Energierechtler der Universität Jena erforschen die Energieversorgung der Zukunft
Quelle: (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena
Wie sieht die Energieversorgung der Zukunft aus? Welche neuen Möglichkeiten gibt
es, dem stetig steigenden Energiebedarf gerecht zu werden? Antworten auf diese
Fragen soll das Projekt "eTelligence" liefern, bei dem ein Konsortium aus
Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam agiert. Beteiligt ist das Institut für
Energiewirtschaftsrecht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena - das einzige
Institut seiner Art in den neuen Bundesländern. "Unsere Forschungen erhalten mit
diesem neuen Projekt auf den Gebieten der dezentralen und effizienten
Energieversorgung einen zusätzlichen Schub", sagt Prof. Dr. Walter Bayer, der
geschäftsführende Direktor des Instituts.
Angeführt vom Energieversorger
EWE AG in Oldenburg setzte sich das Konsortium beim Technologiewettbewerb
"E-Energy: IKT-basiertes Energiesystem der Zukunft" durch, den das
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) ausgerufen hatte.
Insgesamt sind sechs Siegerprojekte gekürt worden, die in verschiedenen
Modellregionen Deutschlands tätig sein werden.
Für "eTelligence" wurde
die Region Cuxhaven ausgewählt. "Dort gibt es ein breit gestreutes Feld von
Energieanbietern und Kunden", sagt Prof. Dr. Michael Lippert vom Jenaer Institut
für Energiewirtschaftsrecht. So gebe es Kühlhäuser, Schwimmbäder und eine
Wohnungsgesellschaft im Raum Cuxhaven. Neben Strom aus fossilen Brennstoffen
gehören Strom aus Windkraft und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zum Energiemix der
Region. Mitte April fällt der Startschuss für "eTelligence", das auf vier Jahre
angelegt ist und mit fünf Millionen Euro gefördert wird. In dieser Zeit soll auf
einem regionalen Energie-Marktplatz mit Hilfe moderner IT-Technik das Netzwerk
aus Stromerzeugern, Netzbetreibern, Energiedienstleistern und Kunden intelligent
gesteuert werden. Ziel ist es, die Energieeffizienz zu erhöhen und damit einen
Beitrag zu den ehrgeizigen politischen Vorgaben zum Klimaschutz zu leisten.
"Die Beschlüsse der Klausurtagung der Bundesregierung in Bad Meseberg im
August 2007 zogen ein ganzes Paket neuer Gesetze und Verordnungen nach sich",
sagt Lippert. Die Jenaer Wissenschaftler wollen nun untersuchen, wie diese
Gesetze praktisch umgesetzt werden. Ausgelotet werden außerdem die
Einsparpotenziale, die das moderne Energiemanagement bietet. Als technischen
Baustein wird das Fraunhofer Anwendungszentrum Systemtechnik in Ilmenau
Netzwerktechnik beisteuern. Prof. Dr. Dirk Westermann von der TU Ilmenau gehört
als Direktor dem Jenaer Institut für Energiewirtschaftsrecht an. "Unser Institut
arbeitet als einziges neben Bochum interdisziplinär", betont Michael Lippert,
der frühere Staatssekretär und heutige Honorarprofessor für
Energiewirtschaftsrecht an der Universität Jena.
Unter Federführung der
EWE AG sind u. a. das Institut für Energiewirtschaftsrecht an der Uni Jena, das
Ökoinstitut Freiburg, das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme, das
Fraunhofer Anwendungszentrum Systemtechnik Ilmenau sowie weitere
Industriepartner an "eTelligence" beteiligt. Insgesamt wurden vom BMWi für alle
sechs Modellprojekte 40 Millionen Euro bereitgestellt.
Die Jenaer
Energierechtler erwarten Erkenntnisse, die sich auf andere Regionen übertragen
lassen. Interessant könnten die Ergebnisse auch für Thüringen werden, dessen
Struktur kleinräumig, ländlich und mittelständisch geprägt ist. Außerdem nimmt
der Anteil der regenerativen Energie im Freistaat zu, was deren reibungsloses
Einspeisen in die vorhandenen Netze erforderlich macht. Zudem wird in Thüringen
seit langer Zeit die Wasserkraft genutzt.
Walter Bayer kündigte an, dass
sich die Jahrestagung des Instituts für Energiewirtschaftsrecht am 12. Juni 2008
auf den Dornburger Schlössern ebenfalls dem Thema dezentrale Energieversorgung
widmen werde. Schon am 24. April wird das Institut in Jena einen Workshop zum
Thema "Höchstspannungsleitung durch den Thüringer Wald?"
veranstalten.
Kontakt: Prof. Dr. Michael Lippert Institut für
Energiewirtschaftsrecht an der Friedrich-Schiller-Universität
Jena Carl-Zeiß-Straße 3, 07743 Jena Tel.: 03641 / 942146 E-Mail:
michael.lippert[at]jenalex.de