Energiesparender Ersteinsatz: Mit Supraleitern Metalle erhitzen
Weltweit erster industrieller Einsatz eines HTS-Induktionsheizers - DBU förderte Entwicklung
Quelle: (idw) Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Um Heizungsrohre aus Kupfer oder Fensterrahmen aus Aluminium in Form zu bringen,
müssen die Metalle bei Temperaturen von bis zu 1.000 Grad weich gemacht werden.
"Dieser Schritt in der Metallverarbeitung verbraucht enorm viel Energie", weiß
Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
Dass sich davon in Zukunft mehr als die Hälfte einsparen lasse, zeige ein
Induktionsheizer mit Hochtemperatursupraleitern (HTS). Von den mittelständischen
Firmen Zenergy (Rheinbach) und Bültmann (Neuenrade) wurde die Anlage in den
letzten drei Jahren entwickelt - unterstützt von der DBU mit knapp 600.000 Euro.
Auf der Hannover Messe im April wurden beide Firmen dafür mit dem Hermes Award
ausgezeichnet, dem weltweit größten Technologiepreis (100.000 Euro). Seit Juli
ist der HTS-Induktionsheizer beim Mittelständler weseralu (Minden), einem
Profilpresswerk für Metalle, im Einsatz, wo er "alle Erwartungen übertrifft", so
Brickwedde, der das Werk heute besuchte.
"Zum ersten Mal überhaupt werden
Hochtemperatursupraleiter kommerziell in der Industrie angewendet: von Weseralu
und unseren Projektpartnern, die eine Anlage im Herbst 2007 an das Presswerk
verkauft haben", erklärte Brickwedde begeistert. Die keramischen Materialien,
aus denen HTS-Leiter bestehen, ließen sich in der Vergangenheit nur aufwändig
nutzbar machen. "Deutsche Mittelständler haben hier eine weltweit einmalige,
herausragende Innovationsleistung erbracht!"
In nur 75 Sekunden lasse
sich ein Aluminiumblock mit der neuen Technik erhitzen. "Vorher dauerte das
zweieinhalb Minuten", berichtete Heinz Hagemann, geschäftsführender
Gesellschafter von Weseralu. "Durch den verkürzten Heizprozess können die
Metalle jetzt doppelt so schnell weiterverarbeitet werden, und wir haben unsere
Produktivität um 25 Prozent verbessert." Darüber hinaus verbrauche die neue
Anlage nur halb so viel Strom wie eine konventionelle. Damit spare Weseralu pro
Jahr 50.000 Euro Energiekosten und verhindere den Ausstoß von 380 Tonnen des
klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid.
"Das Verfahren verspricht
eine grundlegende Wende in der metallverarbeitenden Industrie: Schließlich
entfallen bis zu fünf Prozent des gesamten Strombedarfs in einigen
Industrieländern auf den Betrieb konventioneller Induktionsöfen", sagte
Brickwedde. "Die DBU ist stolz darauf, diese umweltschonende und bahnbrechende
Innovation durch ihre Finanzspritze auf den Weg gebracht zu haben!"
Eine
Tagung zum Thema "Hochtemperatursupraleiter in Versorgungssystemen 2010+ -
Beiträge zur Netzstabilität und Effizienz" soll im März 2009 im Zentrum für
Umweltkommunikation der DBU stattfinden.