19.02.2008
Neue Methode zum Messen der Biodiversität - Wie individuelle Arten die Vielfalt tropischer Wälder strukturieren
Deutsche und Srilankische Forscher haben eine neue Methode entwickelt, um die Auswirkungen von Arten auf die lokale Biodiversität zu messen. Damit kann festgestellt werden, ob eine bestimmte Art die Artenvielfalt fördert oder unterdrückt. Die neue Methode erweitert das bei Biologen bekannte Verfahren, die Artenanzahl in Abhängigkeit von der Flächengröße zu untersuchen ("species-area relationship", SAR), um aufwendige statistische Verfahren. Damit kann nun auch die Rolle einzelner Arten in ihrer Auswirkung auf die Artenvielfalt beschrieben werden. Mit dieser individualisierten Methode ("individual species-area relationship", ISAR) können Schlüsselarten leichter ermittelt werden. "Wir betrachten die Diversität im Ökosystem gewissermaßen durch die Brille der einzelnen Arten", sagt Co-Autor Dr. Andreas Huth vom UFZ. Damit wird es künftig leichter, die Rolle einzelner Arten in Ökosystemen zu verstehen und gezielte Schutzmaßnahmen für Schlüsselarten zu treffen. Außerdem lassen sich so die ökologischen Folgen von Veränderungen in der Landnutzung besser untersuchen.
Quelle: (idw) Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZDie Forscher werteten mit ihrer neuen Methode einzigartige
Daten von zwei tropischen Wäldern in Panama und Sri Lanka aus, die zu einem vom
Smithsonian Tropical Research Institute organisierten Netzwerk gehören. In
diesem Netzwerk wird seit Jahren in tropischen Wäldern rund um den Globus auf
zwölf ausgesuchten bis zu 50 Hektar großen Probeflächen jeder einzelne Baum mit
einem Stamm dicker als ein Bleistift kartiert. Dabei verglichen die Forscher
etwa 40.000 größere Bäume im tropischen Regenwald auf der Insel Barro Colorado
mit denen im Nationalpark Sinharaja auf Sri Lanka. Zur Überraschung der Forscher
hinterlassen mehr als zwei Drittel aller Arten keine identifizierbaren Spuren in
der lokalen Artenvielfalt und die anderen Baumarten wirkten sich nur in ihrer
unmittelbaren Umgebung, im Umkreis von bis zu 20 Metern, auf die lokale
Artenvielfalt aus, aber nicht auf großen Skalen. Diese Erkenntnisse stützen die
heftig diskutierte "Neutrale Theorie", wonach die Eigenschaften von Arten für
die Stabilität und Diversität von Ökosystemen nur eine untergeordnete Rolle
spielen. Offenbar basiert der Artenreichtum tropischer Regenwälder auf
ausgeglichenen Interaktionen zwischen den Arten. Thorsten Wiegand hierzu:
"Bisher ist unter Biodiversitätsforschern umstritten, welche Prozesse dafür
sorgen, dass eine hohe Artenvielfalt entstehen kann und welche Prozesse diese
komplizierten Systeme stabil halten".
Auf der Untersuchungsfläche in Panama
gab es viele "abstoßende" Arten. In Sri Lanka dagegen dominieren "anziehende"
Arten, die die Artenvielfalt fördern. Wieso sich diese beiden Tropenwälder in
dieser Frage so stark unterscheiden, ist noch ungeklärt. Immerhin kam das
Verfahren neu zum Einsatz. "Wir haben die neue Methode zwar im tropischen
Regenwald erstmals angewendet, aber sie ist universell für Pflanzen in allen
Ökosystemen einsetzbar", sagt Dr. Andreas Huth vom UFZ. Die neue Methode
schließt eine Lücke zwischen einer eher groben Beschreibungen der Artenvielfalt
(für das ganze Ökosystem) und extrem detaillierten Analysen (Wechselwirkungen
zwischen einzelnen Arten). Künftig soll diese neue Methode auch mit den bereits
am UFZ entwickelten Waldmodellen kombiniert werden.
Weitere
Informationen:Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Dr. Andreas
Huth
Telefon: 0341-235-1719
http://www.ufz.de/index.php?de=3983
und
Dr.
Thorsten Wiegand
Telefon: 0341-235-1714
http://www.oesa.ufz.de/towi/oder
über die Pressestelle
Doris Böhme / Tilo Arnhold
Telefon:
0341-235-2278
E-mail:
presse@ufz.dePublikation:
Thorsten Wiegand,
C. V. Savitri Gunatilleke, I. A. U. Nimal Gunatilleke, and Andreas Huth: How
individual species structure diversity in tropical forests.
PNAS,
10.1073/pnas.0705621104 ( Ecology )
http://www.pnas.org/cgi/content/abstract/0705621104v1http://www.pnas.org/cgi/content/full/0705621104/DC1Links:
Pressemitteilung
vom 25.09.07 (Tropische Baumarten gehen sich aus dem Weg)
http://www.ufz.de/index.php?de=15138Monitorprogramm
des Center for Tropical Forest Science (CTFS):
http://www.ctfs.si.edu/doc/plots/sinharaja/index.htmlhttp://www.ctfs.si.edu/doc/plots/bci/index.html