmensgewinnen zu profitieren.

Welche verschiedenen Aspekte und damit Möglichkeiten das Thema hat, zeigt ein Blick auf die Infrastruktur. Die Lebensdauer von Trinkwasserleitungen beträgt je nach Qualität, Bodenbeschaffenheit und anderen Faktoren 50 bis 100 Jahre. Entsprechend müssen jährlich ein bis zwei Prozent der Leitungen erneuert werden. Während Städte wie Wien, Amsterdam oder Zürich in ausreichendem Ausmaß in ihre Infrastruktur investieren, gibt es aber auch viele Städte, die hier großen Nachholbedarf aufweisen. In London hingegen - wo jährlich nur 0,1 Prozent der Leitungen erneuert werden - versickern auf Grund der veralteten Systeme jährlich 50 Prozent des Leitungswassers durch Lecks. Ähnlich die Situation in New Orleans. In den USA gehen heute im Schnitt 15 bis 20 Prozent des transportierten Trinkwassers durch undichte Leitungen verloren. Zunehmende Investitionen in Wasserinfrastruktur werden besonders in den USA und Europa die Folge sein.

Während es heute weltweit noch ausreichend Trinkwasser gibt und "nur" die regionale Verteilung ein Problem darstellt, wird sich die Lage zukünftig deutlich verschärfen. Um das Jahr 2025 wird Trinkwasser nämlich für alle knapp. Einziger Ausweg: eine höhere Effizienz im Einsatz von Wasser in Landwirtschaft und Industrie und in der Trinkwasseraufbereitung und -reinigung.

Zurzeit gibt es zwei verschiedene Ansätze des Investments. Einmal müssen die vorhandenen Ressourcen geschützt und vorsichtig eingesetzt werden. Unternehmen also, die sich mit Nachhaltigkeit in diesem Sektor beschäftigen, gilt es zu suchen und zu analysieren. Diese Strategie verfolgt der SAM Sustainable Water Fund, ein Fonds aus der Down-Jones-Sustainability-Familie.

Anders strukturiert ist der Pictet Funds-Water von der Genfer Privatbank Pictet, der ausschließlich in Industriewerte investiert - der zweiten möglichen Annäherung an das Thema als Geldanlage. Im Pictet-Konstrukt stecken 178 Kapitalgesellschaften, die sich mit Versorgung, Großtechnologie und Verbrauch beschäftigen. Top-Unternehmen sind unter anderem Veolia Environnement, Nestlé, Servern Trent, Danone, Pentair, Allied Waste und Unites Utilities.

Erfolgreich sind beide Modelle, je nach Zeitraum liegt der eine oder der andere in der Performance vorn. Der von Dieter Küffer in Zürich verwaltete SAM Sustainable Water Fund schneidet über die gesamte Laufzeit besser ab. Mit einer kumulierten Performance seit September 2001 von plus 4,8 Prozent liegt er vor dem Pictet-Pendant, der 14,9 Prozent ins Minus rutschte. Als Gründe für die Outperformance nennt Küffer seine höhere Gewichtung von Small- und Mid-Caps. "Gerade kleine Werte wie Danaher oder BWT sind gut gelaufen", sagt er. Hans-Peter Portner von Pictet setzt dagegen stärker auf große Unternehmen wie Nestlé oder Group Danone, denn für ihn gelten bereits alle Unternehmen mit einem Umsatzanteil von mehr als 20 Prozent im Wasserbereich als investitionswürdig. Über kürzere Zeiträume, zum Beispiel seit Jahresbeginn, liegt der Pictet-Fonds mit plus 10,2 Prozent vor dem SAM-Produkt (plus 9,6 Prozent).

Makrowirtschaftliche Betrachtungen spielen für Küffer eine untergeordnete Rolle bei der Aktienauswahl. Innerhalb der Teilbereiche Wasserverteilung, -management, Reinigung, Effizienz und Wasser für Nahrung werden die infrage kommenden Unternehmen auf Nachhaltigkeit geprüft. Aus den 150 relevanten Firmen filtert Küffer anhand finanzwirtschaftlicher Kriterien rund 35 bis 40 Titel heraus, die dann je nach Branche im Fonds gewichtet werden.

Pictet-Manager Philippe Rohner will die Rentabilität seines Fonds mit dem Value-Ansatz steigern: "Rund 25 Prozent unseres Portfolios werden in Unternehmen investiert, die eine solide Dividende erwirtschaften." Darüber hinaus zähle vor allem die Wachstumsperspektive.

Die Zukunft des Marktes mit seinem Potenzial bietet jedenfalls gute Gründe, warum der Bereich Wasser für Investoren langfristig gute Renditen bringen sollte. Das Segment der Wasserfonds wird mittelfristig Nachahmer anlocken.

KARL-HEINZ MÖLLER, CHRISTIAN SCHRECKEIS

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