01.02.2008
Mit Sensoren gegen Hochwasser kämpfen
Das Sächsische Textilforschungsinstitut an der TU Chemnitz entwickelt Geotextilien zur Deichüberwachung
Quelle: (idw) Technische Universität Chemnitz21 Tote, mehr als 25.000 beschädigte und zerstörte
Wohngebäude, 750 Kilometer weggeschwemmte Straßen und 540 Kilometer vernichtete
Schienen - die Bilanz des "Jahrhunderthochwassers" im August 2002 war allein in
Sachsen dramatisch. Um die Auswirkungen von Wetterextremen künftig besser in den
Griff zu bekommen, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
ein Förderprogramm mit dem Namen "Risikomanagement extremer
Hochwasserereignisse", kurz RIMAX, ins Leben gerufen. Zu den bundesweit 35
Gruppen, in denen Fachleute verschiedener Disziplinen arbeiten, gehört auch das
Sächsische Textilforschungsinstitut (STFI) an der TU Chemnitz. Unter dem Titel
"Sensorbasierte Geotextilien zur Deichertüchtigung" entwickelt es ein
Monitoringsystem, das Veränderungen im Deich permanent feststellt und mit
genauen Ortsangaben einer Überwachungszentrale meldet.
"Bis heute wird
der Zustand von Deichen fast ausschließlich durch Deichläufer geprüft, die eine
visuelle oberflächliche Inspektion durchführen. Bei Hochwasser wird dabei zuviel
Manpower benötigt, sodass eine rechtzeitige, gezielte Deichunterstützung im
Krisenfall oft nicht möglich ist", erklärt Projektleiterin Elke Thiele. Gesucht
wurden am STFI Geotextilien, die einen Deich sowohl stützen als auch überwachen
können. Geotextilien bestehen in der Regel aus Vliesstoffen oder extrem groben
Textilstrukturen. In solche Geotextilien werden nun Sensoren eingearbeitet -
gewöhnliche, preisgünstige Glasfasern aus der Telekommunikationstechnik, die
eine Überwachung der Deiche auf bis zu zehn Kilometern Länge erlauben. Sie
registrieren Ort und Stärke einer Deformation der Textilfläche, die auf einer
Deichverformung beruht, und leiten sie an Messstationen weiter. Eine
Schadensmeldung lässt sich dabei auf fünf Meter genau zuordnen. In den
Messstationen können Schadensorte frühzeitig erkannt werden und auch im
Hochwasserfall ist ein schnelles Einschreiten möglich.
"Gefahren können
mit geringem Personalaufwand frühzeitig erkannt und abgewehrt werden. Und auch
ökonomisch ist der Einsatz sensitiver Geotextilien vorteilhaft, denn die
Deichbefestigung und das Monitoringsystem werden in einem Arbeitsschritt in den
Deich eingebaut", so Thiele. Die Innovation wurde im Mai 2006 an einem
Muldedeich bei Dessau in Sachsen-Anhalt getestet. Weitere Tests führten die
Wissenschaftler im August 2006 an zwei Stauseen in Polen sowie im Juli 2007 im
Versuchsdeich des Franzius-Instituts für Wasserbau und Küsteningenieurwesen in
Hannover durch. "Die Ergebnisse sind vielversprechend. Bis das inzwischen
patentierte System in der Praxis eingesetzt werden kann, müssen wir jedoch noch
weitere Versuche unternehmen", resümiert Thiele. Die Geotextilien sollen sich
schließlich auch im langfristigen Einsatz und unter extremen
Witterungsbedingungen bewähren. Deswegen finden im STFI weitere Belastungstests
unter Laborbedingungen statt. Auf einem Spezialprüfstand können die Textilien
bis zu 24 Tonnen beansprucht werden.
Das STFI arbeitet in dem Projekt
zusammen mit dem Franzius-Institut für Wasserbau und Küsteningenieurwesen und
der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Berlin sowie mit den Firmen
Bauberatung Geokunststoffe mbH und Glötzl Baumesstechnik mbH. Das Programm RIMAX
wird noch bis Ende 2008 vom BMBF mit rund 20 Millionen Euro gefördert. Das STFI
ist mit weiteren Forschungsprojekten beteiligt in denen es zum einen um eine
Deichstabilisierung geht und zum anderen eine selbst dichtende Wassersperre für
Fenster und Türen entwickelt und optimiert wird.
Weitere Informationen:Das Sächsische
Textilforschungsinstitut im Internet:
http://www.stfi.deDas Förderprogramm
"Risikomanagement extremer Hochwasserereignisse" (RIMAX) im Internet:
http://www.rimax-hochwasser.deWeitere
Informationen erteilt:
Elke Thiele
STFI
Telefon 0371 5274-243
E-Mail
elke.thiele@stfi.de