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04.07.2006

Neue Studie zur Nachhaltigkeit von Handelsunternehmen

Derzeit bestimmt vor allem Preiskonkurrenz die Strategie großer Handelskonzerne. Nachhaltige Kriterien, also Umwelt- und Sozialaspekte, stehen bei den Unternehmen meist hinten an. Die Bank Sarasin hat in einer aktuellen Studie untersucht, ob und inwieweit die weltweit größten Handelsunternehmen nachhaltig wirtschaften. Führend sind diejenigen Unternehmen, die wie Whole Foods Market oder Body Shop Nischenmärkte mit ökologischen Produkten bedienen oder wie Coop Schweiz eine qualitätsorientierte Strategie verfolgen. Nachholbedarf haben vor allem internationale Supermarktketten wie Wal-Mart, Kroger und Morrison WM.

Quelle: oekonews.at
Es wird immer deutlicher, dass auch im von Preispolitik getriebenen Handelssektor umwelt- und sozialfreundliche Strategien Potenzial haben. So übernahm Anfang 2006 der Kosmetikkonzern L’Oréal die britische Handelskette Body Shop. Attraktiv war für L’Oreal insbesondere die nachhaltige Produktions- und Sortimentsstrategie. Die Bank Sarasin hat insgesamt 14 Handelskonzerne auf ihre Nachhaltigkeit untersucht. „Denn Unternehmen, die diesen Ansprüchen nicht gerecht werden, gehen finanzielle Risiken ein, die auch den konventionellen Investor wegen ihres Einflusses auf die Rendite interessieren sollten, in der klassischen Finanzanalyse und bei einer kurzfristigen Betrachtungsweise aber oft aus dem Blickfeld geraten“, erklärt Michaela Collins, Nachhaltigkeitsanalystin bei der Bank Sarasin, den Ansatz der Studie.

Weit verzweigte Lieferkette und Kostendruck erschweren Kontrolle

Die Bank hat bei ihrer Analyse die Unternehmen insbesondere auf vier Faktoren untersucht: das Management der Lieferkette, die Mitarbeiterführung, den betrieblichen Umweltschutz und die Sortimentspolitik. Der Handel bestimmt über den Einkauf die Bedingungen der Güterproduktion in der Lieferkette grundsätzlich mit. Allerdings fiel auf, dass sich die meist weit verzweigte Lieferkette von Handelsunternehmen nur schwer kontrollieren lässt. Zudem steigt laut Studie der Anteil von Gütern aus sozial sensitiven Herkunftsländern, die kostengünstig liefern, am Import der Industrieländer. Er beträgt mittlerweile rund ein Drittel. Dass Lieferbeziehungen in diese Länder ein Risiko darstellen, zeigt sich am Beispiel von Wal-Mart. Der amerikanische Handelskonzern wird regelmäßig von Menschenrechtsorganisationen wegen seiner unmenschlichen und ungesetzlichen Arbeitsverhältnisse in Produktionsstätten in Ländern wie China, Bangladesh und Nicaragua kritisiert.

Etliche Unternehmen haben daher einen Lieferantenkodex eingeführt. In der Regel umfasst er Mindeststandards für Arbeitsbedingungen und zum Teil auch minimale Umweltanforderungen an Lieferanten. Die Durchsetzung ist jedoch nur selten überzeugend. Vorreiter ist hierbei der spanische Inditex-Konzern, der unter anderem die Bekleidungskette Zara betreibt. Aber selbst Wal-Mart hat bereits begonnen, die Verhältnisse bei den Lieferanten zu durchleuchten.

Arbeitsbedingungen und Umweltmanagement verbesserungswürdig

Problematisch sind vielfach auch die Arbeitsbedingungen im eigenen Betrieb, die von Niedriglöhnen und Teilzeitarbeit geprägt sind. Die Bank Sarasin hat festgestellt, dass partizipative Teamstrukturen und Nebenleistungen die Loyalität und Motivation stark erhöhen können. Ein Beispiel hierfür ist die Belegschaft von Whole Foods Market. Sie erhalten ein umfangreiches Mitspracherecht, das selbst die Sortimentsgestaltung und die Einstellung neuer Kollegen einschließt. Zudem ist ein Umweltengagement in der Lieferkette der Handelsunternehmen selten, wie überhaupt das Umweltmanagement im Vergleich zu produzierenden Branchen nur wenig formalisiert ist. Die Bemühungen um Verbesserung der Ökoeffizienz im Betrieb der Ladennetze oder im Transportwesen sind vorerst meist nur partieller Art. Große Hebelwirkung haben die Handelsunternehmen mit einer nachhaltigen Sortimentspolitik. Bisher wird dieser Einfluss auf Produktion und Verbrauch nur von einzelnen Unternehmen genutzt. Viele Lebensmitteleinzelhändler führen zwar Bioprodukte als Einkaufsalternative, jedoch als Kleinsegment mit einem geringen Umsatzanteil. Das Beispiel Coop Schweiz zeigt das Potenzial von umwelt- und sozialfreundlichen Produkten auf
und demonstriert, wie eine gezielte Bewerbung den Markt beflügeln kann.

Qualitätsorientierte Strategie schlägt Preiskonkurrenz

Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Unternehmen, die in erster Linie auf Preiskonkurrenz setzen, die geringste nachhaltige Bewertung erhalten. Hierzu gehören die US-Unternehmen Wal-Mart, Kroger Corporation und die britische Supermarktfirma Morrison WM. Unternehmen, die Nischenmärkte bedienen oder eine qualitätsorientierte Strategie verfolgen, schneiden dagegen deutlich besser ab. Führend sind in diesen Bereichen die erwähnten Whole Foods Market, Coop Schweiz und Body Shop sowie die Baumarktkette Home Depot, die systematisch umweltfreundliche Produktalternativen anbietet. Und diese Strategie hat sich ausgezahlt:

Die nachhaltig am besten bewerteten Unternehmen zeigen insgesamt über den letzten Konjunkturzyklus betrachtet eine überdurchschnittliche Performance. „Beispiele wie der Branchenführer Wal-Mart, der seit kurzem daran arbeitet, seine Umwelt- und Sozialperformance zu verbessern, deuten auf eine Wende in der Unternehmenspolitik des Handels hin. Sofern sie von Aktionären unterstützt werden, könnte das bislang dominante Geschäftsmodell reiner Preiskonkurrenz langfristig durch vermehrten Wettbewerb mit ökologischer und sozialer Qualität modifiziert werden“, erläutert Michaela Collins das Ergebnis der Studie.

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