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02.04.2008

Arme Bundesländer leiden am meisten an Klimawandel

Deutschland hat in den kommenden 50 Jahren bedingt durch den Klimawandel mit einem enormen Aufwand zu rechnen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht bundesweit von volkswirtschaftlichen Kosten in Höhe von 800 Mrd. Euro aus. Davon seien arme Bundesländer wesentlich stärker betroffen als ihre reicheren Nachbarn. "Die Auswirkungen des Klimawandels sind regional sehr unterschiedlich verteilt", heißt es in einer Aussendung des DIW. Länder wie Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bremen und Brandenburg würden gemessen an ihrer Wirtschaftskraft stärker an den zu erwartenden Wetterkapriolen leiden als beispielsweise Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen oder Bayern.

Quelle: UmweltDialog
In Folge des Klimawandels warnt das DIW auch vor Ausfällen am Energiesektor. "In der Energieversorgung sehe ich notwendigerweise keine Probleme, auch wenn diese von Klimaseite her umweltfreundlicher zu gestalten ist. Die Tendenz geht bereits hin zu klimafreundlichen Energien", erklärt Tim Hoffmann, Senior Researcher im Bereich Umwelt- und Ressourcenökonomik beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, im Gespräch. "Die Umstellung von bisher bewährten Energieformen wie Atom- oder Kohlekraftwerken auf klimafreundliche Varianten ist zwar möglich, aber teuer. Allein in die Förderung erneuerbarer Energien laufen jährlich über 7,7 Mrd. Euro, die der Konsument in Form eines Aufschlags auf seiner Stromrechnung wiederfindet", so der Experte.

Das DIW geht davon aus, dass die Belastungen in allen Bundesländern zunehmen werden. Bevölkerungsreiche und wirtschaftsstarke Länder würden zwar höhere Folgekosten in absoluten Zahlen zu tragen haben, "gemessen an ihrer Wirtschaftskraft sind jedoch wirtschaftsschwache und kleinere Bundesländer ungefähr fünf Mal so stark betroffen", erklärt Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin für Energie, Verkehr und Umwelt beim DIW. So hat Sachsen-Anhalt mit Belastungen in Höhe von 2,7 Prozent der Bruttowertschöpfung zu rechnen, gefolgt von Rheinland-Pfalz (2,6 Prozent) und Thüringen mit 2,4 Prozent. Demgegenüber liegen die erwarteten Kosten in Baden-Württemberg bei 129 Mrd. Euro (1,2 Prozent) bzw. in Bayern bei 113 Mrd. Euro, was nur 0,9 Prozent der Bruttowertschöpfung entspricht.

In Norddeutschland soll sich im Gegensatz zu Mittel- und Südwestdeutschland mit vermehrten Niederschlägen besonders der Temperaturanstieg auswirken. Süd- und Ostdeutschland stehen vermehrt Dürreperioden bevor. "Nach Wirtschaftssektoren wird die Land- und Forstwirtschaft am stärksten betroffen sein", prognostiziert Hoffmann. "Ebenso wird die Tourismusbranche vornehmlich in alpinen Regionen Abstriche ziehen müssen. Darüber hinaus trifft eine umfassende Klimaschutzpolitik letztendlich auch die Verursacher des Klimawandels, die ebenfalls mit höheren wirtschaftlichen Belastungen zu rechnen haben", schließt Hoffmann.

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