14.09.2009
Ein neuer Blick auf den Wasserkreislauf in der Atmosphäre
SCIENCE veröffentlich Beitrag über Isotopenmessungen des Wasserdampfes vom Satelliten mit SCIAMACHY. Bisherige Klimamodelle erfassen Wasserkreislauf nur unzureichend. Zum Autoren-Team gehören zwei Bremer Umweltphysiker.
Quelle: (idw) Universität BremenErstmals ist es einem internationalen Forscherteam gelungen,
globale Karten der Isotopenzusammensetzung von Wasser in der unteren Atmosphäre
zu messen. Die Messungen des Europäischen Satelliteninstrumentes SCIAMACHY
liefern neue Einblicke in den hydrologischen Kreislauf. Die Daten eröffnen die
Möglichkeit, die heutigen Klimamodelle und damit Vorhersagen über Regenmengen
und Überschwemmungsgefahren zu verbessern. Die Ergebnisse wurden diese Woche in
SCIENCE veröffentlicht. Zum Forscherteam gehören als Ko-Autoren des
SCIENCE-Beitrags die Bremer Wissenschaftler Professor Justus Notholt und
Thorsten Warneke vom Institut für Umweltphysik der Universität Bremen. Die
Koordination des Forschungsprojekts liegt bei Christian Frankenberg von SRON
(Netherlands Institute for Space Research) in Utrecht. Das SCIAMACHY-Instrument
auf dem europäischen Umweltsatellit ENVISAT ist ein deutsch-niederländisches
Gemeinschaftsprojekt. Die wissenschaftliche Leitung des SCIAMACHY-Instrumentes
liegt in Bremen bei Professor John Burrows vom Institut für Umweltphysik.
Regen macht unseren Planeten bewohnbar. Wasser spielt die zentrale Rolle
für das Klima der Erde und ist zugleich das stärkste Treibhausgas. Wie alle
Substanzen besteht auch Wasser aus verschiedenen Isotopen, d.h. Molekülen mit
gleichen chemischen Eigenschaften, aber leicht unterschiedlichem Gewicht. Neben
dem 'normalen Wasser' gibt es in sehr geringer Konzentration 'schweres Wasser',
zum Beispiel HDO. Wenn Wasser verdampft, etwa aus dem Ozean, und später wieder
über Land ausregnet, ändert sich der Anteil des schweren Wassers im Vergleich
zum normalen Wasser. Die Isotopenzusammensetzung des Wassers enthält somit
Informationen über die Vorgeschichte des Wassers, wie oft und bei welchen
Temperaturen es aus dem Ozean verdampfte und später kondensierte, um dann
auszuregnen. Mit Hilfe von SCIAMACHY-Satellitendaten ist es dem Forscherteam nun
gelungen, die globale Verteilung der Isotopenzusammensetzung des Wassers zu
bestimmen. Dies sind die ersten Messungen, die die untere Atmosphäre erfassen,
in der sich das meiste Wasser befindet.
Die Messungen wurden in zwei
zentralen Gebieten mit Modellrechnungen verglichen, in der Sahelzone und in der
hohen Arktis um Spitzbergen. In beiden Fällen konnten die Modelle die Messungen
nicht reproduzieren, was darauf hinweist, dass der tropische und arktische
Wasserkreislauf im Modell bisher nicht vollständig korrekt erfasst wird. Die
Satellitenmessungen ermöglichen es nun erstmals, global zu überprüfen, ob die
Klimamodelle den Wasserkreislauf korrekt berechnen. Dies kann sowohl die
Vorhersage einiger Parameter des Wasserkreislaufes (Regenmenge,
Überschwemmungen) als Folge der Klimaerwärmung verbessern sowie dazu verhelfen,
das Klima der Vergangenheit korrekt(er) zu rekonstruieren
Das Bild zeigt
die globale Verteilung des relativen Anteils an schwerem Wasserdampf. Hohe
Anteile an HDO findet man in den Tropen und Subtropen, wo Wasser aus dem warmen
Ozean verdampft und dann durch den Wind in Richtung Pole transportiert wird. Da
schweres Wasser zuerst ausregnet, verringert sich der Anteil an schwerem Wasser
in Richtung Nordatlantik. Denselben Effekt erkennt man auch beim Abregnen auf
den Kontinenten, zum Beispiel in Nordamerika. Die vergrößerte Darstellung in der
Umgebung des Roten Meeres zeigt aufgrund der großen Verdampfungsrate vom Roten
Meer relativ hohe HDO-Werte.
Weitere Informationen:Universität
Bremen
Fachbereich Physik / Elektrotechnik
Institut für
Umweltphysik
Prof. Dr. Justus Notholt
Tel. 0163-148-2017
E-Mail:
notholt@uni-bremen.de