Eine Straßenbahn, die keine Schienen braucht, sondern wie ein Bus über die Straßen fährt - ein neuartiges Fahrzeugkonzept macht es möglich. Die AutoTram® kombiniert die Vorzüge von Bahnen und Bussen: Sie kann bis zu 300 Fahrgäste transportieren und ist de
Quelle: IDW
Wie eine Bahn schlängelt sich das dreiachsig
gelenkte Fahrzeug spurtreu durch enge Innenstädte. Dennoch sind weder
Schienen, noch ein teures Oberleitungsnetz zu sehen. Der 18 m lange
Gelenkzug rollt auf Gummirädern durch die Strassen. "Möglich macht das
die optische Spurführung", erläutert Matthias Klingner, Leiter der
Abteilung Verkehrssystemtechnik. Sensoren erkennen die gängigen
Fahrbahnmarkierungen und helfen so dem Fahrer der AutoTram® exakt die
Spur zu halten. Es lassen sich Züge mit einer Länge von bis zu 56 m
bilden, die etwa 300 Fahrgäste befördern. "So verbindet das
intermediäre Transportsystem die hohe Transportkapazität von
Straßenbahnen mit der Flexibilität von Stadtbussen. Und das bei
Investitions- und Betriebskosten, die nicht viel höher liegen als bei
vergleichbaren Bussystemen", zählt Klingner einige Vorzüge des
neuartigen Fahrzeugkonzepts auf.
Weitere Besonderheit der AutoTram®: Das Fahrzeug fährt mit
Brennstoffzellenantrieb. Energie für die Fahrmotoren liefert eine 80 kW
Brennstoffzelle der Ballard Power Systems AG - ähnlich wie beim F-Cell
von DaimlerChrysler. Obwohl die AutoTram® etwa 14mal schwerer ist als
die F-Cell Fahrzeuge, ist die Größe des mit Wasserstoff betriebenen
Aggregats für maximalen Fahrtkomfort völlig ausreichend. Denn die
Forscher nutzen einen kompakten 325 kW Schwungradmassespeicher mit
einer Speicherkapazität von 4 kWh. Damit können die im städtischen
Verkehr typischerweise hohen Leistungsschwankungen abgedeckt werden.
Hierbei setzen die Forscher auf altbewährte Technik aus den
Niederlanden. Bereits seit 20 Jahren arbeitet Centre for Concepts in
Mechatronics CCM Nuenen an rotierenden Speichersystemen und hat
kürzlich mit dem RoV II ein für mobile Anwendungen geeignetes, sehr
kompaktes und sicheres System vorgestellt. Seine hohe Energiedichte und
faktisch unbegrenzte Zyklenfestigkeit gaben den Ausschlag, die
Schwungradtechnologie gegenüber Ultrakondensatoren und
Hochleistungsbatterien vorzuziehen.
Ein ausgeklügeltes Energiemanagement steuert die Leistungsabgabe der
Bennstoffzelle und garantiert eine optimale Betriebsstrategie des
Antriebsystems. Dank der hohen Effizienz der Brennstoffzelle sowie
durch die Bremsenergierückgewinnung lässt sich der Kraftstoffverbrauch
deutlich senken. Die AutoTram® benötigt bis zu 25 Prozent weniger
Treibstoff als die bisher gängigen Stadtbusse. Das schont nicht nur die
zukünftigen Betriebshaushalte der Verkehrsunternehmen, sondern auch die
Umwelt: lediglich Wasserdampf entweicht als Abgas in die städtische
Luft.
Nach einer dreijährigen Projektlaufzeit von der ersten Idee bis zur
Inbetriebnahme der letzten Systemkomponenten stellt das Fraunhofer IVI
nun seine Arbeit einem internationalen Fachpublikum vor.