Weltweit einzigartiges Forschungsprojekt stellt gebündeltes Wissen zur Artenvielfalt zur Verfügung
Quelle: (idw) Forschungsverbund Berlin e.V.
Wir befinden uns am Rande einer globalen
Biodiversitätskrise. Bis zum Jahre 2050 ist mit einem Verlust von bis zu 50
Prozent der weltweiten Artenvielfalt zu rechnen. Der Erhalt der Biodiversität
ist daher eine globale gesellschaftliche Herausforderung, vergleichbar dem
Klimaschutz, der nachhaltigen Energieversorgung und der Sicherung der
Welternährung. Unter Federführung des Leibniz-Institutes für Gewässerökologie
und Binnenfischerei (IGB) in Berlin entwickeln Wissenschaftler aus 19
internationalen Institutionen in einem weltweit einzigartigen Forschungsprogramm
eine allgemein zugängliche Informationsplattform, um Veränderungen der
Biodiversität in Süßwassersystemen rasch dokumentieren und besser vorhersagen zu
können. Das Projekt BioFresh startet im November 2009. Insbesondere unsere
Seen, Flüsse und Feuchtgebiete zählen zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen.
Mit dem Verlust von Biodiversität geht nicht nur die Schönheit unseres Planeten
verloren, wir verlieren auch grundlegende Leistungen der Ökosysteme, von denen
wiederum unser Wohlergehen abhängt. So ist sauberes Trinkwasser eine der
wichtigsten natürlichen Ressourcen, die von Binnengewässern bereitgestellt wird.
Mangelhaftes Wissen über die einzigartige biologische Vielfalt in
Binnengewässern sowie die fehlende Verknüpfung und Verfügbarkeit von vorhandenen
Daten und Modellen sind mitverantwortlich, dass viele nationale und
internationale Biodiversitätsprogramme viel zu kurz greifen. Erschwerend kommt
hinzu, dass nur wenig darüber bekannt ist, wie sich Ökosysteme in Zeiten des
Klimawandels und der damit zusammenhängenden sozioökonomischen Veränderungen
entwickeln werden. Wissenschaftler aus 19 internationalen Institutionen
entwickeln in dem Projekt BioFresh, das im November 2009 unter Koordination des
IGB startet, eine weltweit einzigartige Informationsplattform, welche die
vorhandenen Informationen zu Süßwasserorganismen bündelt, Modelle zur
Veränderung der aquatischen Biodiversität erarbeitet und diese Informationen
dann der Politik und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. "Anstatt immer
wieder neue Daten zu generieren, können Wissenschaftler über BioFresh vorhandene
Daten nutzen, um beispielsweise Vorhersagemodelle zur Veränderung der
Artenvielfalt zu entwickeln. Eine interaktive Informationsplattform wie BioFresh
ist wesentliche Grundlage für ein erfolgreiches Biodiversitätsmanagement", so
Klement Tockner, Direktor des IGB und Initiator des Projektes. Ziel ist es
zugleich, den Dialog zwischen Wissenschaftlern, Planern und Entscheidungsträgern
zu fördern, bisherige Strategien zum Schutz der Artenvielfalt zu verbessern und
damit die Biodiversitätsstrategie der EU sowie in Deutschland zu
unterstützen. Das mit 6,5 Millionen Euro von der Europäischen Kommission
geförderte Verbundprojekt ist zunächst über einen Zeitraum von vier Jahren
angelegt.