18.01.2010
Öffentlichen Wasserversorgern in Entwicklungsländern fehlt Fachwissen mehr als Geld
Umfrage der Umwelttechniker an der Universität Witten/Herdecke unter Führungskräften zeigt Steuerungsfehler und Missmanagement
Quelle: (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbHDie öffentlichen Wasserversorger in der dritten Welt sehen mangelndes Fachwissen
noch vor fehlendem Geld als die Hauptursache für die schlechte Versorgung mit
sauberem Trinkwasser. Das ist das wesentliche Ergebnis einer Umfrage des
Instituts für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke
unter 150 Führungskräften großer staatlicher Wasserbetriebe aus Afrika, Asien,
Europa, Ozeanien und Lateinamerika. Die Betriebe sind für die Versorgung von
mehr als 22 Mio. Menschen zuständig.
"Das hat uns überrascht, weil bisher
immer alle dachten, es fehlt an Geld, um eine sichere Versorgung mit sauberem
Wasser zu gewährleisten", erklärt Michael Harbach, der die Studie durchführte.
"Doch wenn man die Manager direkt fragt, sehen die eben das fehlende Wissen als
viel elementarer an, d.h. das im Unternehmen vorhandene Wissen über Technologie
und Management-Praktiken." Insoweit, so die Studie, seien gemeinsame
Anstrengungen aus Wissenschaft und Entwicklungshilfe gefragt, die Aus- und
Weiterbildung zum Beispiel für den Betrieb von wassertechnischen Anlagen zu
fördern.
Die Ursachen des mangelnden Fachwissens liegen für Harbach
unter anderem darin, dass diese Weiterbildungsmassnahmen selten nachhaltig sind:
"Wir sehen inzwischen einen aus Steuermitteln finanzierten Konferenz-Tourismus,
der im betrieblichen Alltag nicht mehr ankommt. Hinzu kommt, dass gut
ausgebildete, fähige und engagierte Wasserfachleute sich in den parteipolitisch
regierten öffentlichen Wasserbetrieben Asiens, Afrikas, Lateinamerikas, oft
nicht lange halten lassen und in besser bezahlte Jobs der Privatwirtschaft und
in die Industrieländer abwandern." Dann werde oft eine Kooperation mit der
Wasserindustrie notwendig, weil der Staat die Versorgung nicht allein
garantieren kann, so Harbach.
Einer solchen Kooperation mit privaten
Dienstleistern (sog. Private Sector Participation, PSP) steht die deutliche
Mehrzahl der Befragten daher offen gegenüber. Die Antworten zeigten deutlich die
pragmatische Einstellung der befragten Versorger zu dieser Kooperationsart - und
dass somit dem Dienst, den der Kunde erhält, ein höherer Stellenwert zugeordnet
wird als ideologischen Überlegungen. Die beiden Hauptgründe für den
Schulterschluss mit der Privatwirtschaft, die die Studie identifizierte, sind
dabei: eine Verbesserung der Dienstleistungsqualität und der Technologietransfer
hin zu den eigenen Mitarbeitern. Interessanterweise überwiegt die Bedeutung des
ersten Arguments bei denjenigen Versorgern, die bereits Erfahrung(en) mit
PSP-Projekten haben, während es bei den anderen Versorgern gerade umgekehrt
ist.
Ein weiteres interessantes Ergebnis der Befragung: Alle Experten
erklärten, dass sie lieber mit einem lokalen Unternehmen kooperieren wollten als
mit einem "fremden" Konzern aus Übersee - solange es sichergestellt sei, dass
der Lokale über das nötige Know-how verfüge bzw. Zugang zu diesem habe. Prof.
Dr. Dr. Karl-Ulrich Rudolph, Leiter des Wittener Institutes für Umwelttechnik
und Management, meint: "Dieses Ergebnis ist insoweit bemerkenswert, als der
Weltmarkt für Wasserdienstleistungen von den sogenannten "Global Players"
dominiert wird, was der oben genannten Bedarfsanalyse diametral widerspricht.
Neue, lokal verankerte Managementmodelle, wie Water Franchise, bei denen der
internationale Player als Know-how-Träger fungiert, könnten diesem
Bedarfsdefizit abhelfen".
Weitere Informationen: Prof. Dr. Dr. Rudolph, Dipl.-Volkswirt
Michael Harbach,
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