29.05.2006

Die neuen Kräfte - Grüne Geldanlage

Regenerative Energien ersetzen zunehmend fossile Energieträger - das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern kann auch Anlegern nützen. Zertifikate auf Öko-Indizes und -Aktienkörbe haben Konjunktur. Allerdings lohnt genaues Hinsehen: Nicht jedes Zertfikat hält, was es verspricht

Quelle: spiegel.de
Die Schweden machen derzeit vor, wohin die Reise geht: Fast ein Viertel ihres gesamten Energiebedarfs erzeugen die Skandinavier jetzt schon durch den Einsatz erneuerbarer Energien. Das ist Weltrekord - und Vorbild für einen Megamarkt.

Das Thema Energie ist brandaktuell. Fossile Energieträger wie Öl, Kohle und Gas werden in absehbarer Zeit knapp und jetzt schon immer teurer. Durch die neuen, schnell wachsenden Großverbraucher Indien und China ist die Konkurrenz unter den Käufern härter geworden. Die Preisspirale dreht sich dadurch schneller. Vorteil für die Umwelt: Alternative Energien werden konkurrenzfähiger. Vorteil für die Anleger: Anders als in der Vergangenheit - zum Beispiel zurzeit der Ölkrise in den siebziger Jahren - ist mittlerweile eine ganze Industrie gereift, die sich der Erforschung und Produktion regenerativer Energieträger widmet. Das bedeutet neue lukrative Anlagealternativen. Das Spektrum reicht dabei von Erdwärme und Solarenergie über Wasserkraft bis zur Erzeugung von Ethanol durch Biomasse.

Wer auf solche nachhaltigen Investments setzen will, findet seit ein paar Jahren eine große Auswahl an spezialisierten Fonds (siehe DER FONDS 5/2006). Die Zertifikatebranche, ansonsten schnell dabei, neue Trends aufzugreifen, ist vergleichsweise spät auf den Öko-Zug aufgesprungen. Das geringe Angebot an Zertifikaten in den vergangenen sechs Jahren lag unter anderem an der begrenzten Auswahl brauchbarer Branchenindizes, die als Basiswert hätten dienen können. Alternativ wurden Baskets zusammengestellt, die sich mehr oder weniger glücklich entwickelten.

Zertifikate-Auswahl wächst
 
Zwei Beispiele dafür liefern die UBS und die WestLB. Die UBS hatte ein gutes Händchen beim Timing und bei der Auswahl des Europäischen Wasserbaskets (CH 001 596 664 8), dessen Wert sich seit der Emission im Mai 2003 fast verdreifacht hat. Pech dagegen hatten Anleger, die Anfang 2001 in die bereits laufende Börsen-Baisse hinein den New Energy Active Basket der WestLB (DE 000 696 259 0) kauften. Der Korb (englisch: Basket), der beim Start seinen Schwerpunkt auf Windkraftunternehmen legte, verlor zwischendurch fast 95 Prozent an Wert und notiert heute - trotz des zwischenzeitlichen Öko-Hypes und der Verlagerung auf die Wachstumsbranche Solarenergie - immer noch rund 25 Prozent unterhalb seines Ausgabepreises.

Die Zeit der spärlichen Auswahl ist allerdings vorbei. Wer jetzt auf das Thema Nachhaltigkeit setzen will, findet mittlerweile ein ganzes Sammelsurium an Zerti?katen vor. In den vergangenen Monaten haben die Emittenten frische Baskets aufgelegt und zum Teil neue Öko-Indizes geschaffen. Einige von ihnen konzentrieren sich auf zwei Grundthemen der Nachhaltigkeit: Wasserversorgung und -aufbereitung sowie alternative Energieerzeugung. Dazu zählen regenerative Energien wie Biomasse, Solarenergie, Wasser- und Windkraft, aber auch neue Techniken zur sparsamen Energiegewinnung, beispielsweise Brennstoffzellen. 

Andere Emittenten fassen den Begriff der Nachhaltigkeit deutlich weiter. Beispiel Hypovereinsbank: Vor kurzem emittierte die Bank das zweite HVB Expresszertifikat, das sich auf den HVB Nachhaltigkeitsindex bezieht. Entwickelt wurde dieser Index gemeinsam mit Oekom Research. Die Münchner Nachhaltigkeits-Rating-Agentur berät ebenfalls Fondsgesellschaften wie Activest, Kepler-Fonds und SEB-Invest .

Beim HVB Nachhaltigkeitsindex achtet Oekom Research darauf, dass die enthaltenen Firmen ethischen, sozialen und ökologischen Aspekten gerecht werden und dazu hohe Dividendenrenditen aufweisen. Die Unternehmen können dabei aus allen Branchen stammen. Tatsächlich findet sich unter den 16 Gesellschaften des Index nur das Unternehmen Norsk Hydro, das Anteilseigner der norwegischen Naturkraft AS ist und damit dem Sektor "nachhaltige Energiewirtschaft" zugerechnet werden kann. Ansonsten tummeln sich im Index Aktien wie ABN Amro, Lloyds TSB, Nokia, Renault, Swisscom oder die Telecom Italia.

Unter Renditegesichtspunkten ist das Index-Portfolio damit einigermaßen krisenfest. Die vorzeitige Auszahlung von 107,15 Euro pro Zertifikat im Februar kommenden Jahres ist nicht unwahrscheinlich. Das Expresszertifikat läuft maximal bis Februar 2014. Bei einem aktuellen Preis von etwa 102 Euro können Anleger je nach Laufzeit des Zertifikats mit etwa 5,5 bis 6,5 Prozent Rendite pro Jahr rechnen. Wer vom Thema Nachhaltigkeit - einem langfristigen Trend - überzeugt ist, sollte sich allerdings überlegen, ob ein Expresszertifikat mit sehr beschränkter Laufzeit die richtige Wahl ist.

Das gilt auch für die beiden Brennstoffzellen-Aktien-Baskets von UBS und der WestLB. Beide Zertifikate haben eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr. Für ein Investment in einen Megatrend ist das ziemlich kurz gesprungen.

Weiche Auswahlkriterien

Index- und Basketzertifikate ohne Laufzeitbegrenzung sind sicherlich sinnvoller. Allerdings sollten Anleger auch hier trotz zum Teil wohlklingender Indexnamen auf die Zusammensetzung der Basiswerte achten. Das im Dezember aufgelegte Indexzertifikat der WestLB auf den Dow Jones Stoxx Sustainability Index beispielsweise impliziert durch seinen Namen (Sustainability, englisch für Nachhaltigkeit) ethisch und ökologisch korrektes Investieren. Die Kriterien für die Aufnahme in diesen speziellen Stoxx-Index sind allerdings recht weich. Auch Aktien von Unternehmen wie Royal Dutch, Telefónica, Münchener Rück, Unilever und Deutsche Börse werden hier gelistet - ein recht buntes Gemisch.

Wesentlich konsequenter ist das Konzept von BNP Paribas. Die französische Bank hat in Zusammenarbeit mit dem Wiener Börsenbrief "Öko-Invest" das Umwelt-Ethik-24-Zertifikat herausgebracht. Der Korb umfasst 24 verschiedene Werte der Energie- und Umweltbranche, die nach strengen ökologischen sowie ethischen Prinzipien selektiert werden. Die Auswahl wird alle sechs Monate überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Unternehmen müssen zumindest die Hälfte ihres Umsatzes in einem Öko-Sektor machen.

Dass bei aller Sorgfalt die Performance nicht zu kurz kommen muss, beweist ein Blick auf die Wertentwicklung. Seit der Emission im Juni 2003 hat sich der Kurs des Zertifikats verdoppelt. Der Preis für das gute Gewissen sind eine hohe Kauf-Verkaufs-Spanne (Spread) von einem Prozent und die mit 1,5 Prozent pro Jahr üppig angesetzten Managementgebühren.

Auch ABN Amro hat mit seinem Öko-Invest-Zertifikat ein Pferd im Nachhaltigkeitsrennen. Der ABN-Basket setzt sich zu gleichen Teilen aus den jeweils acht stärksten Aktien des Umweltaktienindex nx25 und dem Photovoltaik-Aktienindex PPVX zusammen. "Damit setzen Anleger mehr auf ökologische Energiegewinnung als auf das Thema Ethik", erklärt Stefan Gresse von ABN Amro. Die beiden Basisindizes, aus denen die insgesamt 16 Nachhaltigkeitsaktien stammen, entwickelte Max Deml, der Chefredakteur von "Öko-Invest".

Zwei Drittel der Aktien im ABN-Basket sind auch im Umwelt-Ethik-24-Zertifikat enthalten. Allerdings entwickelte sich das Zerti?kat der Niederländer zuletzt etwas dynamischer. Das führt Gresse darauf zurück, "dass unser Zertifikat durch seine Zusammensetzung bisher mehr vom Solar-Boom profitieren konnte".

Starke Gewichtung von Solartiteln

Das ist auch bei einem Zertitifikat der Société Générale der Fall. Die Bank hat zusammen mit der Schweizer SAM Group und der Indexagentur Stoxx den European Renewable Energy Index erfunden, kurz: Erix. Das Erix-Zertifikat enthält die nach Marktkapitalisierung zehn größten Unternehmen aus den Segmenten Biomasse-, Geothermie-, Solar-, Wasser- und Windenergie. Die Zusammensetzung wird vierteljährlich überprüft. Besonderer Vorteil des Zertifikats: Erix ist ein Performance-Index. Das heißt, dass auch Dividenden in die Berechnung einfließen. Auffällig: Der Schwerpunkt des Zertifikats liegt eindeutig auf den beiden Branchen Wind- und Sonnenenergie. "Und in diesen Bereichen spielt im Moment die Musik", erklärt Peter Bösenberg, Zertifikate-Entwickler bei Société Générale. "Da bei der Zusammensetzung des Index die Marktkapitalisierung der Unternehmen eine ausschlaggebende Rolle spielt, sind Solar- und Windkraft-Unternehmen stärker gewichtet. Geothermie und die Gewinnung von Energie aus Biomasse sind an der Börse noch keine großen Themen." Deshalb, so Bösenberg, gebe es auch keinen Geothermie- oder Biomasse-Index. "Ein Index mit nur drei Unternehmen ist wenig sinnvoll."

Im Performance-Vergleich mit dem Ethik-24-Zertifikat wird deutlich, welche Vor- und Nachteile diese starke Konzentration im Basket hat. Seit seinem Start im Oktober vergangenen Jahres konnte das Erix-Zertifikat 50 Prozent an Wert zulegen und ließ den Umwelt-Ethik-Basket damit mehr als 20 Prozentpunkte hinter sich. Anleger bezahlen die Kurssprünge allerdings mit einer fast dreimal so hohen Volatilität.

Dazu kommt, dass es keine Garantie dafür gibt, dass insbesondere Solaraktien weiterhin so rasant an Wert gewinnen wie bisher. Beispiel Solarworld: Der Kurs der Aktie ist in den vergangenen 24 Monaten um 2.500 Prozent gestiegen. Allein in diesem Jahr hat sich der Unternehmenswert verdoppelt - und durch die starke Gewichtung der Aktie im Erix auch den Preis des Zertifikats mit nach oben gezogen. Dass diese Entwicklung dauerhaft so weitergeht, ist eher unwahrscheinlich. Mögliche Korrekturen schlagen dann natürlich auch im Erix voll durch.

Wer trotzdem an eine ungebremste Fortsetzung des Solar-Booms glaubt, kann auch gleich in ein Zertifikat der Société Générale auf den Solex (World Solar Energy Index) investieren, das rein auf Sonnenenergie spezialisiert ist. In dem Index sind die zehn bedeutendsten Unternehmen der Solar-Branche versammelt.

Starke Gewichtung von Solartiteln

Das ist auch bei einem Zertitifikat der Société Générale der Fall. Die Bank hat zusammen mit der Schweizer SAM Group und der Indexagentur Stoxx den European Renewable Energy Index erfunden, kurz: Erix. Das Erix-Zertifikat enthält die nach Marktkapitalisierung zehn größten Unternehmen aus den Segmenten Biomasse-, Geothermie-, Solar-, Wasser- und Windenergie. Die Zusammensetzung wird vierteljährlich überprüft. Besonderer Vorteil des Zertifikats: Erix ist ein Performance-Index. Das heißt, dass auch Dividenden in die Berechnung einfließen. Auffällig: Der Schwerpunkt des Zertifikats liegt eindeutig auf den beiden Branchen Wind- und Sonnenenergie. "Und in diesen Bereichen spielt im Moment die Musik", erklärt Peter Bösenberg, Zertifikate-Entwickler bei Société Générale. "Da bei der Zusammensetzung des Index die Marktkapitalisierung der Unternehmen eine ausschlaggebende Rolle spielt, sind Solar- und Windkraft-Unternehmen stärker gewichtet. Geothermie und die Gewinnung von Energie aus Biomasse sind an der Börse noch keine großen Themen." Deshalb, so Bösenberg, gebe es auch keinen Geothermie- oder Biomasse-Index. "Ein Index mit nur drei Unternehmen ist wenig sinnvoll."

Im Performance-Vergleich mit dem Ethik-24-Zertifikat wird deutlich, welche Vor- und Nachteile diese starke Konzentration im Basket hat. Seit seinem Start im Oktober vergangenen Jahres konnte das Erix-Zertifikat 50 Prozent an Wert zulegen und ließ den Umwelt-Ethik-Basket damit mehr als 20 Prozentpunkte hinter sich. Anleger bezahlen die Kurssprünge allerdings mit einer fast dreimal so hohen Volatilität.

Dazu kommt, dass es keine Garantie dafür gibt, dass insbesondere Solaraktien weiterhin so rasant an Wert gewinnen wie bisher. Beispiel Solarworld: Der Kurs der Aktie ist in den vergangenen 24 Monaten um 2.500 Prozent gestiegen. Allein in diesem Jahr hat sich der Unternehmenswert verdoppelt - und durch die starke Gewichtung der Aktie im Erix auch den Preis des Zertifikats mit nach oben gezogen. Dass diese Entwicklung dauerhaft so weitergeht, ist eher unwahrscheinlich. Mögliche Korrekturen schlagen dann natürlich auch im Erix voll durch.

Wer trotzdem an eine ungebremste Fortsetzung des Solar-Booms glaubt, kann auch gleich in ein Zertifikat der Société Générale auf den Solex (World Solar Energy Index) investieren, das rein auf Sonnenenergie spezialisiert ist. In dem Index sind die zehn bedeutendsten Unternehmen der Solar-Branche versammelt. 

Weitere Informationen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,417909,00.html 

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