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09.08.2005

Studie der Bertelsmann Stiftung: Gewinn ist nicht das einzige Unternehmensziel

Deutsche Unternehmen übernehmen gesellschaftliche Verantwortung

Quelle: IDW
Nur eine Minderheit von Führungskräften der deutschen Wirtschaft sieht es als einzige Aufgabe eines Unternehmens, so viel Gewinn wie möglich zu machen. Dies geht aus einer Befragung hervor, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung unter 500 Entscheidern zum Thema gesellschaftliche Ver­antwortung von Unternehmen durchgeführt hat. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Befragten ist davon überzeugt, dass zur Gewinnorientierung auch der Einsatz für gesellschaftliche Projekte gehört.

Vor allen Dingen die großen Unternehmen sind zu 93 Prozent der Meinung, dass für wirt­schaftlichen Erfolg soziale und ökologische Belange eine Rolle spielen. "Große deutsche Unternehmen haben häufig eine internationale Ausrichtung und sind börsennotiert. Daher sehen sie ihre gesellschaftliche Verantwortung im Gegensatz zu kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) eher als strategische Managementaufgabe und als Wettbewerbsvorteil", sagt Birgit Riess, Expertin der Bertelsmann Stiftung für Corporate Social Responsibility (CSR).

Die deutschen Unternehmen fühlen sich nach eigenen Aussagen unabhängig von ihrer Größe vor allen Dingen ihren Kunden (97 Prozent) und ihren Mitarbeitern (96 Prozent) gegenüber verantwortlich. Erst an dritter Stelle folgt die Verantwortung für den Eigentümer oder die Shareholder (88 Prozent). Für 87 Prozent der Manager ist die eigene Unternehmenskultur der Hauptgrund für gesellschaftliches Engagement. Das gilt besonders für die großen Unternehmen (94 Pro­zent), die dies häufig schon in einem Unternehmensleitbild verankert haben. Zudem spielt die wirtschaftliche Situation (83 Prozent) und die Eigentümerstruktur (71 Prozent) eine wesentli­che Rolle für gesellschaftliches Engagement.

Vier von fünf Entscheidern halten laut der Studie viele staatliche Aufgaben für privatisierbar. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) sagt aus, dass die gesellschaftliche Verant­wortung von Unternehmen durch die Finanzkrise des Staates größer geworden sei. Eine Mehrheit der Manager wünscht sich für ihr Engagement bessere politische Rahmenbedingun­gen wie zum Beispiel Informationsangebote und Steuervorteile. "Schon heute sind die Gren­zen zwischen staatlichen Aufgaben und unternehmerischem Handeln fließend. Vor allen Din­gen große Unternehmen engagieren sich für Ausbildungsinitiativen, für lokale Arbeitsmarkt­programme oder für die Suchtbekämpfung", so Birgit Riess.

"Bisher hat sich die positive Einstellung der deutschen Untenehmen zum Thema gesellschaft­liche Verantwortung jedoch nicht auf die internen Strukturen ausgewirkt", sagt die Expertin. Zwei Drittel der Firmen beschäftigen nach eigener Aussage keinen Mitarbeiter, der sich aus­schließlich damit befasst. Immerhin 57 Prozent der Unternehmen weisen ein eigenes Budget für CSR auf, das durchschnittlich rund 800.000 Euro beträgt. "Dies sind allerdings zum Teil weniger als ein Prozent des Umsatzes. Das Bewusstsein fehlt noch, die gesellschaftliche Verantwortung als strategisches Thema zu begreifen. Doch die Unternehmen sprechen dem Thema für die Zukunft mehrheitlich eine wachsende Bedeutung zu."

Die Befragung wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung im Mai und Juni 2005 durchge­führt. Die befragten Führungskräfte leiten Unternehmen, die im Jahr 2004 mindestens 200 Beschäftigte oder 20 Millionen Euro Umsatz hatten. Über 60 Prozent der Firmen gehören dem produzierenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor an, ein Viertel dem Finanz­dienstleistungssektor und dem Handel, knapp sieben Prozent dem Primärsektor.

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