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14.03.2005

Ökonomisch, ökologisch und sozial

Eine Methode führt die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit - Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft - für die nachhaltige Produktinnovation zusammen. Wir zeigen, wie sie sich für das Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen einsetzen lässt.

Quelle: Handelsblatt.com
Wie nachhaltig sind Produkte aus abbaubaren Kunststoffen gegenüber konventionelle Alternativen? Der Verband der Kunststofferzeuger, die Industriegewerkschaft Bergbau-Energie-Chemie und das Umweltministerium Niedersachsen wollten es genauer wissen und beauftragten das Freiburger Öko-Institut mit einer Studie. Ein Beirat der Niedersächsischen Kunststoff-Kommission mit Vertretern von Industrie, Gewerkschaften, Umweltverbände, Staat und Wissenschaft begleitete die Untersuchung, deren Ziel die exemplarische Erprobung von Produkt-Nachhaltigkeits-Analysen war. Als Fallbeispiele wurden gewählt: Joghurtbecher aus Polylactid versus Polypropylen sowie landwirtschaftliche Mulchfolie aus Polyesteramid versus Polypropylen. Nachhaltige Produkte zu entwickeln und dabei nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische und gesellschaftliche Aspekte zu optimieren, ist nach Ansicht von Öko-Institut e.V. eine der zentralen Aufgaben des modernen Unternehmensmanagements. Vor diesem Hintergrund hat das Öko-Institut ein Product Sustainability Assessment entwickelt, eine PROSA abgekürzte Methode, um Unternehmen bei dieser Aufgabe zu unterstützen.

Bereits 1987 hatte das Institut eine Methode zur integrierten Analyse von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten unter dem Namen "Produktlinienanalyse" in Grundzügen entwickelt. Die Produktlinienanalyse stand jedoch zunächst im Schatten der Produkt-Ökobilanz (Life Cycle Assessment - LCA), die sich ausschließlich auf ökologische Aspekte konzentrierte. Erst durch das auf der Rio-Konferenz proklamierte Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung stieg das Interesse an Methoden zur Analyse der Nachhaltigkeit. Von den damaligen Fallbeispielen wurde vor allem die Studie "Produktlinienanalyse Waschen und Waschmittel" bekannt, die das Öko-Institut im Auftrag des Umweltbundesamts durchführte.

Mit der Methoden-Studie "Hoechst Nachhaltig" wurde im Auftrag und für die Hoechst AG untersucht, wie das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung für das Unternehmens-Management konkretisiert werden kann. Die Methoden-Entwicklung wurde an zwei Fallbeispielen erprobt: am Konservierungsstoff Sorbinsäure und an der PET-Dachplane. Als Länderbeispiele wählte man Deutschland und China (Die Studie liegt in deutscher Sprache vor und kann über das Öko-Institut bezogen werden. Ewen, C.; Ebinger, F.; Gensch, C.-O.; Grießhammer, R.; Hochfeld, C.; Wollny, V.: "HoechstNachhaltig - Sustainable Development: Vom Leitbild zum Werkzeug", Freiburg/Darmstadt/Berlin 1997.)

Die neu entwickelte Methode baut auf wesentlichen Elementen der Produktlinienanalyse auf und ist stärker auf die Anwendung in Unternehmen zugeschnitten. Es handelt sich um eine Methode zur strategischen Analyse und Bewertung von Produktportfolios, Produkten und Dienstleistungen mit dem Ziel: Identifizierung von System-Innovationen und Handlungsoptionen in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung. PROSA strukturiert die hierfür erforderlichen Entscheidungsprozesse und reduziert Komplexität auf das Wesentliche. Anwendungsfelder sind die Strategieplanung und Produktportfolio-Analyse in Unternehmen, die Integrierte Produktpolitik (IPP) und Dialogprozesse und die kooperative Produkt-Entwicklung in Innovationsnetzwerken. Zusätzlich führt PROSA die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, nämlich Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft für die nachhaltige Produktinnovation gleichberechtigt zusammen. Laut Öko-Institut, ein Novum, wie die Untersuchung von mehr als 50, auch international verbreiteten, Methoden und Konzepten zur Nachhaltigkeitsanalyse von Produkten zeige. Einige Ergebnisse dieser Untersuchung:

  • Die soziale Dimension in den Konzepten wird meist vernachlässigt.
  • Es gibt nur wenige praktisch erprobte Methoden.
  • Obwohl viele Ansätze formal oder sprachlich Bezug auf die Nachhaltigkeit nehmen, dominiert noch immer die ökologische Dimension - in manchen Fällen kombiniert mit ökonomischen Kriterien als Ökoeffizienz-Analyse.
  • Die Analyse der sozialen Dimension ist bislang auf einem weniger differenzierten und standardisiertem Level und kommt häufig über gut gemeinte, aber abstrakte Anforderungen nicht hinaus.

"Während die Analyseschritte für eine Ökobilanz durch ISO-Normen detailliert beschrieben sind, gibt es für die Analyse sozialer Aspekte noch kein eingeführtes Werkzeug", so Projektleiter Dr. Rainer Grießhammer zur Ausgangssituation des mit 600 000 Euro vom Bundesforschungsministerium geförderten Projektes. "Der wesentliche Weiterentwicklungsbedarf bei Nachhaltigkeits-Analysen besteht also im Einbezug der sozialen Aspekte. PROSA, eine in der Praxis bereits bewährte Methode zum Nachhaltigkeitsmanagement, wird diesem Weiterentwicklungsbedarf jetzt gerecht."

Die Methode soll Zukunftsmärkte identifizieren, neue Verbraucherbedürfnisse berücksichtigen und helfen, Fehlinvestitionen zu vermeiden. Dabei stützen sich Fachleute wie Rainer Grießhammer auf ein Set bewährter Einzelinstrumente, die in den meisten großen Unternehmen ohnehin routinemäßig eingesetzt werden. Es sind die fünf Kerninstrumente Produktportfolioanalyse, Megatrendszenarien, Konsumforschung, Ökobilanz und Lebenszykluskostenrechnung. Zeit- und Kostenrestriktionen werden beim Verfahren besonders beachtet. Für das neu hinzuzufügende Kerninstrument, die Sozioanalyse, wird im Projekt derzeit eine detaillierte Methodenbeschreibung erarbeitet. Zur internationalen Harmonisierung kooperiert das Öko-Institut dabei mit der internationalen "Life Cycle Initiative" des UN-Umweltprogramms (UNEP) und der SETAC (Society of Environmental Toxicology and Chemistry).

Die im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunktes "Sozial-ökologische Forschung" entwickelte PROSA-Methode wurde bereits in Kooperation mit mehreren Unternehmen erprobt. Ein Beispiel hierfür ist die TNetBox der Deutschen Telekom, ein virtueller Anrufbeantworter, der als nachhaltiges Produkt identifiziert und weiterentwickelt wurde. Soziale Aspekte wie etwa höhere Flexibilität, die Abschott-Funktion eines Anrufbeantworters, die Mehrfach-Nutzbarkeit als Family Box und Datenschutz spielten dabei eine große Rolle.

Weitere Informationen:
http://www.prosa.org/

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