o Die rasche Ausweitung des Angebots und die Europäisierung des Bio-Handels er-höhen den Wettbewerbsdruck auf die Öko-Landwirte und erzwingen eine stärker ö-konomischpragmatische Orientierung. Auch im Handel verschärft sich der Verdrän-gungswettbewerb im Naturkostbereich.
o Die Anpassung an konventionelle Strukturen und eine verstärkte ökonomische
Orientierung bedrohen die Glaubwürdigkeit und das spezielle Qualitätsprofil von Bio- Produkten. Ferner wird der mit ihnen verbundene Zusatznutzen in Bezug auf
Umweltschutz, artgerechte Tierhaltung, Landschaftspflege und Förderung der regio-nalen Wirtschaft in Frage gestellt. Die Konventionalisierung des Bio-Bereichs gefährdet somit zugleich ihr anhaltendes Wachstum.
o Das mit der Einführung des Bio-Siegels verknüpfte Ziel, die besonderen Qualitäten von Bio-Produkten klarer und glaubwürdiger zu kommunizieren, wurde bislang - aus Sicht der KonsumentInnen - nicht erreicht. Viele mögliche Anknüpfungspunkte und Motive für Biokonsum werden darüber hinaus in der Ernährungskommunikation zu wenig und nicht genügend zielgruppengerecht aufgegriffen. So ist von einer Konsumwende i. S. einer neuen Qualitätsorientierung und der Verbreitung nachhaltiger Ernährungsstile noch wenig zu bemerken.
Um die unerwünschten Effekte zu minimieren und das Wachstum der Bio-Branche unter dem Leitbild nachhaltiger Entwicklung zu verstetigen, wurden im Rahmen des Forschungsprojekts die folgenden Optimierungsstrategien entwickelt:
o Entlang der gesamten Wertschöpfungskette (von der Produktion über Verarbeitung und Handel bis zum Konsum) sollten differenzierte, auf die Bedürfnisse und Handlungsmöglichkeiten der jeweiligen Zielgruppen zugeschnittene Kommunikationsund Beratungsformen entwickelt werden;
o Ein wichtiger Schritt in Richtung einer Konsumwende ist es, alltagsnahe Leitbilder
nachhaltiger Ernährung öffentlichkeitswirksam zu vermitteln;
o Die Vielfalt der verschiedenen Betriebstypen und Angebotsformen in der Bio-Branche sollte erhalten werden, um die Balance zwischen ideeller Orientierung und ökonomischer Pragmatik wahren und den Zusatznutzen, d.h. die besondere Qualität von Bio-Produkten, glaubwürdig kommunizieren zu können. Hierfür sollten geeignete Maßnahmen, wie finanzielle Förderung, Netzwerkbildung, Wertemanagement und Labelling, ergriffen bzw. verstärkt werden.
Zentrale Ergebnisse des Verbundprojekts "Von der Agrarwende zur Konsumwende?" sind in einer Broschüre zusammengefasst, die während der Pressekonferenz vorge-stellt wurde und ab sofort bei der Münchner Projektgruppe für Sozialforschung (MPS) bestellt werden kann.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karl-Werner Brand & Astrid Engel
Münchner Projektgruppe für Sozialforschung
Dachauerstr. 189
80637 München
Tel.: 089-155760/14839713
E-Mail: astrid.engel@sozialforschung.org
Projekt-Homepage: http://www.konsumwende.de
(mit download Texten der einzelnen Teilprojekte)
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(URL: /en/11606)
Nachhaltiger Konsum 