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01.07.2005
09.12.2014

19.01.2006

Erste chinesische Stadt soll nachhaltig werden

Urumqi, eine Millionenstadt in Nordwest-China, weist ein jährliches Wirtschaftswachstum von 17 Prozent auf. Doch mit der Wirtschaft wachsen auch die Umweltprobleme. Ein deutsches Expertenteam der Universität und Stadt Heidelberg und regionaler Unternehmen

Quelle: UmweltDialog
Urumqi, die Hauptstadt der autonomen Provinz Xinjiang hat heute etwa drei Mio. Einwohner. Bis 2020 werden dort zwischen fünf und acht Mio. Menschen leben. "Urumqi ist eine Stadt mit immensen Rohstoff-Ressourcen", erklärt Bernd Franke, vom Institut für Energie- und Umweltforschung IFEU im Interview. Das IFEU ist in dem Projekt "Urumqi: Steuerung umweltsensitiver Stoffkreisläufe zur nachhaltigen Stadtentwicklung in einem Trockengebiet" für den Kreislauf "Energie" verantwortlich. "Die Provinz Xinjiang verfügt über 30 Prozent der chinesischen Erdöl- und Kohlevorkommen. Für die Energieversorgung der Stadt spielt vor allem Kohle eine wesentliche Rolle", erklärt Franke. Derzeit herrschen Temperaturen zwischen minus 20 und minus 40 Grad. Als besonders erschwerend komme die extreme Smogbildung durch den Hausbrand und die Industrie hinzu, erklärt der Energieexperte. Auch die hohe Belastung der Luft mit Feinstaub (primarily particulate matter, PM10) stellt ein gravierendes Umwelt- und Gesundheitsproblem dar. Die Region zeichnet sich allerdings nicht nur durch den Reichtum fossiler Energieträger aus: Auch erneuerbare Energien, wie Wind- und Solarenergie, sind in sehr hohem Maße verfügbar und werden bereits heute genutzt. Ein Drittel der in China erzeugten Windenergie hat hier ihren Ursprung. Zudem ist die Region das wichtigste chinesische Zentrum für die Herstellung von Windkraftanlagen.

Die wesentlichen Versäumnisse liegen nach ersten Schätzungen der Experten in der Energieverschwendung. "Die Energieeffizienz der Wohn- und Appartmenthäuser ist sehr gering", erklärt Franke. Das sei allerdings kein Wunder: Die Infrastruktur sei gut - die meisten Wohnhäuser sind an das Fernwärmenetz angebunden - allerdings werde Energie nur nach der Wohnfläche verrechnet, nicht nach dem tatsächlichen Verbrauch. Wärmeschutz muss verordnet werden, derzeit liege diese Verantwortung auf vielen Schultern, kritisiert der Fachmann.

Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Anlagen - so auch die Fernwärmeanlagen, die mit Kohle gefeuert werden - nicht entschwefelt sind. "Urumqi produziert soviel Schwefeldioxid wie 20 Mio. Menschen in Deutschland." Das sei um den Faktor Zehn mehr als etwa in Deutschland. "Die größten Hemmnisse sind die Strukturen", führt Franke aus. Es sei notwendig alle Entscheidungsträger mit einzubinden. Dazu sei es zunächst erforderlich eine Hemmnisanalyse durchzuführen. "Es gibt keinen Überblick darüber, wo die Verluste eigentlich liegen."

Projekte wie das E-Team - Schüler sparen Energie an ihren Schulen - sollten auch in Urumqi etabliert werden, meint Franke. Das habe mehrere positive Effekte: zum einen würden Jugendliche für das Thema sensibilisiert zum anderen sei das Medienecho groß. "Um ein solches Projekt in Urumqi zu etablieren, ist es zunächst einmal notwendig den tatsächlichen Energieverbrauch zu kennen", meint Franke. Das Problem der Datenerhebung sei auch hier immanent.

Das Forschungsprojekt Urumqi wird vom Deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. In dessen Mittelpunkt steht die Forschung um nachhaltige Entwicklung von Megastädten von morgen. Projektkoordinator ist Bernhard Eitel vom Geographischen Institut der Universität Heidelberg.

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