03.05.2005

Klimaschutz schafft Arbeitsplätze

Vattenfall-Chef Lars Josefsson kritisiert mangelndes Engagement der Konzerne

Quelle: Welt am Sonntag / Lars Joseffson, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall AG
Der Klimawandel ist ein Weltproblem; nur wenn man ihn als ein solches versteht, wird man ihm auch wirksam begegnen können. Die Konferenzen von Rio und Kyoto haben die Aufgabe Klimaschutz nachhaltig im öffentlichen Bewußtsein plaziert. Wir stellen fest: An diesem Mega-Thema kommt niemand vorbei.

Und die Wirtschaft? In der öffentlichen Diskussion findet sie sich viel zu oft in wechselnden Rollen als der Büßer, Blockierer, Bremser. Das hat sich die Wirtschaft, haben sich viele Unternehmen selbst zuzuschreiben.

Gesellschaft und Politik müssen die Ziele vorgeben und dabei Interessengruppen, Verbände und NGOs hören. Ein erster Schritt dazu ist es, den Klimawandel und den menschlichen Einfluß auf das Klima als eine wissenschaftliche und soziale Tatsache zu akzeptieren. Wenn es aber darum geht, effiziente Lösungen zu entwickeln, Technologien voranzutreiben, so müssen die Marktkräfte zur Entfaltung gebracht werden.

Wirtschaft muß Verantwortung übernehmen; und vor allem muß sie erkennen, daß die vereinten Anstrengungen zum Klimaschutz zu einem bedeutenden Innovationsmotor werden können. Diese Position will ich auch am 3. Mai bei der OECD-Konferenz "Fuelling the Future" in Paris darlegen.

Als gesicherte Erkenntnis darf gelten: Ursache für Klimawandel sind Emissionen von Treibhausgasen, vor allem Kohlendioxid, und zwar vorwiegend im Transport- und Energiesektor. Zugleich aber müssen wir erkennen, daß auch bei rasendem Ausbau erneuerbarer Energien die Welt in den nächsten 50, wenn nicht gar 100 Jahren von fossilen Brennstoffen abhängig bleiben wird. Der Energiehunger aufstrebender Schwellenländer wie China und Indien wird anders nicht zu stillen sein, aber auch in Europa gibt es noch keine Lösungen, die den schnellen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen machbar erscheinen lassen.

Wir haben es also mit einem klassischen Dilemma zu tun. Wie lösen wir es?

1. Wir müssen das Emissionsproblem bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe technisch lösen. Auch wenn der Weg zur industriellen Anwendung noch weit ist: Das kohlendioxidfreie Kraftwerk muß Realität werden.

2. Ein Welt-Preis für CO2-Emissionen muß her. Die Grundidee des EU-Handelssystems für Emissionszertifikate - nämlich die Marktkräfte entscheiden zu lassen, wie und wo CO2-Emissionen am günstigsten und effektivsten vermieden werden - ist richtig. Doch ist das EU-System mit einem entscheidenden Mangel behaftet: Es ist nicht global angelegt, also die USA, aber auch Länder wie China, USA und Indien sind bei der Lösung des Problems nicht dabei.

3. Forschung und Entwicklung muß in allen Bereichen voranschreiten. Alle Arten von erneuerbaren Energieformen müssen genutzt und gefördert werden. Auch Kernenergie kann im Laufe der Debatte eine gesellschaftliche Neubewertung erfahren.

Wenn es darum geht, ein knappes Gut - in diesem Fall das Recht auf Treibhausgas-Emission - effizient und gerecht zu bewirtschaften, sollte man zur Lösung auf die Dynamik der Marktkräfte setzen. Sie führen zur Minimierung des Ressourceneinsatzes und zu einer Optimierung der weltweiten Arbeitsteilung. Indem man einen Preis für den Ressourcenverbrauch festlegt, wird dieser in der Zukunft in jede wirtschaftliche Kalkulation einbezogen werden.

Die Preisfestsetzung bedeutet gleichzeitig, daß Möglichkeiten geschaffen werden, in Lösungen zu investieren, die den Verbrauch dieses Gutes senken, also die Emissionen zu verringern. Wenn wir uns nur auf die zusätzlichen Kosten versteifen, ignorieren wir die ganze Dynamik, nämlich die Entstehung neuer Industrien mit neuen Arbeitsplätzen.

Wenn wir bei der Lösung des Klimaproblems den Marktkräften eine Chance geben, so kann aus dem Klimaschutz ein Innovationsmotor werden.

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