Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt zur Globalisierung der Produktion in München vorgestellt
Quelle: (idw) Leibniz Universität Hannover
Die Produktion ins Ausland zu verlagern, ist Mode geworden. Niedrige Löhne und
Energiepreise oder länderspezifische Förderprogramme sind dabei Motive für
deutsche Unternehmen. Doch ausschließlich in Billiglohnländern zu produzieren,
ist häufig nicht der Königsweg. Ein vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) gefördertes Verbundprojekt mit Beteiligung des Instituts für
Fabrikanlagen und Logistik (IFA) der Leibniz Universität Hannover zeigt neue
Wege in der globalen Produktion auf.
"Insbesondere kleinen und mittleren
Unternehmen (kmU) wollen wir mit unserem neu entwickelten Globalen Varianten
Produktionssystem eine Hilfestellung bei der Internationalisierung ihrer
Produktion geben", sagt Carsten Wagner, der das Projekt seitens des IFA betreut.
Gemeinsam haben drei Forschungsinstitute und fünf Industriepartner das Globale
Varianten Produktionssystem (GVP) konzipiert, um u. a. folgende Fragestellungen
zu beantworten: Welche Produkte eignen sich für internationale Herstellung? Wie
schütze ich produktbezogenes Knowhow? Mit welchen Partnern lohnt es sich, zu
kooperieren? Wie können Logistikkosten minimiert werden? Das GVP ist erstmals
ein systematischer Ansatz, um Alternativen zu einer Verlagerung von
Montagetätigkeiten ins Ausland aufzuzeigen. "Den Standort Deutschland zu
stärken, war oberstes Projektziel", erläutert Prof. Peter Nyhuis,
Institutsleiter des IFA.
Eine beteiligte Projektfirma ist die Sartorius
AG aus Göttingen. Der international aufgestellte Labor- und
Prozesstechnologie-Anbieter besetzt die Segmente Biotechnologie und Mechatronik.
Insbesondere werden Geräte und Systeme der Wäge-, Mess-, und
Automatisierungstechnik hergestellt. Um die Montagekosten in Deutschland zu
reduzieren, hat Satorius das gemeinsam entwickelte GVP auf seine Produktion
angewandt: Das mechanische Wägesystem als Herzstück einer Waage wurde
traditionell aus 80 Einzelteilen montiert. Hohe Materialbestände, geringe
Standardisierung und starker Personaleinsatz trieben die Produktionskosten in
die Höhe. Durch die Schaffung eines Monolithen als Grundlage für das Wägesystem
basieren nun unterschiedlichste Endprodukte auf dem gleichen Ausgangstyp, sind
Material- und Personaleinsatz geringer. Mit Hilfe des neu entwickelten Ansatzes
konnte Sartorius also die Kosten in der deutschen Montage senken und trotzdem
vom globalen Netzwerk und den Kernkompetenzen einzelner Standorte profitieren.
"Jedem Unternehmen wird mit dem GVP ermöglicht, seine Produktionsvariablen
umfassend zu überprüfen und eine stimmige Lösung für den globalen Markt zu
finden", so Carsten Wagner. Hilfestellung bei der praktischen Anwendung gibt ein
strukturierter Leitfaden in Buchform sowie Software gestützte Checklisten.
Insgesamt haben 45 Unternehmen und 15 Forschungsinstitute in sieben
unterschiedlichen Projekten deutschlandweit an Lösungen zur Stärkung des
Montagestandortes Deutschland gearbeitet. Für das Rahmenkonzept "Forschung für
die Produktion von morgen" hat das BMBF 12,5 Millionen Euro bereitgestellt. Am
Donnerstag, 4. Dezember 2008 werden bei der Abschlussveranstaltung Forum +
Marktplatz "Kompetenz Montage" an der Technischen Universität München alle
Projekte detailliert vorgestellt.