Städte und Gemeinden engagieren sich für die Biodiversität - Kommunales Bündnis für biologische Vielfalt wird angestrebt
Quelle: (idw) Bundesamt für Naturschutz
Der Einsatz für die biologische Vielfalt ist für Städte und Gemeinden ein
wichtiges Anliegen. Das wurde gestern auf dem Dialogforum "Biologische Vielfalt
in Kommunen" deutlich, zu dem das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die
Deutsche Umwelthilfe (DUH) nach Bonn eingeladen hatten. Rund 50 Vertreterinnen
und Vertreter von mehr als 30 Kommunen sowie der Deutsche Städtetag und der
Deutsche Städte- und Gemeindebund erarbeiteten gemeinsam den Vorschlag für eine
entsprechende Deklaration. Diese soll in den folgenden Wochen den
Kommunalparlamenten zur Unterzeichnung vorgelegt werden. Mit der Unterzeichnung
wollen die teilnehmenden Städte und Gemeinden ihren Willen bekunden, sich weiter
für die Biodiversität in den Kommunen zu engagieren.
"Den Kommunen kommt für
den Erhalt der biologischen Vielfalt eine Schlüsselrolle zu. Denn gerade
Siedlungsräume zeichnen sich durch eine beachtliche Vielfalt an Arten und
Lebensräu-men aus. Vor allem aber ist die kommunale Ebene diejenige
Politikebene, die den Bürgern am nächsten ist. In den Städten und Gemeinden
werden wesentliche konkrete Handlungsentschei-dungen getroffen. Sie haben zudem
die unmittelbare Möglichkeit, das öffentliche Bewusstsein zur Bedeutung der
biologischen Vielfalt zu stärken", erklärte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des
BfN während des Dialogforums. Das BfN und die DUH begrüßen daher ausdrücklich
die Überlegun-gen der Kommunen, sich zu einem "Bündnis für biologische Vielfalt"
zusammen zuschließen. Dies sei ein erfreuliches Signal. BfN und DUH seien gerne
bereits, weitere Aktivitäten im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen und
zu begleiten, sagte die BfN-Präsidentin.
Ziel des Dialogforums "Biologische
Vielfalt in Kommunen" war es, die Vertreter der Kommunen mit der Nationalen
Strategie der Bundesregierung zur biologischen Vielfalt bekannt zu machen. Dabei
wurden ihre Inhalte und die Bedeutung für die kommunale Ebene aufgezeigt.
Außerdem stand die Frage im Mittelpunkt, welchen Beitrag die Städte und
Gemeinden zur Umsetzung der Strategie leisten können, wie die biologische
Vielfalt verstärkten Niederschlag im kommunalen Handeln finden kann und wie die
Kommunen in Ihrem Engagement und bei Ihren Aktivitäten unterstützt werden
können. Im Ergebnis des Dialogforums wurde gemeinsam die Bonner Erklärung
"Biologische Vielfalt in Kommunen" erarbeitet, welche konkrete Handlungsansätze
für Kommunen beinhaltet und nun von den anwesenden Vertreterinnen und Vertretern
in die Kommunalparla-mente getragen werden soll. In der Deklaration sprechen
sich die Kommunen u. a. dafür aus, die Anforderungen zur Erhaltung der
biologischen Vielfalt bewusst in die Entscheidungen auf kommunaler Ebene"
einzubeziehen. "Viele Städte und Gemeinden in Deutschland leisten bereits heute
sehr viel für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Mit der Deklaration wird
deutlich gemacht, dass die Kommunen sich den Herausforderungen stellen, sie
benötigen ihrerseits aber auch die Unterstützung von Bund und Ländern", so Axel
Welge vom Deutschen Städtetag.
"Wenn Kommunen sich vor Ort gezielt für die
Erhaltung der biologischen Vielfalt engagieren und wirksame Maßnahmen umsetzen
sollen, dürfen die Kommunen nicht allein gelassen werden", betonte in diesem
Zusammenhang Robert Spreter, Leiter Kommunaler Umweltschutz bei der DUH. "Allein
ein Appell an die Verantwortung der Städte und Gemeinden würde wohl ungehört
verpuffen."
Um das Engagement und die Netzwerkarbeit der Städte und Gemeinden
im Bereich biologische Vielfalt zu verstetigen, wurde auf dem Dialogforum zudem
die Gründung eines "Bündnisses der Kommunen" für die biologische Vielfalt
angeregt. Das Bündnis soll mit zahlreichen konkreten Vorteilen für die Kommunen
verbunden sein. Dazu gehörten unter anderem der bundesweite Erfahrungsaustausch,
die Verbreitung guter Beispiele und nicht zuletzt die Möglichkeit, gemein-sam
größere Unterstützungsleistungen bei Maßnahmen zum Erhalt der biologischen
Vielfalt zu akquirieren. "Der Zusammenschluss in einem Bündnis bietet den
Kommunen viele Möglichkeiten, ihre Bemühungen um den Schutz der biologischen
Vielfalt weiter zu verstärken. Die Kommunen erwarten aber die Bereitstellung
finanzieller Fördermittel für den Erhalt der biologischen Vielfalt,
beispielsweise in Form eines Biodiversitätsfonds", erklärte Ute Kreienmeier vom
Deutschen Städte und Gemeindebund.
Deutlich wurde auf dem Dialogforum
"Biologische Vielfalt in Kommunen", dass mit dem Schutz und der nachhaltigen
Nutzung der biologischen Vielfalt auf kommunaler Ebene vielfältige
Aufgabenbereiche berührt sind, die neben der Gestaltung und Pflege von Grün- und
Freiflächen etwa auch Belange des Gewässerschutzes, der Förderung
umweltverträglicher Landnutzungs-formen sowie erzielbare Synergien zwischen dem
Naturschutz und einer Abminderung der Folgen des Klimawandels betreffen. Nicht
zuletzt kann der Einsatz für den Erhalt der biologischen Vielfalt auch aktiv für
das Tourismus- und Stadtmarketing und damit für eine positive Imagegestaltung
eingesetzt werden. Die Teilnehmer des Dialogforums waren sich einig, dass der
Erhalt der biologischen Vielfalt für die Lebensqualität in den Kommunen von
großer Bedeutung ist und ein gemeinsames Vorgehen der Kommunen in Deutschland
erfordert. Sie begrüßten die Initiative des Bundesamtes für Naturschutz, die
Städte und Gemeinden aktiv in den Umsetzungsprozess der Nationalen Strategie zur
biologischen Vielfalt einzubinden. Alle interessierten Kommunen sind herzlich
eingeladen, sich diesem Prozess anzuschließen!
Hintergrund: Das
Dialogforum "Biologische Vielfalt in Kommunen" ist Teil des Dialog-Prozesses zur
Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, die 2007 von der
Bundesregierung verabschiedet wurde. Die Nationale Strategie zur biologischen
Vielfalt wendet sich als gesamtgesellschaftliche Strategie an alle
gesellschaftlichen Akteure, an die Kommunen, aber auch die Länderregierungen, an
die Verbände, an die Wirtschaft und an viele mehr. Die Nationale Strategie
zu biologischen Vielfalt enthält zahlreiche Ansatzpunkte für die Kommunen,
welche als unmittelbarer Bezugs- und Lebensraum aller Beteiligten einen
wichtigen Ausgangspunkt für den Umsetzungsprozess bilden. So enthält die
Strategie eine Vision für urbane Landschaften, die mit Zielen und Maßnahmen
untersetzt ist. Die Vision für die Zukunft lautet: Unsere Städte weisen eine
hohe Lebensqualität für die Menschen auf und bieten vielen, auch seltenen und
gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Vielfältiges Grün
verbessert Luftqualität und Stadtklima. Es bietet umfassende Möglichkeiten für
Erholung, Spiel und Naturerleben für Jung und Alt.
Folgende Ziele wurden von
der Bundesregierung beschlossen: Bis zum Jahre 2020 soll die Durchgrünung der
Siedlungen einschließlich des wohnumfeldnahen Grüns wie z.B. Hofgrün, kleine
Grünflächen, Dach- und Fassadengrün, deutlich erhöht sein. Öffentlich
zugängliches Grün mit vielfältigen Qualitäten und Funktionen soll spätestens in
2020 i. d. R. fußläufig zur Verfügung stehen. Hierfür sollen alle vorhandenen
Möglichkeiten genutzt werden, um die direkte Umgebung von Wohngebäuden zu
verbessern - z. B. durch Entsiegelung, Hof- und Gebäudebegrünung, Rückbau und
Beruhigung von Straßen.
Weitere Informationen:
Für Rückfragen: Alice Kube, Bundesamt für
Naturschutz, Außenstelle Leipzig, Karl-Liebknecht-Str. 143, 04277 Leipzig. Tel.:
0341 30977-36, Fax: 0341 30977-40, E-Mail: alice.kube@bfn.de Robert Spreter,
Deutsche Umwelthilfe e.V., Kommunaler Umweltschutz, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315
Radolfzell. Tel.: 07732 9995 -30, Fax: 07732 99 95 -77, E-Mail: spreter@duh.de