In Europa lassen Landwirte und Agrarbetriebe Reststoffe aus der Verarbeitung häufig noch kostenpflichtig entsorgen. Dabei geht ein großes Energiepotential verloren. Um den Zugang zu aussagekräftigen Informationen über die Herstellung von Biogas und die fallspezifische Kalkulationen zu vereinfachen, hat das ttz Bremerhaven zusammen mit Unternehmen, Betreibern von Biogasanlagen, Forschungspartnern und Verbänden in dem Projekt Agrobiogas eine multifunktionale Plattform und flexible Rechenmodelle geschaffen. Das Nachfolgeprojekt FARMAGAS soll nun auch den in der Biogasproduktion noch unterrepräsentierten neuen EU-Ländern diese Informationen nahe bringen.
Quelle: (idw) ttz Bremerhaven
Eine nachhaltige und lohnende Methode für die Herstellung
von Biogas ist durch verschiedene Faktoren gekennzeichnet und setzt
prozesstechnisches Know-how voraus - Substrat, Umsetzung und Ergebnis müssen in
Balance zueinander stehen. Durch gezielten Wissenstransfer soll das im 7.
Forschungsrahmenprogramm der EU geförderte Projekt FARMAGAS die Verbreitung der
anaeroben Vergärung von Reststoffen aus landwirtschaftlichen Betrieben in
Osteuropa fördern. Biogasprofil, pH-Wert und die regionale Verfügbarkeit von
Ressourcen bestimmen die Wahl des Substrats. Mit einer frei verfügbaren Software
wird die planvolle Abstimmung dieser Faktoren erleichtert. Da die Daten im Zuge
von praktischen Testreihen ermittelt wurden, liefern sie aussagekräftige
Empfehlungen für potentielle Anwender. Die Entscheidungsfindung kann durch
Handlungsrichtlinien und eine Investitionskalkulation erleichtert werden. Diese
Materialien wurden in dem Projekt Agrobiogas erarbeitet, das durch
Trainingsmaßnahmen in den beteiligten EU-Ländern den Know-how-Transfer
sicherstellte.
Eine Kerngruppe aus diesem erfolgreich abgeschlossenen
Projekt wird nun unter der Leitung des ttz Bremerhaven die Ergebnisse auch für
Polen, Rumänien und Ungarn zugänglich machen. Landwirtschaftsverbände aus diesen
Ländern ver-stärken das Konsortium und bilden die Brücke zu den Produzenten.
"Der direkte Anschluss des FARMAGAS-Projekt an AGROBIOGAS stellt sicher, dass
die Ziellän-der Zugang zu aktuellsten Erkenntnissen bekommen und den Aufbau
einer de-zentralen Biogasproduktion damit von Anfang an auf ein tragfähiges
Fundament stellen. Bei der Struktur dieser Länder ist die Erschließung der
Potentiale von erneuerbaren Energien ein wichtiger Faktor für weiteres,
nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum", so Dr. Gerhard Schories,
wissenschaftliche Leiter des Projektes am ttz Bremerhaven. Momentan hat die
Biogasproduktion in diesen Ländern einen der niedrigsten Werte in Europa.
Das Konzept der anaeroben Vergärung landwirtschaftlicher Reststoffe kann
be-stehende Entsorgungsprobleme lösen und Landwirten in strukturschwachen
Re-gionen zugleich neue Einkommensquellen erschließen. "Mit FARMAGAS wollen wir
den Rahmen für eine nachhaltige Biogasproduktion schaffen und den Landwirten die
Möglichkeiten, ihre Situation zu verbessern, vor Augen führen. Auch politische
Entscheidungsträger sollen die Potentiale sauberer, erneuerbarer Energien
stärker wahrnehmen und mittelfristig gute Ausgangsbedingungen dafür schaffen",
resümiert ttz-Projektleiterin Dr. Anne Berghoff die Ziele des
Konsortiums.
Im ersten Jahr des Projektes sollen Trainingsmaterialien für
Transfer-Workshops in Osteuropa ausgearbeitet werden. Das zweite Jahr der
Laufzeit stellt dann den Know-how-Transfer in den Mittelpunkt. Die Verbände
werden dabei die Funktion des Türöffners in Polen, Rumänien und Ungarn
übernehmen. Anschließend sollen die Ergebnisse auch in weiteren EU-Ländern mit
vergleichbaren landwirtschaftlichen Strukturen verbreitet werden.