EU-Projekt RESOLIVE verwandelt Olivenreste in Energie
Neben pittoresken Olivenhainen und Ölmühlen hat die Ölproduktion noch eine andere, "dunkle" Seite: Die Reststoffe der Olivenpressung werden in Sammelbecken aufbewahrt, wo sie zu einer dickflüssigen Paste stocken. Die Methode dieser Lagerung bedeutet hohen Transportaufwand für die Produzenten und einen enormen Platzbedarf. Das EU-Projekt RESOLIVE zeigt einen ressourcenschonenden Ausweg auf: Rückständen zur Energiegewinnung einsetzen. Mittels Vergasung oder Biogasgewinnung in dezentralen Einheiten soll jede Produktionsgesellschaft ihre anfallenden Nebenprodukte nachhaltig einsetzen.
Quelle: (idw) ttz Bremerhaven
Biogas stärkt Ölproduzenten in Südeuropa Dass Olivenöl
einen positiven Effekt auf das Herz hat, vielseitig einsetzbar ist und auch
geschmacklich überzeugt, hat ihm einen Stammplatz in der mediterranen Küche
gesichert. Andere Regionen ziehen nach und konsumieren eine steigende Menge.
Trotz seiner nachweislich positiven Wirkung bereitet die Produktion von Olivenöl
den Herstellern auch Kopfzerbrechen. Die verbleibenden Reststoffe,
Pressabwasser, ein Gemisch aus Kernen, Häuten, festen Rückständen und Holz
werden bisher keiner nachhaltigen Nutzung zugeführt. In Zusammenarbeit mit
wichtigen Branchenverbänden wie PASEGES in Griechenland, Sociedad Cooperativa
Andaluza La Unión und Centre Oleicola del Penedès in Spanien, UNAPROL in Italien
und Cooperativa Agricola dos Olivicultores de Vila Flor e Ansiaes in Portugal
entwickeln Forscher, Olivenbauern und Ölmühlenbetreiber in dem EU-gefördert
Projekt RESOLIVE gemeinsam zukunftsfähige Lösungen für eine umfassendere
Ressourcennutzung.
Das Potenzial ist groß: Vier Fünftel (2 Millionen
Tonnen) des weltweit produzierten Olivenöls stammen aus Spanien, Griechenland,
Italien, Portugal und Frankreich. Zum Verzehr verkaufte Oliven stammen zu 45
Prozent (0,6 Mio. Tonnen) aus europäischen Anbaugebieten. Der Anbau und die
Verarbeitung von Oliven sind eine traditionell wichtige Säule der
südeuropäischen Wirtschaft. Im Verbund wollen die Projektpartner durch die
Gewinnung von Biogas ein neues Marktsegment erschließen. Dieser Schritt kann die
Unabhängigkeit von zentralisierten Energieversorgungssystemen erhöhen und durch
Einspeisungen in das öffentliche Netz Einnahmen generieren. Die Reststoffe -
Abwasser und eine dickflüssige Paste - weisen einen hohen Anteil an Fett,
Kohlenhydraten, Cellulosefasern und Lignin auf und haben somit einen hohen
Energiewert/Brennwert.
Eine bisher nicht erschlossene Ressource stellt
das Holz dar, das jährlich bei der Pflege der Bäume als Nebenprodukt anfällt.
Dieses Holz soll nicht länger auf dem Feld verbrannt, sondern nach einer
Umwandelung in Gas für die Energiegewinnung nutzbar gemacht werden. Um die
Produktionsbedingungen und Potenziale zu veranschaulichen, wird der Prototyp
eines Vergasungssystems eingesetzt. Je nach nationalem Zuschnitt der
Produktionseinheiten - in Spanien herrschen traditionell große, in Italien und
Griechenland kleine Einheiten vor - können dezentralisierte Verwertungseinheiten
eine Alternative darstellen. Wenn Olivenmühlen zu versetzten Zeitpunkten in der
Ernteperiode von November bis Februar aktiv werden, lassen sich Maschinenkosten
durch Umlage gering halten
Am ttz Bremerhaven ermitteln Wissenschaftler
aus dem Bereich Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement, welche
Produktionsbedingungen den größten Output hervorbringen. "Auf der Grundlage der
Ergebnisse aus zahlreichen Messreihen lässt sich für die Produzenten ableiten,
unter welchen Vorrausetzungen sich die Biogasproduktion rentiert. Noch bis Ende
des Jahres werden dazu Versuche gefah-ren", berichtet Projektleiterin Barbara De
Mena vom ttz-Bremerhaven. Die Samm-lung der Reststoffe in den geschlossenen
Biogastanks hat darüber hinaus den Vor-teil, dass keine Geruchsbelästigung
entsteht, der Platzbedarf geringer ist und die Masse nicht nur aufbewahrt,
sondern aufgewertet wird.
Das Projekt RESOLIVE trägt zur Entwicklung
einheitlicher Richtlinien für Olivenölproduzenten in Südeuropa bei und
verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Hersteller durch neue
Absatzprodukte. Bisher kaum koordinierte Forschungsaktivitäten werden durch eine
systematische Vernetzung einem größeren Kreis zugänglich gemacht. Durch
gesteigerte Kapazitäten im Bereich moderner Technologien sollen außerdem in
ländlichen Regionen neue Arbeitsplätze entstehen. Die EU hat sich zum Ziel
gesetzt, 8,5 Prozent des gesamten Energieverbrauchs im Jahr 2010 durch
Bioenergien zu decken. Das Projekt RESOLIVE leistet einen wichtigen Beitrag
dazu. Das anwendungsbezogene Know-how, das die Partner im Rahmen des Projektes
entwickeln, wird Produzenten und Ölmühlenbetreibern durch Workshops und
Trainings in den beteiligten Ländern zugänglich gemacht.
Das ttz
Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt
anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven
arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen
Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-,
Energie- und Landschaftsmanagement, Gesundheitssysteme sowie Verwaltung &
Software.