09.02.2010
Antarktis: Neumayer-Station III erfolgreich angehoben
Hydraulische Hebevorrichtungen verhindern, dass die Neumayer-Station III im Eis versinkt: Die Schnee- und Eisoberfläche in der Antarktis wächst kontinuierlich, so dass die Forschungsstation jährlich angehoben werden muss. Baukonzept und Technik bewähren sich auf Anhieb.
Quelle: (idw) Alfred-Wegener-Institut für Polar- und MeeresforschungFast die doppelte Menge Neuschnee im Vergleich zu anderen antarktischen Wintern
lagerte sich an der Neumayer-Station III während des Polarwinters 2009 ab.
"Wegen des ungewöhnlich hohen Schneezutrags musste das Stationsgebäude gleich
dreimal nacheinander mit der Hydraulikanlage angehoben werden", sagt Dr.
Eberhard Kohlberg, seit Dezember 2009 Logistikkoordinator an der
Forschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in
der Helmholtz-Gemeinschaft. Um das geplante Niveau zu erreichen, durchlief die
Station seit November zwei Hubvorgänge, bei denen sie jeweils einen Meter höher
aus dem Schnee wuchs. Der dritte und für diese Saison letzte Hub wird jetzt
vollendet.
Mit Hilfe der Hydraulik heben die Techniker bei jedem Vorgang
die Füße der Station einzeln an. Dann wird neuer Schnee untergeschoben und der
Stahlfuß wieder abgesetzt (siehe Infokasten). Der Prozess ist anspruchsvoll,
denn die Schneehaufen müssen die tonnenschwere Gebäudelast schon nach kurzer
Zeit stabil abstützen. Der normale Betrieb läuft dabei nahezu ohne
Einschränkungen weiter. Die Bewohner der Antarktis-Station bemerken lediglich
durch leichtes Vibrieren, dass sich die hydraulischen Stützen gerade
bewegen.
Auch zukünftig wird die Station jährlich im Sommer angehoben, so
dass die Schneemassen des vorigen Winters die Forschungsarbeit nicht behindern.
Voraussetzungen sind eine gute Wettervorhersage und eine vorausschauende
Planung. Damit die Gesamtstruktur des Bauwerks nicht unter starken seitlichen
Druck gerät, sind geringe Windgeschwindigkeiten erforderlich. "Erfreulicherweise
gab es diesen Sommer genügend geeignete Wetterfenster", sagt Dr. Hartwig
Gernandt, Projektleiter in der Logistik des Alfred-Wegener-Instituts. "Die
Aufgabe konnte mit großem Erfolg bewältigt werden. Beim zweiten und dritten
Erhöhungsdurchgang arbeiten alle bereits routiniert."
INFOKASTEN: Wie die
Neumayer-Station III angehoben wird
Die Verantwortung für das Anheben des
Stationsgebäudes liegt bei den Ingenieuren des Alfred-Wegener-Instituts, die im
antarktischen Sommer an der Station arbeiten.
Auf dem Leitstand im so
genannten Hydraulikcontainer, Stationsebene U1, steuert eine speziell
entwickelte Software die Hydraulikzylinder - Bipoden - in den 16 Stützen: Sie
tragen das etwa 2.600 t schwere Stationsgebäude. Der komplette Hub besteht aus
zwei Arbeitsgängen:
1- Beim eigentlichen Heben werden alle 16 Bipoden um
die Hubhöhe von etwa 1,20 Metern ausgefahren. Der Vorgang dauert etwa zwei
Stunden. Jetzt ist das gesamte Gebäude auf erhöhter Position.
2- Die
Fundamente müssen nun paarweise hochgehoben werden, um frischen Schnee darunter
zu schieben. Erst wenn er ausgehärtet ist, können die Fundamentplatten
aufgesetzt und die Last in den frisch aufgefüllten Schnee abgetragen
werden.
Der gesamte Prozess dauert bei günstigen Wetterbedingungen etwa
14 Tage und umfasst folgende Arbeitsschritte:
- Anheben des Gebäudes
durch Ausfahren aller 16 Bipoden. Kabel- und Rohrverbindungen, die aus dem
Gebäude in das Gelände verlegt sind, müssen vorher getrennt oder gelockert
werden.
- Paarweises Anheben der Fundamentplatten mit den Bipodzylindern.
- Unter die freien Fundamentplatten füllen die Ingenieure neuen Schnee
mit Kettenfahrzeugen mit Schiebeschild und einer Schneefräse. Für die letzten
Feinheiten ist Handarbeit mit Schaufeln nötig, um eine gleichmäßige Verteilung
des Schnees zu gewährleisten.
- Der frisch angefüllte Schnee muss nun
aushärten. Die Fundamentplatten werden langsam und schrittweise auf die
Schneehügel gesetzt. Dabei gibt der Schnee unter der Belastung zunächst nach.
Dieses Setzen des Schneefundaments muss sehr genau kontrolliert werden. Erst
wenn es einen Grenzwert unterschreitet, der nach etwa 24 Stunden erreicht ist,
kann die volle Belastung erfolgen. Jetzt ist die kristalline Struktur des
Schnees wieder stabil genug, um die hohe Belastung aufzunehmen.
- Wenn
alle 16 Bipod-Stützen auf diese Weise unterfüttert sind, wird die gesamte Garage
bis zum nun höheren Niveau mit Schnee gefüllt. Damit ist ein Hubvorgang
abgeschlossen. Sofern erforderlich, kann das Stationsgebäude jetzt ein weiteres
Mal angehoben werden.