22.05.2006

Vielfältige Definitionen von Nachhaltigkeit - Fonds zwischen Rendite, Diversifikation und Ideologie

Der Markt für Nachhaltigkeitsfonds wächst zurzeit dynamisch. Die einzelnen Produkte unterscheiden sich deutlich. Die Renditen sind indes vergleichbar mit denen herkömmlicher Fonds.

Quelle: nzz.ch
Investitionen sollen vor allem eins: eine gute Rendite abwerfen. Die meisten Anleger achten bei der Auswahl ihrer Investitionen denn auch vor allem auf die vergangene sowie auf die erwartete Performance. Das Portfolio sollte zudem eine gewisse Diversifikation enthalten, um so ein Klumpenrisiko zu vermeiden. Seit einiger Zeit finden vor allem im deutschsprachigen Raum nachhaltige Anlagen immer mehr Absatz. Weltweit sind mittlerweile mehr als 800 Fonds unter dem Stichwort Nachhaltigkeit aufgelegt. In der Schweiz erreichte das Volumen der Nachhaltigkeitsfonds im vergangenen Jahr rund 4,5 Mrd. Fr. Das ist zwar weniger als 1% des Gesamtmarkts; dieser betrug laut dem Fondsdaten-Anbieter Lipper Ende 2005 rund 565 Mrd. Fr. Doch das Wachstum der nachhaltigen Produkte legte im letzten Jahrzehnt eine hohe Dynamik an den Tag (vgl. Grafik).

Vergleichbare Performance
Das überdurchschnittliche Wachstum dieses Segments müsste eigentlich implizieren, dass die Rendite der nachhaltigen Produkte in den vergangenen Jahren vergleichsweise hoch war. Tatsächlich finden sich Vergleiche, die den nachhaltigen Produkten eine bessere Rendite ausweisen als den herkömmlichen: So etwa wies der weltweite Dow-Jones-Sustainability-Index (DJSI) in den zehn Jahren bis Ende 2004 eine absolute Performance von 177% auf, während der MSCI World sich lediglich um 129% verbesserte. Begründungen für diese bessere Entwicklung basieren unter anderem auf der Annahme, dass Unternehmen mit ethischen, sozialen und ökologischen Zielen langfristig eine höhere Wettbewerbsfähigkeit aufweisen. Der Nachhaltigkeit verschriebene Unternehmen können durch die gesteigerte Energie- und Materialeffizienz einerseits die Kosten senken, anderseits sorgt das bessere Image für eine Ertragssteigerung, meinen Experten. Diese theoretischen Überlegungen lassen sich in der Praxis bis anhin aber kaum nachweisen. Betrachtet man die einzelnen Nachhaltigkeitsfonds, so steht es mit ihrer Performance ähnlich wie bei allen anderen Fonds: Einige entwickeln sich besser als der Markt, andere schlechter.

Experten, etwa von der Care Group, verweisen zudem auf Diversifikationsmöglichkeiten. Einige Nachhaltigkeitsfonds würden sich nicht im gleichen Zyklus wie die herkömmlichen Fonds bewegen. Dieses Argument überzeugt ebenfalls nur teilweise. Betrachtet man wiederum den Verlauf der beiden Indizes MSCI und DJSI, so war er (mit Ausnahme der leicht besseren Performance des letzteren) bei beiden praktisch identisch. Zudem lassen sich auch unter den herkömmlichen Fonds antizyklische Produkte finden.

Von den Waffenfirmen zur Mikrofinanz
Bei vielen Investoren dürften die Beweggründe für den Kauf einer nachhaltigen Anlage mit ihrer Einstellung zusammenhängen. Die Entwicklung des Marktes für Nachhaltigkeitsfonds spiegelt wichtige gesellschaftliche Trends. In den sechziger Jahren sind in den USA und Grossbritannien vor allem aus politischen Überlegungen Anlagefonds aufgelegt worden, die etwa Rüstungsgüter produzierende Unternehmen ausschlossen. Auch der Ausschluss von Alkohol- oder Tabakherstellern war damals sehr beliebt. In den späten achtziger Jahren wandten sich die nachhaltigen Fonds immer mehr den Umweltproblemen zu. Die Welle schwappte auch in die Schweiz über. Hierzulande wurden in einer ersten Phase vor allem Unternehmen, die sich mit Umwelttechnologie beschäftigten, in spezifischen Fonds zusammengefasst. Die Umweltkonferenz der Vereinten Nationen 1992 sorgte für einen neuen Trend. Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde erstmals einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein gerufen. Zugleich schuf die sogenannte Öko-Effizienz neue Möglichkeiten. Fortan können die Unternehmen nicht nur nach finanziellen, sondern auch nach ökologischen Gesichtspunkten analysiert werden. Die Klassenbesten wurden in spezifischen Fonds zusammengefasst. In den folgenden Jahren wurden die ökologischen Aspekte um soziale und ethische Bewertungskriterien ergänzt. Zurzeit liegen vor allem Fonds im Bereich der erneuerbaren Energien sowie der Mikrofinanz im Trend.

Der Markt für nachhaltige Anlagen ist aber nicht über alle Zweifel erhaben. Einerseits existieren fast unzählige Definitionen für Nachhaltigkeit, anderseits entscheidet jedes Unternehmen selbst, nach welchen Kriterien die nachhaltigen Titel ausgewählt werden. Die einzelnen Fonds weisen hierbei grosse Unterschiede auf. Allen gemein ist lediglich, dass sie einen Rating-Prozess anwenden, der nicht nur auf ökonomischen Kriterien abstützt. Diese «Positivkriterien» können unter anderem den Umgang mit der Umwelt oder die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden umfassen. Einige Anbieter schliessen zusätzlich gewisse Unternehmen aufgrund von bestimmten Eigenschaften grundsätzlich aus. Solche «Negativkriterien» sind etwa die Produktion von bestimmten Gütern oder Verstösse gegen Menschen- oder Arbeitsrechte (z. B. Kinderarbeit). Wie «nachhaltig» ein Fonds wirklich ist, hängt von der Wahl der Kriterien ab. Diese sollte ein Investor vor dem Kauf überprüfen und entscheiden, ob sie mit seiner individuellen Definition von Nachhaltigkeit übereinstimmen.

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