01.01.2004
16.09.2014

09.11.2005

Forstwirtschaft – Deutschlands Arbeitgeber No. 1

Die Forst- und Holzwirtschaft beschäftigt in Deutschland mehr Arbeitnehmer als die Automobilindustrie. Zu diesem überraschenden Ergebnis ist die "Clusterstudie Forst und Holz Deutschland" gekommen, die gemeinsam vom Wald-Zentrum der Universität Münster in

Quelle: www.umweltdialog.de
Aus der Studie geht hervor, dass die Forst- und Holzwirtschaft im Industrieland Deutschland eine wesentlich größere arbeitsmarktpolitische und volkswirtschaftliche Bedeutung hat, als bisher angenommen. Die Bestandsaufnahme nach einer neuen Definition der Europäischen Union ergab rund zwei Millionen Waldbesitzer, etwa 185.000 Betriebe, über 1,3 Millionen Beschäftigte und einem Umsatz von ungefähr 181 Milliarden Euro. Damit arbeiten in der Wertschöpfungskette Wald und Holz deutlich mehr Menschen als zum Beispiel in der Chemischen Industrie (465.000), in der Automobilindustrie (780.000) oder in der Elektrotechnik (810.000).
 
"In Politik und Gesellschaft wird die Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft gemessen an diesen Daten stark unterschätzt", bringen HDH-Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas und Prof. Dr. Andreas Schulte vom Wald-Zentrum der Universität Münster zum Ausdruck. "Dies hat angesichts der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland erhebliche negative Konsequenzen". Die jetzt vorliegende bundesweite Erhebung war die logische Konsequenz aus den überraschenden Ergebnissen der "Cluster-Studie Forst und Holz NRW", die das Wald-Zentrum der Universität Münster 2001/2002 für die Landesregierung Nordrhein-Westfalen durchgeführt hat.

Nicht nur aufgrund der neuen EU-Definition, sondern vor allem auch aufgrund erheblicher methodischer Fehler bei der Erfassung der Strukturdaten der Forst- und Holzwirtschaft erscheint es als sicher, dass nicht nur die bisher in den amtlichen Statistiken veröffentlichten Zahlen und Annahmen des Bundes, sondern auch vieler Bundesländer die arbeitsmarktpolitische und volkswirtschaftliche Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft regional, bundesweit und in der erweiterten EU völlig falsch darstellen. Dies führt zu erheblichen ökonomischen Nachteilen in einer Branche, die zu den Innovativsten und nachhaltigsten der Welt gehört.
 
Angesichts der für weite Teile der deutschen Forst- und Holzwirtschaft schwierigen und sich weiterhin verschlechternden wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist es dringend erforderlich, ein neues, branchenübergreifendes Selbstverständnis zu finden. Mit dem in anderen Wirtschaftsbereichen bereits erfolgreich etablierten Clusterkonzept soll nun eine grundlegende Trendwende in der deutschen Forst- und Holzwirtschaft eingeleitet werden. Der erste Schritt ist mit dem Erfassen der wichtigsten Strukturparameter in der Clusterstudie Forst und Holz Deutschland erfolgt.
 
Es gelte nun, diese wichtige Rolle des Waldes bzw. des Roh- und Werkstoffs Holz in die Öffentlichkeit und Politik zu tragen. In Deutschland würden vor allem die so genannten Zukunftstechnologien wie zum Beispiel die Biotechnologie gefördert, die mit etwa 10.000 Beschäftigten weniger als ein Prozent der Beschäftigten in der Forst- und Holzwirtschaft vorweisen könne. Während die weltweit stark wachsenden Teilbranchen der Holzwerkstoffindustrie oder der Holzenergie Schwerpunkte der Wirtschaftspolitik zum Beispiel in Österreich sind, erscheinen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Holzwirtschaft in Deutschland als marginal. Prof. Schulte: "Holz wird noch nicht ausreichend als nachhaltiger und innovativer Rohstoff der Zukunft wahrgenommen".

Damit gingen Arbeitsplätze und Wertschöpfungsmöglichkeiten vor allem im ländlichen Raum in Deutschland verloren, so Schulte. Dabei mangele es nicht am Rohstoff Holz, denn die Wälder Deutschlands sind die holzreichsten Europas noch vor Finnland, Schweden oder Österreich, die gemeinhin als "Waldländer" gelten. Nur etwa zwei Drittel des nachhaltig nutzbaren Holzzuwachses würden derzeit in Deutschland eingeschlagen. Aufgabe der Zukunft werde es daher sein, die Rahmenbedingungen der über zwei Millionen privaten und kommunalen Waldbesitzer so zu verbessern, dass sie wie in den letzten Jahrzehnten ausreichend Holz zur Verfügung stellen können, ohne die anderen gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald vernachlässigen zu müssen.

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