Kulturlandschaft als Handelsware? Sozial-ökologische Nachwuchsforschergruppe über vier Jahre eingerichtet
Die interdisziplinäre Nachwuchsgruppe "Marktbasierte Instrumente für Ökosystemleistungen - Triebkräfte, Wirkungen und Gestaltungsmöglichkeiten am Beispiel von Klima- und Naturschutz in mitteleuropäischen Kulturlandschaften" im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunkts "Sozial-ökologische Forschung (SÖF)" nimmt ihre Arbeit auf (Fördervolumen: 1,76 Millionen Euro).
Quelle: (idw) Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Die Kulturlandschaften Europas erbringen eine Vielzahl von
Leistungen, die bislang wenig von der Gesellschaft wahrgenommen, anerkannt und
entgolten werden, so genannte "Ökosystemleistungen". Dies sind unter anderem die
Regulation des Klimas, die Bodenbildung, Hochwasserschutz und kulturelle
Leistungen für Tourismus und Naherholung. Weltweit hat sich in den vergangenen
Jahren der Trend verstärkt, solche Leistungen in kommerzielle Güter zu
transformieren und auf Märkten zu handeln. Beispielsweise entstanden im Rahmen
der Verhandlungen zur zukünftigen Klimaschutzpolitik vielerorts Marktmodelle für
die Erhaltung von Wäldern. Regional weit verbreitet sind zudem Kooperationen zum
Trinkwasserschutz in Form von privaten Verträgen zwischen Landwirten und
Trinkwasserproduzenten. Noch ist allerdings kaum absehbar, welche Auswirkungen
solche Mechanismen auf Ökosysteme, Landschaften und Landnutzung haben, falls sie
großflächig zum Tragen kommen.
Im Rahmen des Förderschwerpunktes
"Sozial-ökologische Forschung (SÖF)" unterstützt das Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) Forschungsprojekte, die zur Lösung von
Nachhaltigkeitsproblemen an der Schnittstelle von Umwelt und Gesellschaft
arbeiten.
Das BMBF hat die Förderung einer Nachwuchsgruppe bewilligt,
deren Ziel es ist, das Verständnis der Beziehungen zwischen marktbasierten
Instrumenten, Ökosystemleistungen und Lebensqualität in mitteleuropäischen
Kulturlandschaften zu verbessern. Sieben Postdoktoranden und Doktoranden werden
die vielfältigen Leistungen von Kulturlandschaften in den Bereichen Klima- und
Naturschutz erfassen. Die aus Forst-, Agrar-, Politikwissenschaftlern und
Umweltökonomen zusammengesetzte Gruppe wird ihre Untersuchungen exemplarisch in
den Biosphärenreservaten Oberlausitz und Schwäbische Alb durchführen. Sie strebt
dabei an, die Konflikte verschiedener Nutzungsansprüche an Landschaften sichtbar
zu machen und konkrete Möglichkeiten zu einer Abstimmung von Klimaschutz-,
Naturschutz- und weiteren Zielen der Landnutzung aufzuzeigen. "Vor allem werden
wir gemeinsam mit den örtlichen Landnutzern die Möglichkeiten der nachhaltigen
Gestaltung von marktbasierten Anreizinstrumenten in den Blick nehmen", erklärt
Dr. Tobias Plieninger, Leiter der Nachwuchsgruppe.
Das Projekt wird
gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem
Ecologic Institut, Berlin, dem Öko-Institut e.V., und dem Institut für
Landespflege der Universität Freiburg getragen. "Mit diesem innovativen Verbund
aus einer Wissenschaftsakademie, einer Universität und zwei Politik beratenden
Instituten will das Vorhaben gleichermaßen wissenschaftliche Erkenntnisse
gewinnen und praxisorientierte Lösungsansätze im Spannungsfeld von Landnutzung,
Naturschutz und Klimaschutz entwickeln", so Plieninger.