14.01.2010
Abfallwirtschaft entlastet das Klima
Neue Studie von Öko-Institut und Ifeu untersucht Potenziale am Beispiel von Siedlungsabfall und Altholz
Quelle: (idw) Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte ÖkologieDie Abfallwirtschaft trägt erheblich zum Klimaschutz bei und wird dies auch in
Zukunft weiter tun. Insgesamt spart die Abfallwirtschaft beim Siedlungsabfall
und beim Altholz bereits heute jährlich knapp 18 Millionen Tonnen an
CO2-Äquivalenten ein. Dies entspricht in etwa den CO2-Emissionen von 7,7
Millionen Autos. Im Vergleich zu 1990 macht dies eine Reduktion von rund 53
Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten aus. Zu dieser Einschätzung kommt eine neue
Studie von Öko-Institut und Ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung),
die heute der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Im Auftrag von Umweltbundesamt,
Bundesumweltministerium und dem Bundesverband der Deutschen
Entsorgungswirtschaft haben die WissenschaftlerInnen das Klimaschutzpotenzial
der Abfallwirtschaft untersucht.
"Deutschland nimmt hier bereits eine
Vorreiterrolle ein. Allerdings wünschen wir uns weiterhin eine konsequente
Orientierung der deutschen Abfallwirtschaft an Zielen des Klima- und
Ressourcenschutzes. Dazu gehören insbesondere verstärkte Bemühungen, Abfälle zu
vermeiden und die intelligente Nutzung von Abfällen in Kaskaden aus stofflichem
und energetischem Recycling", fordert Öko-Instituts-Wissenschaftler Günter
Dehoust.
Nach Berechnungen der WissenschaftlerInnen können die
treibhausschädlichen Gase in der deutschen Abfallwirtschaft bis zum Jahr 2020
weiter reduziert werden - um rund zehn Millionen Tonnen CO2-Äquivalente
jährlich. Voraussetzung dafür: mehr Recycling, eine verbesserte stoffliche
Verwertung der Abfälle und eine effizientere Technik in den Behandlungsanlagen.
Somit könnten allein der Siedlungsabfall und das Altholzrecycling mit rund 13
Prozent zu den Treibhausminderungszielen für Deutschland (40 Prozent bis 2020)
beitragen.
Auch die Situation in Europa haben sich die
WissenschaftlerInnen angesehen. In der EU 27 spielt die Deponierung im Vergleich
zu Deutschland immer noch eine wesentliche Rolle und belastet das Klima jährlich
mit bis zu 110 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten. Hier ist eine konsequente
Abkehr von der Deponierung sowie ein ambitioniertes Recycling notwendig, um die
Belastungen zu verringern. Die Einsparpotenziale für das Klima sind hoch: bis zu
192 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten sind je nach untersuchtem Szenario
möglich. Damit könnte der Siedlungsabfall ausgehend vom Bilanzjahr 2007 mit bis
zu 32 Prozent zum Minderungsziel der EU 27 (20 Prozent bis 2020) beitragen.
In den beispielhaft untersuchten Ländern Türkei, Tunesien und Mexiko
dominiert die Deponierung von Abfällen, wobei nur Mexiko eine geordnete
Abfallwirtschaft etablieren konnte. Bislang haben diese Länder noch keine
Minderungsziele vereinbart. Wenn sie jedoch die Deponierung beenden, sind
bezogen auf die aktuellen Treibhausgasemissionen bei allen drei Staaten
erhebliche Einsparpotenziale bei der Siedlungsabfallwirtschaft möglich.
Ein direkter Vergleich zwischen den Ergebnissen für Deutschland, für die
EU 27 und die drei untersuchten Länder ist nicht unmittelbar möglich. Es liegen
unterschiedliche Rahmenbedingungen zugrunde, und je nach verfügbaren
Informationen unterscheiden sich auch die Bezugsgrößen. "Generell leistet der
Ausstieg aus der Deponierung aber den entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz",
sagt Öko-Instituts-Wissenschaftler Günter Dehoust. "Möglich wird dieser aber
nur, wenn die Wertstoffe, die heute noch nutzlos abgelagert werden, getrennt
erfasst und umweltgerecht recycelt werden!"
Weitere Informationen:Der Endbericht
"Klimaschutzpotenziale der Abfallwirtschaft" wird in Kürze
zum Herunterladen
auf
http://www.oeko.de bereitgestellt
werden.