29.11.2006

Lehrgang mit Verantwortung

In speziellen Studiengängen lernen Manager Ethik und Moral. Dies ist gerade in deutschen Wirtschaftstudiengängen ein selten behandeltes Thema, trotz der hohen Nachfrage der Unternehmen nach sozial kompetenten Mitarbeitern.

Quelle: ftd.de
Wer in Deutschland Wirtschaftswissenschaften studiert, begegnet dem Thema Corporate Social Responsibility (CSR) noch selten. Und das, obwohl immer mehr Firmen soziale und ökologische Verantwortung als wichtigen Bestandteil ihres unternehmerischen Handelns bezeichnen.

Anders als in den angelsächsischen Ländern wird CSR in den meisten wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen nur am Rande behandelt. Allerdings gibt es mittlerweile eine Reihe von Master-Studiengängen und MBA-Ausbildungsprogrammen für Postgraduierte, in denen der Managementnachwuchs gezielt die Verbindung zwischen gutem Gewissen und guten Geschäften lernen kann.

"Die zukünftigen Entscheidungsträger müssen sich über die Tragweite ihrer Entscheidungen und ihre Verantwortung im Klaren sein", sagt Bernd Siebenhüner, Juniorprofessor für Ökologische Ökonomik an der Oldenburger Universität. In Oldenburg können Studenten seit diesem Jahr einen Master-Abschluss in "Sustainability Economics and Management" machen.

Vielfältige Jobmöglichkeiten der Absolventen
Der Studiengang ist breit gefächert und umfasst ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Lehrstoff. Genauso vielfältig sind nach Ansicht von Siebenhüner die Jobmöglichkeiten der Absolventen. Sie könnten in Nachhaltigkeitsabteilungen von Unternehmen, in Nichtregierungsorganisationen oder Behörden arbeiten. "Es ist aber nicht so, dass man mit dem Abschluss gleich einen Job sicher hat."
An den Universitäten und Fachhochschulen treffen beim Thema ökologische und soziale Verantwortung von Unternehmen viele Strömungen und Ansätze aufeinander. Neben ökologischen Ansätze stehen philosophisch oder religiös geprägte Herangehensweisen.

Ein Vorreiter in der Ausbildung von CSR-kompetenten Managern ist die Universität Lüneburg. Seit 2004 bietet die Universität ein berufsbegleitendes MBA-Fernstudium in "Sustainability Management" an. Im Herbst werden die ersten sechs Absolventen fertig. Die Ausbildung richtet sich an Wirtschafts- wie an Naturwissenschaftler.

Managementkompetenz stärken
"Betriebswirten vermitteln wir soziales und ökologisches Wissen, Naturwissenschaftler können ihre Managementkompetenz stärken", sagt Stefan Schaltegger, Leiter des Centre for Sustainability Management an der Universität Lüneburg. "Wir richten uns besonders an Führungskräfte und solche, die es werden wollen", sagt Schaltegger.

Zurzeit nehmen 150 bis 200 Manager an der Fortbildung teil. Ein eigenes Programm, das auf Spanisch und Portugiesisch abgehalten wird, richtet sich an Führungskräfte aus Lateinamerika.

Beim herkömmlichen BWL-Studium sieht Schaltegger noch Nachholbedarf in Sachen CSR. "Das Studium hinkt den Anforderungen der Firmen noch stark hinterher." Viele Unternehmen hätten Bedarf an Entscheidungsträgern, die kompetent in Nachhaltigkeitsfragen sind. "Unternehmen sind der Ort, an dem Umwelt- und soziale Probleme entstehen und an dem sie gelöst werden können. "

Nachhaltigkeit war nie vorrangiges Kriterium
Ulrich Steger vom International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne sieht das Problem nicht bei den Universitäten. "Solange das Thema bei Unternehmen zweitrangig ist, wird es auch in der Ausbildung zweitrangig bleiben." Für eine Studie hat das IMD 450 Manager befragt.

"Nachhaltigkeit war dabei nie ein vorrangiges Kriterium", sagt Steger. Nur etwa ein Drittel der Führungskräfte sei nach seinen Erfahrungen in der Managerausbildung dazu bereit, sich ernsthaft auf Diskussionen über verantwortliches Handeln einzulassen.

Er relativiert auch die viel beschworene Rückständigkeit der deutschen Universitäten in Nachhaltigkeitsfragen: "Zumindest was betriebswirtschaftliche Umweltlehrstühle angeht, ist Deutschland durchaus führend." Steger selbst gründete 1987 den europaweit ersten Lehrstuhl für Umweltmanagement.

In den angelsächsischen Ländern übernehme der Staat viele soziale Aufgaben nicht. Deshalb müssten sich die Unternehmen dort gesellschaftlich mehr engagieren.

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