Bereits 1987 hatte das Institut eine Methode zur integrierten Analyse von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten unter dem Namen "Produktlinienanalyse" in Grundzügen entwickelt. Die Produktlinienanalyse stand jedoch zunächst im Schatten der Produkt-Ökobilanz (Life Cycle Assessment - LCA), die sich ausschließlich auf ökologische Aspekte konzentrierte. Erst durch das auf der Rio-Konferenz proklamierte Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung stieg das Interesse an Methoden zur Analyse der Nachhaltigkeit. Von den damaligen Fallbeispielen wurde vor allem die Studie "Produktlinienanalyse Waschen und Waschmittel" bekannt, die das Öko-Institut im Auftrag des Umweltbundesamts durchführte.
Mit der Methoden-Studie "Hoechst Nachhaltig" wurde im Auftrag und für die Hoechst AG untersucht, wie das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung für das Unternehmens-Management konkretisiert werden kann. Die Methoden-Entwicklung wurde an zwei Fallbeispielen erprobt: am Konservierungsstoff Sorbinsäure und an der PET-Dachplane. Als Länderbeispiele wählte man Deutschland und China (Die Studie liegt in deutscher Sprache vor und kann über das Öko-Institut bezogen werden. Ewen, C.; Ebinger, F.; Gensch, C.-O.; Grießhammer, R.; Hochfeld, C.; Wollny, V.: "HoechstNachhaltig - Sustainable Development: Vom Leitbild zum Werkzeug", Freiburg/Darmstadt/Berlin 1997.)
Die neu entwickelte Methode baut auf wesentlichen Elementen der Produktlinienanalyse auf und ist stärker auf die Anwendung in Unternehmen zugeschnitten. Es handelt sich um eine Methode zur strategischen Analyse und Bewertung von Produktportfolios, Produkten und Dienstleistungen mit dem Ziel: Identifizierung von System-Innovationen und Handlungsoptionen in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung. PROSA strukturiert die hierfür erforderlichen Entscheidungsprozesse und reduziert Komplexität auf das Wesentliche. Anwendungsfelder sind die Strategieplanung und Produktportfolio-Analyse in Unternehmen, die Integrierte Produktpolitik (IPP) und Dialogprozesse und die kooperative Produkt-Entwicklung in Innovationsnetzwerken. Zusätzlich führt PROSA die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, nämlich Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft für die nachhaltige Produktinnovation gleichberechtigt zusammen. Laut Öko-Institut, ein Novum, wie die Untersuchung von mehr als 50, auch international verbreiteten, Methoden und Konzepten zur Nachhaltigkeitsanalyse von Produkten zeige. Einige Ergebnisse dieser Untersuchung:
"Während die Analyseschritte für eine Ökobilanz durch ISO-Normen detailliert beschrieben sind, gibt es für die Analyse sozialer Aspekte noch kein eingeführtes Werkzeug", so Projektleiter Dr. Rainer Grießhammer zur Ausgangssituation des mit 600 000 Euro vom Bundesforschungsministerium geförderten Projektes. "Der wesentliche Weiterentwicklungsbedarf bei Nachhaltigkeits-Analysen besteht also im Einbezug der sozialen Aspekte. PROSA, eine in der Praxis bereits bewährte Methode zum Nachhaltigkeitsmanagement, wird diesem Weiterentwicklungsbedarf jetzt gerecht."
Die Methode soll Zukunftsmärkte identifizieren, neue Verbraucherbedürfnisse berücksichtigen und helfen, Fehlinvestitionen zu vermeiden. Dabei stützen sich Fachleute wie Rainer Grießhammer auf ein Set bewährter Einzelinstrumente, die in den meisten großen Unternehmen ohnehin routinemäßig eingesetzt werden. Es sind die fünf Kerninstrumente Produktportfolioanalyse, Megatrendszenarien, Konsumforschung, Ökobilanz und Lebenszykluskostenrechnung. Zeit- und Kostenrestriktionen werden beim Verfahren besonders beachtet. Für das neu hinzuzufügende Kerninstrument, die Sozioanalyse, wird im Projekt derzeit eine detaillierte Methodenbeschreibung erarbeitet. Zur internationalen Harmonisierung kooperiert das Öko-Institut dabei mit der internationalen "Life Cycle Initiative" des UN-Umweltprogramms (UNEP) und der SETAC (Society of Environmental Toxicology and Chemistry).
Die im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunktes "Sozial-ökologische Forschung" entwickelte PROSA-Methode wurde bereits in Kooperation mit mehreren Unternehmen erprobt. Ein Beispiel hierfür ist die TNetBox der Deutschen Telekom, ein virtueller Anrufbeantworter, der als nachhaltiges Produkt identifiziert und weiterentwickelt wurde. Soziale Aspekte wie etwa höhere Flexibilität, die Abschott-Funktion eines Anrufbeantworters, die Mehrfach-Nutzbarkeit als Family Box und Datenschutz spielten dabei eine große Rolle.
Weitere Informationen:
http://www.prosa.org/
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