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01.08.2004
31.03.2010

12.04.2006

Wissenschaftler der Uni Stuttgart an Forschungsprojekt RIMAX beteiligt: Zuverlässigkeit und Effizienz im Hochwasserschutz

Die Rekord-Pegelstände an der Elbe schärfen das Bewusstsein, dass es eine absolute Sicherheit gegen Naturgefahren wie extreme Hochwasser nicht gibt. Vor diesem Hintergrund forschen Wissenschaftler aus ganz Deutschland im Rahmen des Projekts RIMAX (Risikomanagement extremer Hochwasserereignisse) an Möglichkeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes. Auch zwei Institute der Uni Stuttgart sind an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit über 20 Millionen Euro geförderten Forschungsvorhaben beteiligt. Ihr Ziel ist es, die Hochwassergefährdung ökonomisch zu bewerten und damit das Hochwasserrisiko kalkulierbarer zu machen.

Quelle: idw
Versagen bei Hochwasser die Deiche, hat dies schwerwiegende wirtschaftliche, soziale und ökonomische Konsequenzen. Ihr Ausmaß hängt von der Intensität und der Dauer der an der Bruchstelle freigesetzten Wassermassen sowie von dem Schadenspotential im überfluteten Siedlungsgebiet ab. Doch Investitionen in den Deichschutz sind teuer. Deshalb entwickelt das Institut für Geotechnik (Prof. Pieter A. Vermeer) gemeinsam mit dem Institut für Wasserbau (Prof. Bernhard Westrich) Verfahren, um die Zuverlässigkeit von Deichen zu bestimmen und die Risiken eines Bruches abzuschätzen. Maßgebend sind hierbei geotechnische Einflussgrößen wie die Materialbeschaffenheit und der Aufbau des Deiches sowie hydrologische und hydraulische Belastungsfaktoren wie Höhe und Dauer des Wasserstandes einschließlich winderzeugter Wellen. Ausschlaggebend für die Risikobetrachtung ist die stochastische Natur dieser Variablen: Während bei konventionellen Betrachtungen ein Bemessungshochwasser festgelegt wird, berücksichtigt das an den beiden Instituten entwickelte Modell statistische Zusammenhänge zur Bestimmung der Zuverlässigkeit der Schutzdeiche. Vorbild ist dabei ein Ansatz, der in den Niederlanden für den Seedeichbau entwickelt wurde. Ziel ist die Erstellung eines praxistauglichen Konzepts zur Verringerung der Versagenswahrscheinlichkeit von Flussdeichen. Dies soll es ermöglichen, die Wahrscheinlichkeit eines Deichversagens zu quantifizieren und potentielle Schäden zu beziffern, um sie den Kosten für die Deichverstärkung oder -sanierung gegenüberzustellen.

Weitere Informationen bei Axel Möllmann und Manuel Fischer, Tel. 0711/685-(6)3779, e-mail moellmann@igs.uni-stuttgart.de, manuel.fischer@iws.uni-stuttgart.de

Teilprojekt Bewirtschaftungskonzept für Trockenbecken und Polder

Eine weitere Säule des Hochwassermanagements sind Rückhaltebecken und Polder. Durch deren Flutung können allerdings erhebliche Mengen an Schadstoffen, welche durch das Hochwasserereignis mobilisiert werden, in die Retentionsräume und Überflutungszonen gelangen. Die Problematik des Schadstoffeintrags wird am Institut für Wasserbau (Prof. Bernhard Westrich, Prof. Andras Bardossy), die Auswirkungen auf die Boden- und Landnutzung am Institut für Bodenkunde und Standortslehre an der Uni Hohenheim bearbeitet. An zwei konkreten Fallbeispielen im Einzugsgebiet der Rems und der Erft sollen hierzu modellgestützte Strategien zur Ausnutzung planerischer, baulicher und betrieblicher Möglichkeiten entwickelt und erprobt werden. Sämtliche Forschungsergebnisse werden in ein integratives Bewirtschaftungskonzept für Trockenbecken und Polder zur Hochwasserrückhaltung übernommen, das vom Erftverband erstellt wird.
Berücksichtigt werden insbesondere Bodenart, Bodennutzung, Bodenerosion, potentielle Schadstoffquellen aus Siedlung und Landwirtschaft sowie die hydrologischen und hydraulischen Verhältnisse des Einzugsgebietes. Für extreme Hochwasserszenarien werden der Eintrag und die Deposition von Schadstoffen in Stau- und Überflutungsräumen mit einem numerischen Strömungstransportmodell simuliert. Dabei werden die Auswirkungen auf Ernteertrag, Qualität und Nutzung der Böden analysiert und bewertet. Ziel ist ein Leitfaden für eine integrative Bewirtschaftung von Retentionsanlagen und Überschwemmungsgebieten. Er soll es hochwassergefährdeten Kommunen, Städten und Regionen ermöglichen, nachhaltige Lösungen für den Hochwasserschutz im Einklang mit dem Bodenschutz und der Flächennutzung zu entwickeln.

Weitere Informationen bei Prof. Bernhard Westrich und Sven Wurms, Tel. 0711/685-(6)8158, Westrich@iws.uni-stuttgart.de, Sven.Wurms@iws.uni-stuttgart.de

Bitte beachten Sie ab den Osterfeiertagen die neuen Telefonnummern der Universität Stuttgart. Die Pressestelle erreichen Sie dann unter 0711/685-82297, -82176, -82155, -82211 und der Fax-Nummer 0711/685-82188.

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