10.07.2009
Die Designzelle als Energielieferant: BMBF fördert Projekt unter Federführung der RUB
Die Designzelle als Energielieferant- BMBF fördert Projekt unter Federführung der RUB -Lichtgetriebene Wasserstoffproduktion mit "lebendem" Katalysator
Quelle: (idw) Ruhr-Universität BochumMit einer Gesamtsumme von 4,3 Millionen Euro fördert das Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) das deutschlandweit größte Verbundprojekt zur
Biowasserstoffproduktion: Unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Rögner
(Biochemie der Pflanzen, Fakultät für Biologie und Biotechnologie der RUB)
arbeiten acht international ausgewiesene Arbeitsgruppen fachübergreifend an der
Entwicklung einer biologischen "Designzelle", die mit Hilfe von Solarenergie
Wasserstoff aus Wasser erzeugt. Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren.
Beteiligt sind Biochemiker und Chemiker, Biophysiker und Physikochemiker,
Mikrobiologen und Verfahrenstechniker aus Bochum, Berlin, Bielefeld, Köln und
Mülheim. Allein die beteiligten Lehrstühle der RUB erhalten 2,2 Millionen
Euro.
Aus zwei mach eins
Zunutze machen sich die Forscher die
Photosynthese einzelliger Cyanobakterien ("Blaualgen"), die sie direkt mit dem
wasserstoffproduzierenden Enzym Hydrogenase verbinden. Da Cyanobakterien keine
leistungsfähige Hydrogenase besitzen, "importieren" die Wissenschaftler das
Enzym aus Grünalgen - und optimieren es gleichzeitig so, dass es auch in
Gegenwart von Sauerstoff voll funktionsfähig bleibt. Bei direkter Anbindung an
den Prozess der photobiologischen Wasserspaltung sollen auf diese Weise
Wasserstoffproduktionsraten erzielt werden, die mindestens einen Faktor 100 über
den höchsten Raten liegen, die sich zurzeit mit photosynthetischen Organismen
erzielen lassen.
Lebender Katalysator: fleißig und
genügsam
Voraussetzung dafür ist, den Energiestoffwechsel der Zelle in
vielen Einzelschritten so umzugestalten, dass die Blaualgenzelle über 75 Prozent
der verfügbaren Energie für die Erzeugung von Wasserstoff anstelle von Biomasse
verwendet: Die Cyanobakterienzelle wird praktisch zum lebenden Katalysator
umfunktioniert, der sich durch Teilung stetig vermehrt und außer Wasser,
Nährsalzen und Sonnenenergie keine Ansprüche hat.
Konkurrenzfähig am
Markt
Kostenanalysen von Prof. Dr. Hermann-Josef Wagner (Lehrstuhl für
Energiesysteme und Energiewirtschaft, Fakultät für Maschinenbau der RUB) zeigen,
dass der mit diesen zukünftigen "Designzellen" erzeugte Wasserstoff ökonomisch
konkurrenzfähig ist - wenn es gleichzeitig gelingt, Massenfermentationssysteme
für Mikroalgen ("Photobiofermenter") zu entwickeln, deren Preis unter zehn
Prozent der Kosten bisheriger verfügbarer Systeme liegt. Derartige Entwicklungen
sind ein entscheidender Teil des Projektes, sie wurden mit umliegenden Firmen
bereits erfolgreich angegangen.
Vorläuferprojekt "Bio-H2"
Das vom
BMBF neu bewilligte Projekt "Design natürlicher Systeme zur lichtgetriebenen
Wasserstoffproduktion" basiert auf dem vor kurzem beendeten BMBF-Projekt
"Bio-H2", in dem Forscher unter Federführung der RUB die "Biobatterie"
entwickelt haben - ein teils künstliches (semiartifizielles) System zur
Biowasserstoffproduktion. Für das Folgeprojekt zum Design "natürlicher" Zellen
als Wasserstofflieferanten hat das Ministerium die Fördermittel nun nahezu
verdoppelt.
Projektpartner
Von der bewilligten Gesamtsumme
entfallen ca. 2,2 Millionen Euro auf die drei von der RUB beteiligten
Projektpartner: Prof. Matthias Rögner und Prof. Thomas Happe (Lehrstuhl für
Biochemie der Pflanzen) sowie Prof. Hermann-Josef Wagner (Lehrstuhl für
Energiesysteme und Energiewirtschaft). An dem Verbundprojekt sind zudem
beteiligt: FU Berlin (Prof. Holger Dau), HU Berlin (Prof. Bärbel Friedrich / Dr.
Oliver Lenz), Universität Bielefeld (Prof. Joachim Heberle), Universität Köln
(Prof. Albrecht Berkessel) sowie das MPI für Bioanorganische Chemie in Mülheim
an der Ruhr (Prof. Wolfgang Lubitz).
Weitere Informationen:Prof.
Dr. Matthias Rögner, Lehrstuhl für Biochemie der Pflanzen, Fakultät für Biologie
und Biotechnologie der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-23634, E-Mail:
matthias.roegner@rub.de