Fraunhofer und MIT gründen Forschungszentrum für erneuerbare Energie
Die Forscher vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE werden künftig eng mit Wissenschaftlern am amerikanischen Massachusetts Institute of Technology MIT zusammenarbeiten. Das neue Fraunhofer Center for Sustainable Energy Systems befindet sich in unmittelbarer Nähe zum MIT.
Quelle: (idw) Fraunhofer-Gesellschaft
Noch sind die Amerikaner Weltmeister im Energie verbrauchen.
Doch der Klimawandel hat auch in den USA einen Umdenkprozess angestoßen. An
renommierten Universitäten wie dem MIT in Cambridge arbeiten Forscher intensiv
an neuen Konzepten zur Steigerung der Energieeffizienz, zum Energiesparen sowie
zur Nutzung erneuerbarer Energien. Das Ziel ist dabei nicht nur die Entwicklung
neuer Technologien, sondern auch die Umsetzung bereits bestehender technischer
Lösungen in marktfähige Produkte - beispielsweise Energiesparhäuser oder
kosteneffiziente Solarsysteme. "Hier wird das MIT künftig mit Fraunhofer
zusammenarbeiten", erklärt Prof. Hans-Jörg Bullinger, der Präsident der
Fraunhofer-Gesellschaft. "Die neue Kooperation beweist, dass unser Know-how auch
an den amerikanischen Elite-universitäten hoch geschätzt
wird."
Alternative Energien und Energiespartechniken sind in den USA
bisher ein Nischenmarkt. Doch das wird sich bald ändern, meint Prof. Eicke R.
Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in
Freiburg. "In den USA war der Markt für Solarenergie bislang unterproportional.
Gemeinsam mit den Forschern vom MIT möchten wir dazu beitragen, unterstützende
Mechanismen in Gang zu bringen, damit ein dynamisches Wachstum entstehen kann."
Die Kooperationspartner ergänzen sich hervorragend: "Das ISE gehört zu den
weltweit führenden Einrichtungen wenn es um Energieeffizienz und die Nutzung
erneuerbarer Energien geht. Aber unsere Erfahrung ist meist beschränkt auf
Europa. In den USA sind die wirtschaftlichen und klimatischen Bedingungen, die
Standards und Vorschriften anders, da müssen wir vor Ort Erfahrungen sammeln",
so Prof. Roland Schindler, der ein Leiter des "Fraunhofer Centers for
Sustainable Energy Systems at MIT", sein wird. "Mit dem Labor können wir unser
Portfolio erweitern und deutschen Unternehmen helfen, den US-Markt zu
erschließen."
Und auch das MIT wird von der Kooperation profitieren,
davon ist Nolan Browne, Director of Business Development for Energy Sectors an
der neuen Fraunhofer-Einrichtung überzeugt: "Unser Ziel ist es, eine Brücke zu
schlagen zwischen der Forschung am MIT und einer erfolgreichen
Kommerzialisierung." Die Voraussetzungen dafür sind gut: Der Kooperationspartner
am MIT Professor Tonio Buonassisi ist ein ehemaliger Mitarbeiter von Prof. Eicke
Weber.
Die ersten Forschungsprojekte sind bereits in Vorbereitung: "Eines
der Arbeitsgebiete wird sicher die Weiterentwicklung der Solartechnik sein", so
Browne. "Wir brauchen preiswerte Komponenten und einen verbesserten Output. Denn
nur wenn sich die Erzeugung von Sonnenstrom rechnet, wird sie den riesigen
US-Markt erobern können." Dabei sollen aber nicht nur herkömmliche Techniken
verbessert, sondern auch neue Wege beschritten werden: Intelligente Schaltungen
und Softwareprogramme beispielsweise könnten den Output der Module regeln und
optimieren, neue Materialien und Verfahren die Produktion ökonomischer machen,
einfache Montagesysteme die Installationskosten senken.
Ein anderer
Schwerpunkt des neuen Labors wird energieeffizientes Bauen sein. Auch hier
erwarten die Experten wegen der steigenden Energiepreise in den nächsten
Jahrzehnten eine erhöhte Nachfrage in den USA. "Wir bringen bei Neubau und
Altbaurenovierung langjährige Erfahrung mit - egal ob es um Wärmedämmung, Strom-
oder Heizkostensparen geht", sagt Schindler. "Doch auch hier waren wir bisher
auf Europa begrenzt. In den USA haben wir die Gelegenheit, ganz andere und dazu
noch sehr unterschiedliche klimatische Verhältnisse kennenzulernen und uns
darauf einzustellen."
Im neuen Fraunhofer Center for Sustainable Energy
Systems sollen außerdem Produktionsverfahren für alternative Energietechniken -
beispielsweise Brennstoffzellen - entwickelt und optimiert werden. Mit Rapid
Prototyping wollen die Forscher die Funktionstüchtigkeit neu entwickelter
Komponenten testen, mit Packaging Technik die Produktionskosten senken. Dabei
sind auch Kooperationen mit dem benachbarten Fraunhofer Center for Manufacturing
Innovation CMI, einer der bereits bestehenden sechs Einrichtungen von Fraunhofer
USA, geplant. "Wenn alle ihr Fachwissen einbringen, schaffen wir eine
win-win-win-Situation", resümiert Browne.