Koordinierte Forschung ist nötig, um Europas Anpassung an den Klimawandel zu meistern
Die Anpassung an den Klimawandel steht in den Staaten der Europäischen Union erst am Anfang und weist noch erheblichen Entwicklungsbedarf auf. So fehlen zum Beispiel Aussagen zu Kosten und Nutzen der Anpassung. Auch eine koordinierte europaweite Forschungsstrategie sei noch nicht zu erkennen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die am Dienstag in Brüssel vom PEER-Verbund vorgestellt wurde. In PEER (Partnership for European Environmental Research) arbeiten sechs Umweltforschungszentren aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Finnland und Deutschland sowie die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission zusammen.
Quelle: (idw) Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Die nationalen Anpassungsstrategien verschiedener EU-Mitgliedsstaaten an den
Klimawandel sind jetzt erstmals miteinander verglichen worden. Dabei fanden die
Wissenschaftler einige gemeinsame Stärken und Schwächen. So werden der
systematische bereichsübergreifende Ansatz sowie die Einbeziehung der
Betroffenen als positiv, fehlende Bekenntnisse zur weiteren Umsetzung und
Bereitstellung der nötigen Ressourcen dagegen als überwiegend negativ bewertet.
Sieben EU-Staaten verfügen über eine solche Anpassungsstrategie und in sieben
Staaten wird diese zurzeit offiziell erarbeitet. Für die Studie wurden die
Anpassungsstrategien von Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich,
Großbritannien, den Niederlanden und Spanien untersucht.
Lange haben
sich die Bemühungen allein auf die Vermeidung des Klimawandels konzentriert. Mit
dem Wissen um die Folgen ist in den letzten Jahren auch das Bewusstsein
gewachsen, dass parallel zur Vermeidung eine Anpassung an den Klimawandel
erfolgen muss. Die Herausforderung dabei ist jedoch, dass es kein einheitliches,
klares Ziel wie beim Klimaschutz gibt. Stattdessen handelt es sich um eine
Vielzahl von Problemen in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft mit
unterschiedlichen Zuständigkeiten, und es bestehen noch hohe Unsicherheiten
darüber, wie gravierend sich der Klimawandel vor Ort auswirken wird. Um dieser
Herausforderung zu begegnen, haben viele Länder in den letzten Jahren
Anpassungsstrategien entwickelt. Anhand dieser Strategien sollen in den nächsten
Jahren konkrete Umsetzungspläne und Anpassungsmaßnahmen entwickelt werden.
In Deutschland sind vom Klimawandel unter anderem die Bereiche
Gesundheit, Hochwasserschutz, Wasserversorgung sowie die Land- und
Forstwirtschaft betroffen. Die Klimaszenarien rechnen beispielsweise damit, dass
sich die Anzahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad deutlich erhöhen
wird, was besonders Gesundheitsrisiken für ältere Menschen bedeutet. So werden
sich Stadtplaner und Architekten darauf einstellen müssen, Schatten und Kühlung
künftig stärker zu berücksichtigen. Ein zentraler Punkt wird der Faktor Wasser
sein, da die Niederschläge im Sommer voraussichtlich zurückgehen werden, das
Hochwasserrisiko im Winterhalbjahr jedoch steigen wird. Die deutsche
Anpassungsstrategie an den Klimawandel wurde vom Bundeskabinett im Dezember 2008
verabschiedet und wird von den Autoren der Studie als vergleichsweise gründlich
und konkret in der weiteren Planung gelobt. Eine interministerielle
Arbeitsgruppe soll einen ersten Entwurf für ein Aktionsprogramm bereits im April
2011 vorlegen.
Vorreiter in Europa sei in vieler Hinsicht
Großbritannien, das durch sein engagiertes "Climate Impact Programme" bereits
vielfältige Forschungen durchgeführt und konkrete Anpassungsempfehlungen für die
betroffenen Regionen und Unternehmen entwickelt hat.
Für den wichtigen
Bereich der Klimafolgen- und Anpassungsforschung kommt die Studie insgesamt zu
dem Ergebnis, dass es erheblich an nationaler und europaweiter Koordinierung
mangelt. Gäbe es eine inhaltliche Strategie und würde diese durch dafür
zuständige Institutionen umgesetzt, dann könnten Doppelungen vermieden und
Forschungsgelder effektiver eingesetzt werden.
Weiteren Handlungsbedarf
sieht Dr. Moritz Reese vom UFZ, Mitautor der Studie, unter anderem bei der
langfristigen politischen und rechtlichen Planung in den verschiedenen vom
Klimawandel betroffenen Bereichen. So müssten nunmehr auch sektorale
Anpassungsstrategien in den wichtigsten betroffenen Politikfeldern entwickelt
werden und dafür gesorgt werden, dass die Erfordernisse der Klimaanpassung z.B.
in der Raumplanung, der kommunalen Entwicklungs- und Bebauungsplanung, der
wasserwirtschaftlichen Planung und den Infrastrukturplanungen besser verankert
werden. Entscheidend für das Gelingen des Anpassungsprozesses sei auch eine
klares Konzept zur kontinuierlichen Fortentwicklung und Erfolgskontrolle der
Anpassungsstrategien und Anpassungsmaßnahmen. "Wir brauchen dazu vor allen
Dingen aussagekräftige Indikatoren und ein integriertes belastbares Monitoring.
Dazu finden sich jedoch in den Anpassungsstrategien kaum konkrete Planungen",
betont Reese. Überwiegend bleibt noch völlig offen, wie und wann eine
Überprüfung stattfinden soll.
Publikation: Swart,
R.J., Biesbroek, G.R., Binnerup, S. Carter, T.R., Cowan, C., Henrichs, T.,
Loquen, S., Mela, H., Morecroft, M.D., Reese, M., and D. Rey, (2009): Europe
Adapts to Climate Change: Comparing National Adaptation Strategies. (no.
01/2009). Partnership for European Environmental Research (PEER),
Helsinki ISBN: 978-952-11-3450-0 (pbk.) ISBN: 978-952-11-3451-7
(pdf) http://peer-initiative.org/html/obj44.html