03.09.2004

Erster Öko-Index für kleine und mittlere europäische Firmen

Nachhaltige Kapitalanlagen, die marktkonforme Renditen mit ökologischem und sozialem Nutzen verbinden, sind auf dem Vormarsch. Wer entsprechende Aktien sucht, kann sich an spezialisierten Indices orientieren.

Quelle: Handelsblatt

BRÜSSEL. Die bekanntesten internationalen Indexfamilien sind die des Dow Jones Sustainability Index oder des FTSE4Good. Sie aber konzentrieren sich auf die Großkonzerne der Welt oder Europas. Wem jedoch an Aktien zukunftsfähiger mittlerer Unternehmen gelegen ist, dem hilft seit kurzem der Kempen SNS Smaller Europe SRI Index weiter, der erste Index für kleine und mittlere europäische Unternehmen.

In dem vom niederländischen Finanzdienstleister Kempen Capital Management und dem Nachhaltig-keitsberater SNS Asset Management im Oktober lancierte Index sind 102 Unternehmen aus 14 Ländern no-tiert. Darunter sind vier Deutsche: Chemieproduzent Celanese AG, Kabel- und Leitungen-Hersteller Leoni, der Entwickler elektronischer Bauelemente Epcos sowie die Pfeiffer Vacuum AG, Hersteller von Indust-riepumpen und DVD-Anlagen.

Für den Index wurden Unternehmen gewählt, die im HSBC Smaller European Companies vertreten sind. Sie müssen strenge Kriterien zu Unternehmensethik (Verhaltenskodex), Personalmanagement (Arbeitsbedingungen, Sicherheit, Nichtdiskriminierung u.a.) und Umweltschutz (Umweltmanagement, Emissionen, Berichterstattung u.a. erfüllen. Waffenhersteller und Unternehmen, die Kinderarbeit zulassen, sind ausgeschlossen. Die Firmen müssen aber nicht perfekt sein: es reicht, wenn zwei Drittel der Kriterien erfüllt sind.

„Der Index bietet ethisch ausge-richteten Anlegern die Möglichkeit, ihr Portfolio ähnlich wie bei traditi-onellen Anlagen zu diversifizieren und Renditechancen zu erhöhen,“ sagt Neil Dunn, Geschäftsführer von Kempen Capital Management. Für Unternehmen sei er ein Anreiz, mehr soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen, was die Attraktivität für Anleger erhöhe. Auf zwei Jahre zurückgerechnet legte der bei Analysten noch wenig bekannte Index nach Angaben von Dunn um 37 Prozent zu und schnitt deutlich besser ab als der Dow Jones Stoxx Sustai-nable Index. Er entsprach nahezu dem konventionellen Benchmark, dem HSBC Index.

Der Anbieter der Dow-Jones-Nachhaltigkeitsindices plant jedoch keinen Small/Midcap-Index. „Bei kleineren Unternehmen ist nur eine auf individuellen Kriterien basieren-de Bewertung machbar. Das erschwert die Objektivierbarkeit. Wir halten mehr von einheitlichen Kriterienrastern, die bei Großkonzernen eine hohe Objektivität gewährleisten“, begründet Alexander Barkawi, Geschäftsführer der SAM Indexes GmbH in Zürich.

Kempen und SNS wollen langfris-tig weitere Gesellschaften prüfen und in den Index aufnehmen, sofern sie die Anforderungen erfüllen. Ziel es, bis Jahresende von einst 69 auf 150 Unternehmen zu kommen. In den vergangenen vier Jahren untersuchten Kempen und SNS mehr als fünfhundert Unternehmen, in vier Jahren sollen 1 700 getestet sein.

Die Lancierung des Index gilt bei Branchenbeobachtern als logischer Schritt des von Kempen und SNS vor zwei Jahren aufgelegten Orange Sense Fund (OSF). Er besteht aus in Aktien kleiner und mittelgroßer europäischer Unternehmen und hat ein Volumen von 25 Mill. Euro. Die Nachhaltigkeitskriterien sind dieselben wie die des Index. Der OSF ist an der Amsterdamer Börse notiert und deutschen Anlegern zugänglich.

Die Auswahl an derartigen Fonds ist klein. Der größte und nach An-sicht von Experten erfolgreichste ist der 1996 aufgelegte Ökovision der Düsseldorfer Kapitalanlagegesellschaft Versiko. Er investiert rund 100 Mill. Euro weltweit überwiegend in mittlere und kleinere Unternehmen mit Schwerpunkt Europa.

Der Fonds schlug den MSCI-World in den letzten fünf Jahren um 20 Prozentpunkte und wurde von der Ratingagentur Standard & Poor’s mit fünf Sternen ausgezeichnet. Daneben gibt es den Sam Pioneer Fonds des Schweizer Vermögensverwalters Sustainable Asset Management, dessen Rendite in den vergangenen drei Jahren deutlich unter dem von Ökovison lag.

SUSANNE BERGIUS

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