22.01.2010
UDE: Wärme nutzen mit Nanotechnologie
Ob aus Fenstern gut geheizter Wohnungen, aus dem Autoauspuff oder aus Industrieanlagen - überall wird Wärme einfach in die Luft gepustet. Was wäre, wenn sich diese Wärme abfangen und weiternutzen ließe? Eine Frage, an der zurzeit intensiv geforscht wird.
Quelle: (idw) Universität Duisburg-EssenDie Wissenschaftler des Nano-Netzwerks CeNIDE der
Universität Duisburg-Essen (UDE) verfügen hier über einen entscheidenden
Vorteil: eine Technologie, mit der sich Nanomaterialien in großem Maßstab
herstellen lassen. Solche Anlagen sind weltweit noch sehr selten - allerdings
bilden sie die Voraussetzung dafür, dass Thermogeneratoren, die auf
Nanomaterialien basieren, überhaupt zur Serienreife gebracht werden
können.
Im Auto könnte ein kleiner Thermogenerator aus den Abgasen Wärme
aufnehmen und in elektrische Energie verwandeln. Diese würde dann ins Bordnetz
eingespeist. Die Energie für das Bordnetz, also für die Gesamtheit aller
elektrischen Komponenten im Auto, wird gegenwärtig über Sprit erzeugt. Käme so
ein Thermogenerator hinzu, könnte er einen Teil der Energie generieren - was
wiederum den Spritverbrauch senken würde.
Spritverbrauch senken mit
genutzter Abgaswärme
"Mit gegenwärtigen Generatoren ließe sich drei
Prozent der Energie erzeugen, effizient wird das aber frühestens ab zehn
Prozent", erklärt Gabi Schierning, Leiterin der Nachwuchsgruppe
"Nanostrukturierte luftstabile Thermoelektrika: Von der kontrollierten Synthese
zum Bauteil" an der UDE. Nichtsdestotrotz ist die Technologie natürlich für die
Autobauer und auch für Kraftwerksbetreiber von hohem Interesse: "Die verfolgen
genau, was wir tun." Warum entwickelt die Industrie das nicht selbst? "Es gibt
Gruppen, die daran arbeiten - aber im Wesentlichen wartet die Wirtschaft auf
einen Durchbruch in der Forschung." Die Technologie befindet sich sozusagen
unmittelbar an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und
Anwendung.
Aufgabe der Nachwuchsforscher an der UDE ist es, ein
geeignetes Material zu finden. Am besten funktionieren derzeitige
Thermogeneratoren mit Tellur-haltigen Verbindungen, einem Element, das extrem
selten und sehr teuer ist. Deswegen wird nach Alternativen gesucht. "Das
Material muss mehrere Funktionen erfüllen: Es muss Temperaturgradienten in
elektrische Spannung umwandeln können, eine hohe elektrische Leitfähigkeit und
gleichzeitig eine niedrige Wärmeleitfähigkeit haben.", erläutert Schierning.
"Das sind gegensätzliche Anforderungen.
Experimentieren mit
verschiedenen Materialien
Leider ist es häufig so, dass, wenn ein
Koeffizient sich verbessert, die anderen dafür schlechter werden. Da im Moment
nicht klar ist, welches Materialsystem sich am besten für die Anwendung
optimieren lässt, experimentieren wir mit verschiedenen Materialien
gleichzeitig." Aus diesem Grund wird das Thema in mehreren Projekten parallel
bearbeitet, neben der vom Land NRW finanzierten Nachwuchsgruppe auch in dem von
der AiF - Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von
Guericke" e.V. geförderten Verbundprojekt: "Wandlung von Abwärme in elektrische
Energie: Entwicklung und Herstellung eines thermoelektrischen Generators aus
nanokristallinem Silizium unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte".
Kooperationspartner sind hier das Institut für Energie- und
Umwelttechnik e.V. (IUTA), die Uni Duisburg-Essen und die Schweißtechnische
Lehr- und Versuchsanstalt (SLV). Ist es schwierig, Nachwuchskräfte in diesem
Bereich zu finden? Nein, meint Schierning: "Viele Doktoranden ziehen eine innere
Motivation daraus, sich für Erneuerbare Energien einzusetzen."
Deutschlandweit einzigartig: CeNIDE
CeNIDE koordiniert die
Forschung im Bereich Nanotechnologie an der UDE. Mitglieder des Netzwerks sind
über 200 Forscher aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Zu den
Anwendungsgebieten gehören die Materialwissenschaften, die Medizin und die
Energietechnik. Struktureller Forschungsschwerpunkt von CeNIDE sind Verfahren,
die die Herstellung von Nanopulver ermöglichen, das heißt die Herstellung von
Nanopartikeln in größeren Mengen sowie auch die sich anschließenden
Prozessschritte der Weiterverarbeitung. Über diese Technologie verfügen weltweit
nur wenige Forschungseinrichtungen - in Deutschland ist sie
einzigartig.
Die besonderen Eigenschaften von Nanopartikeln entstehen
erst durch die Reduzierung eines Stoffes auf Nanogröße. Das heißt, kleinste
Bruchteile eines Materials reagieren anders auf äußere Einflüsse als große
Mengen desselben Materials. Warum? Weil sie quasi nur noch aus Oberfläche
bestehen. Wenn die Nano-Teilchen wieder zu einem makroskopischen Bauteil
zusammengesetzt werden, muss darauf geachtet werden, dass ihre besonderen
elektrischen und mechanischen Qualitäten erhalten bleiben. Diesen Prozess
beherrschen unter anderem die Forscher von CeNIDE. "In der Forschung werden
viele Synthesen diskutiert, bei denen mehrere Mikrogramm erzeugt werden. Bei
CeNIDE können jedoch mehrere Gramm bis hin zu Kilogramm der spezifischen
Nanopartikel hergestellt werden," so Schierning, "das ist weltweit sehr
selten."
Weitere Informationen:Gabi Schierning, Tel: 0203-3793296,
gabi.schierning@uni-due.de