Klimaschwankungen in der Nähe des Äquators weisen ein deutlich anderes Muster auf als die Klimaänderungen in Arktis und Antarktis. Es lassen sich in den Tropen deutliche 11500-jährige Schwankungen zwischen Feucht- und Trockenphasen identifizieren, die ein anderes Muster als die Temperatur-Rekonstruktionen aus den polaren Eiskernen zeigen.
Starke regionale Klimaschwankungen in den
Tropen Deutliche langfristige Variationen von Feucht- und Trockenphasen in
den Tropen Ostafrikas
Klimaschwankungen in der Nähe des Äquators weisen
ein deutlich anderes Muster auf als die Klimaänderungen in Arktis und Antarktis.
Es lassen sich in den Tropen deutliche 11500-jährige Schwankungen zwischen
Feucht- und Trockenphasen identifizieren, die ein anderes Muster als die
Temperatur-Rekonstruktionen aus den polaren Eiskernen zeigen. Die Untersuchungen
des Klimas der vergangenen 25 000 Jahre im tropischen Afrika zeigen, dass
Trockenphasen bei niedrigerer Solarstrahlung im März und September herrschten,
was die folgende Regenzeit schwächer ausfallen ließ. Dieses unterstreicht die
Bedeutung hydrologischer Veränderungen im regionalen Klimawandel, formuliert ein
europäisches Konsortium von Geowissenschaftlern unter Leitung von Prof. Dirk
Verschuren (Univ. Gent, Belgien) in der heutigen Ausgabe des
Wissenschaftsmagazins Nature (Vol. 462, 7273).
Die Ursachen für die
Feuchtigkeitsänderungen sind jahreszeitliche Effekte zyklischer Veränderungen
der Erdumlaufbahn um die Sonne, die wiederum die auf der Erde ankommende
Solarstrahlung bestimmt. Den grundlegenden Rhythmus geben die jährlichen
Regenzeiten vor, die mit der so genannten inntertropischen Konvergenzzone
verbunden sind. Darunter versteht man das Wolkenband in Äquatornähe, welches aus
Gewittern besteht, die sich durch Sonneneinstrahlung und starke Verdunstung
bilden. Mit dem Sonnenhöchststand im Juni auf der Nord- und im Januar auf der
Südhalbkugel wandert dieses Wolkenband nord- und südwärts.
Wie spiegelt
sich die langfristige Veränderung der Solarstrahlung in diesen Rhythmen wider?
Um diese Frage zu bearbeiten, untersuchte die europäische Forschergruppe das
Regionalklima Ostafrikas. "Bisher gab es kaum Daten über Klimawandel in den
Tropen. Änderungen der Temperatur spielen dort im Gegensatz zu hydrologischen
Änderungen keine große Rolle," beschreibt Achim Brauer vom Deutschen
GeoForschungsZentrum GFZ die Fragestellung. Seine Arbeitsgruppe analysierte die
Ablagerungen im Challa-See, einem Kratersee am östlichen Fuß des Kilimandscharo.
Die GFZ-Wissenschaftler zogen erstmalig in dieser Region feingeschichtete
Bohrkerne aus dem Seeboden, die 21 Meter tief reichen. "Damit deckt dieser
Sedimentkern die letzten 25000 Jahre ab," erklärt Achim Brauer. "Detaillierte
mikroskopische und geochemische Untersuchungen der einzelnen Sedimentlagen
liefern Klimainformationen auf einer sehr genauen Zeitskala." Dieses weltweit
bisher einzige lange Sedimentprofil feingeschichteter Seeablagerungen in den
Tropen wird durch hochauflösende geophysikalische Daten ergänzt..
Als
Resultat wurde festgestellt, dass die Schwankungen in der Sonneneinstrahlung
genau dem zeitlichen Muster der Änderung der Erdumlaufbahn folgen, die sich
wiederum in Klimazyklen niederschlagen. Der Feuchtetransport nach Ostafrika
durch die Passatwinde aus dem Indischen Ozean war stärker, wenn die Einstrahlung
und folglich das Aufsteigen der Luft am Äquator zunahm. Umgekehrt schwächte sich
dieser Feuchtetransport ab, wenn die geringere Einstrahlung zu schwächerem
Luftaufstieg und nachfolgend zu schwächerem Passat führte. Das Verständnis
tropischer Klimavariabilität und speziell der Lageveränderungen der
innertropischen Konvergenzzone ist von besonderer Bedeutung, weil damit die
Zusammenhänge zwischen Temperatur und Niederschlag in tropischen Breiten besser
entschlüsselt werden können.
Die Untersuchung wurde im Rahmen des
ESF-EuroCORES Programms EuroCLIMATE gefördert, mit nationaler Förderung durch
die DFG, FWO Flandern, NWO und NERI.