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01.07.2005
09.12.2014

02.09.2008

Fraunhofer in Korea - Trends für Megacitys

Koreas Hauptstadt Seoul ist eine typische Megastadt: pulsierend, groß, laut und voller Abgase. Für Städte wie diese entwickeln Fraunhofer-Forscher neue Baukonzepte und IT-Lösungen, die Energie sparen, die Umweltbelastung reduzieren und das Leben in der Stadt angenehmer machen. Für die Koordination der Projekte wird jetzt in Seoul ein Fraunhofer Representative Office eröffnet

Quelle: (idw) Fraunhofer-Gesellschaft
Häuser so weit das Auge reicht. Seoul gehört zu den Megastädten der Welt. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Hauptstadt Südkoreas exponentiell gewachsen: Innerhalb von fünfzig Jahren hat sich die Einwohnerzahl vervierfacht. Heute leben 10 Millionen Menschen innerhalb der Stadtgrenzen. Rechnet man das Umland, die Metropolregion, noch dazu, sind es mehr als 20 Millionen. Mit dem Bevölkerungswachstum stieg auch die Umweltbelastung - Verkehrslärm und Luftverschmutzung nahmen dramatisch zu.

Bürgermeister Oh Se-hoon will dieser Entwicklung nicht länger tatenlos zusehen. Wenn es nach seinem Willen geht, wird Seoul schon bald eine grüne Stadt mit sauberer Luft - ein Vorbild für andere Megastädte, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Die Stadt investiert in innovative Technologien und Bauprojekte. Unterstützt wird sie dabei auch von Fraunhofer, Europas größter Einrichtung für Forschung und Entwicklung. Am 3. September wird in Seoul ein Fraunhofer Representative Office eröffnet, das Projekte zwischen den Fraunhofer-Instituten und koreanischen Partnern koordiniert. Einer der Schwerpunkte wird dabei die Entwicklung von Technologiekonzepten sein, die das Leben in den Megacitys der Zukunft umweltfreundlicher, angenehmer und einfacher machen.

Trend 1: Nutzung regenerativer Energien
Forscher am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg entwickeln jetzt im Auftrag der Stadt Seoul ein energieeffizientes Demonstrationsgebäude. Es soll nach allen Regeln der modernen Energiespartechnik konstruiert und mit regenerativen Energiequellen geheizt beziehungsweise gekühlt werden.

"Das Gebäude wird der Bevölkerung das Potenzial für den Einsatz erneuerbarer Energie vor Augen führen. Geplant sind Seminar-, Forschungs- und Wohnräume, die aufzeigen, welche technischen Möglichkeiten es gibt, Energie regenerativ zu gewinnen, aber auch einzusparen", erklärt Prof. Volker Wittwer, stellvertretender Leiter des ISE. "Wir wollen demonstrieren, dass das Null-Energie-Haus über das Jahr gerechnet möglich und dass es komfortabel ist: Wir werden es ausstatten mit modernster Gebäudetechnik und in die landesüblichen Energieversorgungsnetze einbinden." Schon im kommenden Jahr - pünktlich zur Jahrestagung des Arbeitskreises Megacitys in Seoul - soll mit dem Bau begonnen werden. "Unser Ziel ist ein Gebäude mit Vorbildcharakter: ein Anreiz für die Industrie, in Niedrigenergietechnik zu investieren", ergänzt der Forscher.

Sein Team liefert im Projekt "Null-Energie-Haus" das Know-how für die Nutzung alternativer Energiequellen - beispielsweise Sonnenlicht, Erdwärme oder Wind.

Trend 2: Energieeffizienz und Behaglichkeit
Auch in schon bestehenden Gebäuden lässt sich die Wohnqualität verbessern. Im Frühjahr 2008 unterzeichneten Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Holzkirchen einen Kooperationsvertrag mit Samsung Engineering & Construction, einem der größten Bauunternehmen Koreas. "Wir wollen die Behaglichkeit und die Energieeffizienz von Wohnhäusern steigern" berichtet Dr. Andreas Holm.

Mehr als die Hälfte aller Koreaner lebt heute in hohen Wohnblocks, die in den vergangenen Jahrzehnten errichtet wurden. Diese Häuser sind - verglichen mit deutschen Standards - schlecht gedämmt. Die Bewohner benötigen viel Energie zum Heizen beziehungsweise Kühlen der Wohnräume. Weitere Probleme sind sommerliche Überhitzung und Schimmelpilzbefall.

Die Ursachen werden jetzt systematisch untersucht. Die Holzkirchner Forscher werden bis Ende diesen Jahres 24 Wohnungen in Seoul mit Sensoren bestücken, die rund um die Uhr Temperatur und Luftfeuchte ermitteln. Mit Hilfe dieser Messwerte können die Experten das Raumklima simulieren und Empfehlungen geben, wie sich Energieeffizienz und Behaglichkeit steigern lassen. "Das Ziel ist es, den Energieverlust durch besser gedämmte Fenster und Fassaden weiter zu reduzieren und gleichzeitig ein für die Bewohner angenehmes Raumklima zu schaffen, ohne die Kosten dafür unnötig nach oben zutreiben. Wir haben den Massenmarkt im Auge", resümiert Institutsleiter Prof. Klaus Sedlbauer.

Trend 3: Akustik
Ein brisantes Forschungsthema in Seoul ist der Schallschutz. Der Straßenverkehr in der Hauptstadt erzeugt eine ständige Geräuschkulisse, die Hochhäuser sind zudem hellhörig. Neue Gesetze sollen jetzt den Bürgern mehr Ruhe bescheren: So gilt seit 2006 eine neue Verordnung beim Trittschallschutz - diese geht übrigens weit über die in Deutschland geltenden Auflagen hinaus. Die Akustiker vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Stuttgart arbeiten jetzt zusammen mit koreanischen Ingenieuren an innovativen, dämmenden Baumaterialien. "Wir haben ein neuartiges Dämmsystem auf der Basis eines Verbundmaterials entwickelt, das den koreanischen Forderungen entspricht und zugleich Perspektiven für einen hochwertigen Schallschutz in Deutschland eröffnet", berichtet Dr. Philip Leistner, Leiter der Abteilung Akustik. "Die Interessen koreanischer Großunternehmen wie etwa LG Chemicals und Samsung gehen im Gebäudebereich aber noch deutlich weiter. Sie zielen auf ganzheitlich und nachhaltig gestaltete Lebens- und Arbeitsräume in Gebäuden. Das ist auch für Fraunhofer ein Zukunftsthema. Und es betrifft nicht nur Korea und Deutschland, sondern gilt weltweit."

Trend 4: Bürgernahe Verwaltung
Auch im Bürger-Service will die Stadt Seoul künftig modernste Technologien einsetzen. Diese sollen den Umgang mit Behörden bequemer, einfacher und unkomplizierter machen: "Die National Information Agency NIA entwickelt spezielle IT-Services für die Regierung. Diese sollen nicht nur Informationen bereitstellen und Antragsverfahren online abbilden, sondern den Bürger auch direkt einbinden und Anfragen sowie Meldungen entgegennehmen", erklärt Nils Barnickel vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS. Zusammen mit koreanischen IT-Experten der Stadt Seoul plant er derzeit ein Forschungsprojekt im Bereich der telefonbasierten eGovernment-Services.

In einem Memorandum of Understanding haben sich beide Seiten darauf verständigt, ein Serviceangebot für die Megastadt zu entwickeln, das der geplanten europäischen Servicehotline ähnlich sein soll: In Europa können künftig alle Bürger über die Telefonnummer 115 umfassende Informationen und Hilfestellung im Umgang mit Behörden abrufen bis hin zur vollständigen Abwicklung von Antragsverfahren. Seoul möchte seinen 20 Millionen Einwohnern diesen attraktiven Bürger-Service ebenfalls anbieten.

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