Service


03.09.2007

Investoren und Analysten nehmen Nachhaltigkeit immer wichtiger

Analysten und Investoren, die wichtigste Zielgruppe für die Lageberichte der Unternehmen, bewerten Schlüsselindikatoren zu Nachhaltigkeitsleistungen überwiegend als wichtig oder sehr wichtig für Geschäftsverlauf, Lage und voraussichtliche Entwicklung von Unternehmen. Das ergab eine Umfrage im Auftrag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte und dem Bundesumweltministerium.

Quelle: handelsblatt.com
Analysten und Investoren, die wichtigste Zielgruppe für die Lageberichte der Unternehmen, bewerten Schlüsselindikatoren zu Nachhaltigkeitsleistungen überwiegend als wichtig oder sehr wichtig für Geschäftsverlauf, Lage und voraussichtliche Entwicklung von Unternehmen. Das ergab eine Umfrage im Auftrag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte und dem Bundesumweltministerium.

In der ersten Befragung dieser Art nach dem Informationsbedarf von Analysten und Investoren zeigt sich, dass sie auf messbare Kernkriterien zu Umwelt- und Sozialleistungen Wert legen und nicht auf die bei Nachhaltigkeitsberichten und Ratings übliche große Bandbreite.

Für zehn Branchengruppen des DAX-30-Index wurden die ein bis drei wichtigsten konkreten Kriterien ermittelt, über die Unternehmen berichten sollten, um ökonomische Risiken und Chancen aus Umwelt- und Sozialfaktoren zu erkennen. „Für die meisten dieser Kriterien dürfte eine Berichtspflicht gelten“, sagt Berater Dr. Axel Hesse, Autor der Studie. Sie soll einen Standardisierungsprozess zu Nachhaltigkeitskriterien für Lageberichte anstoßen. Bisherige Vorgaben seien zu vage und bedürften der Konkretisierung, erklärt Joachim Ganse, Geschäftsführer der Deloitte Cert Umweltgutachter GmbH. „Ein Einheitsresearch ist weder machbar noch wünschenswert, doch eine Fokussierung und radikale Entschlackung ist nötig“, sagt Christoph Butz von Pictet, der erste Analyst, der dies schon 2005 forderte.

Unternehmen mussten erstmals für das Geschäftsjahr 2005 in (Konzern-) Lageberichten so genannte extrafinanzielle „Sustainable Development Key Performance Indicators“ (SD-KPIs) veröffentlichen. Das fordern die Paragraphen 289 und 315 des Handelsgesetzbuchs, die eine europäische Modernisierungsrichtlinie umsetzen. Bisher fielen SD-KPIs und Kommentierungen aber sehr allgemein aus, stellte Hesse fest.

„Die Kernkriterien sollten möglichst innerhalb der Branche einheitlich sein und jährlich im Branchenvergleich sowie im Zeitverlauf über drei oder fünf Jahre vergleichbare Werte liefern und Verbesserungen des Unternehmens aufzeigen“, erläutert Hesse. Zudem sei ihre Bedeutung aufzuzeigen, insbesondere indem man sie mit ökonomischen Kennzahlen wie Kosten, Ertrag, Gewinn, Eigenkapitalrendite, Umsatz, Wertschöpfung oder Markenwert/Reputation ins Verhältnis setzt.

Allerdings gebe es teils nur qualitative Kriterien, schränkt Hesse ein. Doch auch bei diesen seien Einfluss auf Geschäftsverlauf, Lage und Entwicklung zu erläutern. „Die Kernkriterien im Lagebericht sind prüfungsrelevant für Wirtschaftsprüfer und müssten erklärt werden“, sagt Ganse. Ein Verweis auf separate Umwelt- oder Nachhaltigkeitsberichte reiche nicht. Auf Dauer werde die Berichtspflicht tiefer gehen, schon weil Investoren dies verlangen. Dessen müssten sich Vorstandschef und Finanzvorstände bewusst werden.

Bisher überwiegen risikoorientierte Kriterien. „Die Chancen nachhaltigen Wirtschaftens sollten in gleichem Maße vermittelt werden“, resümiert Hesse die Erwartungen der im Herbst befragten 30 Häuser, von denen die Ratingagenturen Innovest, Oekom Research und Scoris, die Banken Pictet, UBS und WestLB sowie der britische Vermögensverwalter F&C detailliert antworteten. Um zu überprüfen, inwieweit die Branchen die ermittelten Kernkriterien berücksichtigen, wurden die Dax-30-Unternehmen im Herbst befragt. Es antworteten 23 Konzerne. „Die Berichterstattung zu branchenspezifischen nachhaltigen Leistungsindikatoren wird sich verbessern“, schließt Hesse daraus.

Doch während die Berichterstattung der Chemiebranche als fortgeschritten gelten könne, entspräche die Automobilindustrie den Anforderungen gar nicht. Für sie ist das mit Abstand bedeutendste Kriterium der Flottenverbrauch, denn Lebenszyklusanalysen zeigen, dass 80 bis 95 Prozent der CO²-Emissionen auf die Nutzung der Fahrzeuge entfallen. Der Flottenverbrauch ist das einzige Nachhaltigkeitskriterium in der gesamten Untersuchung, das alle Analysten und Investoren nannten. „Dennoch hat kein Autoproduzent den absoluten Flottenverbrauch im Lagebericht veröffentlicht oder plant das zu tun“, kritisiert Hesse. Damit würden sie sehr wichtige Informationen für ihre voraussichtliche Entwicklung vorenthalten.

So habe beispielsweise BMW kein Fahrzeug, das bloß 140 g CO² pro Kilometer emittiere – den von der europäischen Branche bis 2008 angestrebten Branchendurchschnitt, sagt Analyst Hendrik Garz von der WestLB. Renault erfülle als einziger Hersteller diesen Wert im Flottendurchschnitt. Hätten Nachhaltigkeitsratings dies Kriterium, würde BMW – aktueller Branchenführer im tonangebenden Dow Jones Sustainability Index (DJSI) - schlechter dastehen. Die WestLB will die Produktseite künftig stärker beachten.

Nachrichten

weitere Nachrichten
(URL: http://www.fona.de/de/news.php)

Newsletter


Registrieren Sie sich für unseren aktuellen FONA-Newsletter!
Newsletter abonnieren
(URL: https://www.fona.de/de/newsletter.php)