Wasser-Management für den Mittelmeerraum: Geographen der LMU koordinieren millionenschweres EU-Projekt zum Klimawandel
Erfolgreiche, gemeinsame EU-Projektentwicklung mit der Bayerischen Forschungsallianz bringt 1,1 Mio. Euro EU-Fördergelder nach Bayern
Quelle: (idw) Bayerische Forschungsallianz GmbH
Die Folgen des Klimawandels stellen die Mittelmeeranrainer vor große
Herausforderungen. Vor allem die Verfügbarkeit und die Qualität von Wasser
bereitet jetzt schon vielen Staaten große Probleme. Einigkeit herrscht darüber,
dass der Klimawandel den Wasserhaushalt der Mittelmeerregion verändern wird. Wie
diese Auswirkungen konkret aussehen werden, wurde bislang noch nicht hinreichend
untersucht. Hier setzt das durch die EU finanzierte Umweltprojekt "Climate
Induced Changes on the Hydrology of Mediterranean Basins" (CLIMB) an, das Anfang
Januar 2010 seine Arbeit aufnimmt. Insgesamt 19 Institutionen aus neun Ländern
sind an dem Projekt beteiligt, das von Professor Ralf Ludwig, Department für
Geographie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, geleitet wird; das
Projektmanagement liegt bei der Bayerischen Forschungsallianz (BayFOR) unter der
Leitung von Dr. Thomas Ammerl. CLIMB ist auf vier Jahre angelegt und verfügt
über ein Budget in Höhe von 3,15 Millionen Euro.
Die Sicherung der
Wasserressourcen im Mittelmeerraum ist akut bedroht: Dürreperioden, Fluten, die
Versalzung des küstennahen Grundwassers sowie die zunehmende Landdegradation
sind nur einige der Gefahren, durch die der fortschreitende Klimawandel zu
politischen Konflikten und wirtschaftlichen Verteilungskämpfen in den
betroffenen Regionen führen kann. Gefordert ist deshalb ein nachhaltiger Umgang
mit den vorhandenen Wasserressourcen. Derzeit fehlen Analysemodelle und
effektive Kontrollsysteme, mit denen die durch den Klimawandel forcierten
hydrologischen Veränderungen erfasst und bewertet werden können. Die bislang
verfügbaren Projektionen sind sehr unsicher und basieren auf praktisch nicht
validierbaren Daten aus globalen und regionalen Klimamodellen. CLIMB möchte hier
methodische Lücken schließen. Das Projekt will Feldmessmethoden verbessern,
Fernerkundungstechniken weiterentwickeln und damit hydrologische Modellierungen
sowie die Analyse sozio-ökonomischer Faktoren in einen neuen konzeptionellen
Rahmen einbinden. So sollen bestehende Unsicherheiten bei der Analyse der
Auswirkungen des Klimawandels reduziert werden. Ziel ist es, ein
Risikobewertungsinstrument zu schaffen, mit dessen Hilfe die Verteilung der
Wasserressourcen möglichst effektiv gesteuert werden kann.
"Wasser ist
unser kostbarstes Gut und wird in Zukunft der Zankapfel benachbarter Regionen
und Staaten sein", sagt Ralf Ludwig. "Die Politik hat zwischenzeitlich erkannt,
dass Konflikte um Wasser zur Realität werden. Mit unserer Forschungsarbeit
wollen wir einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung von Konfliktsituationen
leisten, indem wir verbesserte Projektionen zur künftigen Entwicklung des
Wasserhaushalts im Mittelmeerraum ermöglichen. In einem weiteren Schritt werden
wir, gemeinsam mit den Betroffenen vor Ort, Optionen zum nachhaltigen Management
von Wasserressourcen in dieser vom Klimawandel stark betroffenen Region
formulieren."
Insgesamt sind 19 Partnerinstitutionen aus neun
verschiedenen Ländern an CLIMB beteiligt. Neben Deutschland, Frankreich, Italien
und Österreich sind auch die fünf außereuropäischen Länder Ägypten, Kanada,
Palästinensische Verwaltungsgebiete, Türkei und Tunesien in die
Forschungsaktivitäten eingebunden. Die vier bayerischen Partner LMU, BayFOR
GmbH, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie die VISTA GmbH
erhalten insgesamt 1,1 Millionen Euro aus dem Etat, den die EU für CLIMB zur
Verfügung stellt.
An sieben ausgewählten Flusseinzugsgebieten rund um
das Mittelmeer (in Frankreich, Italien, Tunesien, Türkei, Ägypten und Gaza)
werden die Wissenschaftler die Auswirkungen des Klimawandels auf die verfügbaren
Wasserressourcen untersuchen. Die Europäische Kommission hat neben CLIMB noch
zwei weitere Großprojekte initiiert, WASSERMed (Water Availability and Security
in Southern Europe and the Mediterranean) und CLICO (Climate Change
Hydro-Conflicts and Human Security), die mit CLIMB ein gemeinsames Cluster
bilden sollen. Der geforderte interdisziplinäre Ansatz soll neben der
Veränderung der natürlichen Ressourcen auch soziale und ökonomische Aspekte
modellhaft berücksichtigen. Das Auftakttreffen für CLIMB findet im Rahmen der EU
Science Fair Ende Januar in Kairo statt. Hier werden sich neben Wissenschaftlern
der anderen beiden EU-Projekte auch hochrangige Vertreter der Europäischen
Kommission in die Diskussion einbringen.