25.06.2009

Koordinierte Forschung ist nötig, um Europas Anpassung an den Klimawandel zu meistern

Die Anpassung an den Klimawandel steht in den Staaten der Europäischen Union erst am Anfang und weist noch erheblichen Entwicklungsbedarf auf. So fehlen zum Beispiel Aussagen zu Kosten und Nutzen der Anpassung. Auch eine koordinierte europaweite Forschungsstrategie sei noch nicht zu erkennen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die am Dienstag in Brüssel vom PEER-Verbund vorgestellt wurde. In PEER (Partnership for European Environmental Research) arbeiten sechs Umweltforschungszentren aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Finnland und Deutschland sowie die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission zusammen.

Quelle: (idw) Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Die nationalen Anpassungsstrategien verschiedener EU-Mitgliedsstaaten an den Klimawandel sind jetzt erstmals miteinander verglichen worden. Dabei fanden die Wissenschaftler einige gemeinsame Stärken und Schwächen. So werden der systematische bereichsübergreifende Ansatz sowie die Einbeziehung der Betroffenen als positiv, fehlende Bekenntnisse zur weiteren Umsetzung und Bereitstellung der nötigen Ressourcen dagegen als überwiegend negativ bewertet. Sieben EU-Staaten verfügen über eine solche Anpassungsstrategie und in sieben Staaten wird diese zurzeit offiziell erarbeitet. Für die Studie wurden die Anpassungsstrategien von Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien
untersucht.

Lange haben sich die Bemühungen allein auf die Vermeidung des Klimawandels konzentriert. Mit dem Wissen um die Folgen ist in den letzten Jahren auch das Bewusstsein gewachsen, dass parallel zur Vermeidung eine Anpassung an den Klimawandel erfolgen muss. Die Herausforderung dabei ist jedoch, dass es kein einheitliches, klares Ziel wie beim Klimaschutz gibt. Stattdessen handelt es sich um eine Vielzahl von Problemen in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft mit unterschiedlichen Zuständigkeiten, und es bestehen noch hohe Unsicherheiten darüber, wie gravierend sich der Klimawandel vor Ort auswirken wird. Um dieser Herausforderung zu begegnen, haben viele Länder in den letzten Jahren Anpassungsstrategien entwickelt. Anhand dieser Strategien sollen in den nächsten Jahren konkrete Umsetzungspläne und Anpassungsmaßnahmen entwickelt werden.

In Deutschland sind vom Klimawandel unter anderem die Bereiche Gesundheit, Hochwasserschutz, Wasserversorgung sowie die Land- und Forstwirtschaft betroffen. Die Klimaszenarien rechnen beispielsweise damit, dass sich die Anzahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad deutlich erhöhen wird, was besonders Gesundheitsrisiken für ältere Menschen bedeutet. So werden sich Stadtplaner und Architekten darauf einstellen müssen, Schatten und Kühlung künftig stärker zu berücksichtigen. Ein zentraler Punkt wird der Faktor Wasser sein, da die Niederschläge im Sommer voraussichtlich zurückgehen werden, das Hochwasserrisiko im Winterhalbjahr jedoch steigen wird. Die deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel wurde vom Bundeskabinett im Dezember 2008 verabschiedet und wird von den Autoren der Studie als vergleichsweise gründlich und konkret in der weiteren Planung gelobt. Eine interministerielle Arbeitsgruppe soll einen ersten Entwurf für ein Aktionsprogramm bereits im April 2011 vorlegen.

Vorreiter in Europa sei in vieler Hinsicht Großbritannien, das durch sein engagiertes "Climate Impact Programme" bereits vielfältige Forschungen durchgeführt und konkrete Anpassungsempfehlungen für die betroffenen Regionen und Unternehmen entwickelt hat.

Für den wichtigen Bereich der Klimafolgen- und Anpassungsforschung kommt die Studie insgesamt zu dem Ergebnis, dass es erheblich an nationaler und europaweiter Koordinierung mangelt. Gäbe es eine inhaltliche Strategie und würde diese durch dafür zuständige Institutionen umgesetzt, dann könnten Doppelungen vermieden und Forschungsgelder effektiver eingesetzt werden.

Weiteren Handlungsbedarf sieht Dr. Moritz Reese vom UFZ, Mitautor der Studie, unter anderem bei der langfristigen politischen und rechtlichen Planung in den verschiedenen vom Klimawandel betroffenen Bereichen. So müssten nunmehr auch sektorale Anpassungsstrategien in den wichtigsten betroffenen Politikfeldern entwickelt werden und dafür gesorgt werden, dass die Erfordernisse der Klimaanpassung z.B. in der Raumplanung, der kommunalen Entwicklungs- und Bebauungsplanung, der wasserwirtschaftlichen Planung und den Infrastrukturplanungen besser verankert werden. Entscheidend für das Gelingen des Anpassungsprozesses sei auch eine klares Konzept zur kontinuierlichen Fortentwicklung und Erfolgskontrolle der Anpassungsstrategien und Anpassungsmaßnahmen. "Wir brauchen dazu vor allen Dingen aussagekräftige Indikatoren und ein integriertes belastbares Monitoring. Dazu finden sich jedoch in den Anpassungsstrategien kaum konkrete Planungen", betont Reese. Überwiegend bleibt noch völlig offen, wie und wann eine Überprüfung stattfinden soll.

Weitere Informationen:
http://idw-online.de/pages/de/news322038

Publikation:
Swart, R.J., Biesbroek, G.R., Binnerup, S. Carter, T.R., Cowan, C., Henrichs, T., Loquen, S., Mela, H., Morecroft, M.D., Reese, M., and D. Rey, (2009):
Europe Adapts to Climate Change: Comparing National Adaptation Strategies.
(no. 01/2009). Partnership for European Environmental Research (PEER), Helsinki
ISBN: 978-952-11-3450-0 (pbk.)
ISBN: 978-952-11-3451-7 (pdf)
http://peer-initiative.org/html/obj44.html

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