Fraunhofer ISE entwickelt neue Konzepte für n-Typ Silicium-Solarzellen mit höchsten Wirkungsgraden
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben neue Verfahren und Zellkonzepte zur Herstellung von Silicium-Solarzellen mit n-Typ Basis entwickelt. Damit werden höhere Wirkungsgrade und Photovoltaikerträge auch für kommerzielle Solarzellen möglich. Der Prototyp erreichte über 23 % Wirkungsgrad.
Quelle: (idw) Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
"Die meisten kommerziellen Silicium-Solarzellen haben
heutzutage eine p-Typ Basis", beschreibt Gruppenleiter Dr. Martin Hermle vom
Fraunhofer ISE den Unterschied zum Stand der Technik. "Doch das für die am ISE
entwickelten neuartigen Solarzellstrukturen verwendete n-Typ Silicium hat für
die photovoltaische Stromgewinnung günstigere Eigenschaften wie eine hohe
Toleranz gegenüber den meisten Verunreinigungen. Für die Praxis bedeutet das
entweder eine höhere Effizienz oder geringere Herstellungskosten, da man mit
preisgünstigem Silicium arbeiten kann". Hinzu kommt, dass vor allem p-Type
Czochralski (Cz) Silicium unter der lichtinduzierten Degradation leidet, ein
Effekt der bei der Verwendung von n-Typ Silicium nicht
auftritt.
Silicium-Solarzellen bestehen aus zwei unterschiedlich dicken
Bereichen, die sich in der Leitfähigkeit unterscheiden: n steht für negativ, p
für positiv. Der dickere Bereich, das Substratmaterial, wird als Basis
bezeichnet und gibt der Zelle den Namen, zum Beispiel p-Typ bei herkömmlichen
Solarzellen. Sie haben eine p-leitende Basis und eine dünne n-leitende Schicht,
den Ladungsträger sammelnden Emitter. Bei n-Typ Solarzellen ist der Emitter also
p-dotiert, was entweder durch eine Bor-Diffusion oder eine Einlegierung von
Aluminium erreicht werden kann.
Schon seit geraumer Zeit wird mit n-Typ
Silicium als Basismaterial experimentiert. Doch die Fertigungstechnik war bisher
sehr aufwändig. Das Hauptproblem z.B. für die Umsetzung von n-Typ Solarzellen
bei denen sich der Emitter auf der lichtzugewandten Seite befindet, war bisher
die Passivierung dieses meist Bor-dotierten Emitters. Mit konventionellen
Schichten wie Siliciumoxid SiO2 oder Siliciumnitrid SiNx ist eine optimale
Passivierung solcher Oberflächen nicht zu erreichen. Durch die Verwendung von
Aluminiumoxid Al2O3 als Vorderseitenpassivierung wurde dieses Problem in
Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Eindhoven gelöst.
Jan
Benick, Doktorand in der Gruppe für hocheffiziente Silicium-Solarzellen, ist es
gelungen, mit einem speziell für die n-Typ Zelle entwickelten Hocheffizienz
Zellprozess, der die Bor-Diffusion zur Emitterherstellung nutzt, 23,4 %
Wirkungsgrad auf 2x2 cm² zu erreichen. Das ist der höchste Wirkungsgrad, der
bisher für diesen Zelltyp erreicht wurde.
Mit deutlich einfacheren,
industrienahen Prozessschritten und der Verwendung eines Siebdruck-Prozesses zur
Erzeugung des einlegierten Aluminium-Emitters, gelang es Christian Schmiga,
Projektleiter in der Gruppe für hocheffiziente Silicium-Solarzellen, bereits
18,2 % Wirkungsgrad auf 12.5x12.5 cm² zu erreichen.
Am Fraunhofer ISE
wird nun konsequent an der Weiterentwicklung der Prozesstechnologie für n-Typ
Solarzellen gearbeitet, damit eine industriell umsetzbare Silicium-Solarzelle
mit Wirkungsgraden über 20% rasch realisiert werden kann.