09.05.2005

Kurzumtriebsplantagen: Umweltschutz durch Anbau nachwachsender Rohstoffe

Das Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven (ttz Bremerhaven) dehnt seine Aktivitäten verstärkt in den asiatischen Raum aus. "Nach unseren ersten Projekten in Bangladesch haben wir jetzt auch mit dem Projekt LADAS in China begonnen", berichten die Projek

Quelle: IDW
Die Reise diente neben dem offiziellen Projektstart vor allem zum Kennenlernen der örtlichen Gegebenheiten sowie zum Informationsaustausch über aktuelle und geplante Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in der Region. "Wie auch schon in Bangladesch wollen wir den möglichen Einsatz von Kurzumtriebsplantagen testen und optimieren", erläutert Küddelsmann, die der Gruppe Zukunftstechnologien des ttz Bremerhaven angehört. "Dabei handelt es sich um Plantagen mit schnell wachsenden Baumarten, zum Beispiel Pappeln oder Weiden. Eine Bepflanzung mit ausgewählten salzresistenten Sorten kann nicht nur die Ausbreitung der trockenen Salzböden stoppen, sondern gleichzeitig alternatives Brennmaterial zur Verfügung stellen und damit der Rodung natürlicher Wälder Einhalt gebieten." Dies schafft auch neue ökonomische Perspektiven für die Bevölkerung, der in den Übergangsregionen zwischen Wüste und Landwirtschaft häufig nur die Landflucht bleibt.

Im Projekt LADAS werden zunächst verschiedene Optionen für den Einsatz dieser Plantagen detailliert untersucht. Dabei spielt die Gärtnerei Sadowski aus Bremerhaven eine entscheidende Rolle. "Dort werden wir die nötigen Versuchsreihen durchführen", sagt die Projektleiterin. "Wir bestücken Pflanzenkübel mit verschiedenen Weidenarten und entsprechender Unterpflanzung, um das Wachstum und Entsalzungsverhalten unter verschiedenen Salzkonzentrationen zu untersuchen. Darüber hinaus wird auch der Einfluss von speziellen Mykorrhiza getestet - dies sind Bodenpilze, die Symbiosen mit den Pflanzenwurzeln eingehen und die Pflanze zusätzlich mit Stickstoff versorgen." Der Traditionsbetrieb aus der Seestadt wird aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mit der Anzucht von entsprechenden Pflanzen an diesem Vorhaben beteiligt.

Ziel des Projektes ist die Produktion nachwachsender Rohstoffe, die den Boden, den Wasserhaushalt und das lokale Klima stabilisieren und den Menschen vor Ort auf diese Weise nachhaltige Einnahmequellen bieten. Denn langfristig bieten sich neben dem Einsatz als Brennmaterial auch weitere ökonomische Potenziale: "Die gewonnene Biomasse lässt sich auch in der chemischen Industrie einsetzen", erklärt die ttz-Wissenschaftlerin. "Neben der bekannten Papierproduktion denken wir etwa an die Verwertung in Bioraffinerien, in denen aus Biomasse zum Beispiel Treibstoffe, Bio-Verbundwerkstoffe oder Biochemikalien hergestellt werden können."

LADAS ist eine internationale Kooperation mit Partnern aus China und Schweden. Das Projekt wird mit Mitteln aus dem AsiaProEco-Programm der Europäischen Union unterstützt.

"Während Globalisierung von manchen als Bedrohung betrachtet wird, leiten wir daraus die Chance zu einem Technologie-Transfer ab, der allen Seiten gleichermaßen zugute kommt", erklärt ttz-Geschäftsführer Werner Mlodzianowski diesen neuen Schwerpunkt der Bremerhavener Forscher. "Wie immer legen wir dabei besonderen Wert auf die innovative Anwendung technologischer Möglichkeiten, um marktfähige Lösungen präsentieren zu können. Die Ausrichtung auf die Schonung und Schaffung natürlicher Ressourcen entspricht dabei vollkommen unserer Philosophie, ausschließlich im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten zu arbeiten."

Das Know-how des ttz Bremerhaven auf dem Gebiet der Kurzumtriebsplantagen soll ab Juni 2005 parallel auch zur Weiterbildung von Verbandsvertretern aus dem europäischen Agrarsektor genutzt werden. "In dem EU-Forschungsprojekt BIOPROS geht es um die Schulung von Vertretern aus neun europäischen Bauern- und Biomasseverbänden über umweltverträgliche Methoden zur Nutzung kommunaler Abwässer als Ressource zur Bewässerung schnell wachsender Baumarten", erläutert ttz-Projektleiter Steffen Föllner. "Geplant sind zunächst Feldstudien gemeinsam mit vier weiteren europäischen Forschungseinrichtungen, den Bauernverbänden und ausgewählten Landwirten. Die Ergebnisse werden im Anschluss über Trainingsprogramme und Informationskampagnen an die Verbände weitergegeben."

Die Projekte LADAS und BIOPROS sind auch ein Beitrag des ttz Bremerhaven zur "Stadt der Wissenschaft" in Bremen und Bremerhaven im Jahr 2005.

Dem ttz Bremerhaven sind sechs Forschungsinstitute zugehörig, die sich der Entwicklung moderner marktfähiger Produkte und Prozesse verschrieben haben. Dies sind jeweils das Bremerhavener Institut für Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik (BILB); das Umweltinstitut; das Institut für Energie- und Verfahrenstechnik (IEV); das Bremerhavener Institut für Gesundheitstechnologien (BIGT); das Bremerhavener Institut für Biologische Informationssysteme (BIBIS) sowie das Bremerhavener Institut für Organisation und Software (BIOS).

Den Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt der Blauen Biotechnologie hat das ttz Bremerhaven im Biotechnologiezentrum Bio-Nord in Bremerhaven angesiedelt. Bremerhaven ist von der Europäischen Union als Schwerpunktregion für die Blaue Biotechnologie anerkannt.

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