11.02.2010
Neues Positionspapier des BfN: Bioenergie und Naturschutz - Synergien fördern, Risiken vermeiden
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat heute in Berlin anlässlich der Fachtagung "Bioenergie aus der Landschaftspflege" ein neues Positionspapier zum Thema Bioenergie vorgestellt. Bioenergie stellt mit rund 70% den überwiegenden Anteil an den Erneuerbaren Energien. "Angesichts der rasanten Dynamik im Bioenergiesektor und der damit verbundenen Intensivierung in der Landwirtschaft muss die Erzeugung und Gewinnung der Bioenergie differenziert und mit Augenmaß erfolgen. Immer noch finden naturverträgliche Formen der Biomasseerzeugung, die sich positiv auf die Entwicklung der Arten- und Lebensraumvielfalt in der Kulturlandschaft auswirken, zu wenig Beachtung", sagte die BfN-Präsidentin, Prof. Beate Jessel.
Quelle: (idw) Bundesamt für NaturschutzNach Ansicht des BfN müssen Aspekte des Naturschutzes beim Ausbau der
Bioenergienutzung besser integriert werden. So kann es beispielsweise in
ausgeräumten, strukturarmen Landschaf-ten (in denen z.B. Gehölzgruppen fehlen)
durch den sinnvoll gesteuerten Anbau von schnell wachsenden Gehölzen zu einer
Aufwertung des Landschaftsbildes und der Kulturartenvielfalt kommen. Aber auch
die Kombination von land- und forstwirtschaftlichen Flächen in
Agro-forstsystemen kann zu einer Erhöhung der Biologischen Vielfalt beitragen,
da damit Lebensräume für z.B. Vögel und Kleinsäuger geschaffen und zugleich die
natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser geschont werden. Ebenso kann sich
die Verwendung alter Kultursorten, die Erhaltung von extensivem Grünland und
naturschutzfachlich wertvollen Flächen günstig auf die Tier- und
Pflanzenartenvielfalt auswirken. Besonders auf wertvollen Naturschutzflächen,
für deren Erhaltung eine Pflege notwendig ist, bietet die energetische Nutzung
der anfallenden Schnittgüter (Gehölzschnitt oder Heu) eine sinnvolle Option, um
einer Nutzungsaufgabe wie auch einer Intensivierung entgegenzuwirken.
Voraussetzung ist allerdings ihre ökonomische Tragfähigkeit, d.h. dass
finanzielle Anreize und Fördermöglichkeiten entsprechend ausgestaltet
werden.
"Die Erhaltung der Biologischen Vielfalt und konsequenter Klimaschutz
sind nicht als Gegensätze zu verstehen, sondern bedingen sich gegenseitig",
sagte die Präsidentin. "Nur nachhaltig und naturverträglich angebaute Biomasse
kann auch wirklich einen Beitrag zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt sowie
zur Verringerung des Treibhauseffekts leisten. Mit diesem Anliegen müssen
relevante Strategien und Steuerungsinstrumente für die spezifischen
Anforderungen des Biomasseanbaus angepasst bzw. fortentwickelt werden.
Anderenfalls sind u.U. die Risiken für die Natur und die klimawirksamen
Emissionen höher als die positiven Effekte", so Beate Jessel.
Die in dem
BfN-Papier dargestellten Prinzipien, Forderungen und Umsetzungsbeispiele liefern
dafür innovative Gedankenanstöße. Der Hintergrund für die Erarbeitung des
Positionspapiers ist, dass mit einer ausschließlich auf die Energieausbeute
ausgerichteten Bioenergieerzeugung die Flächenkonkurrenzen in der Landnutzung
zunehmen. Die Folgen: Es kommt in der Landwirtschaft zu engeren Fruchtfolgen bis
hin zu deren Aufgabe, die Kulturartenvielfalt nimmt immer weiter ab, der Anbau
von Kulturpflanzen erfolgt regional zunehmend in Monokulturen und der Verlust
von Strukturelementen in der Landschaft steigt. Das BfN fordert auch, dass die
Vornutzung der Flächen und die indirekten Landnutzungsänderungen durch
Bioenergie in eine Umweltbilanz einfließen. So ist beispielsweise der Umbruch
von artenreichem Grünland für den Biomasseanbau durch seine Emissionen an
Treibhausgasen und den Verlust von Lebensräumen, weder im Sinne des Klima- noch
im Sinne des Naturschutzes.
Das Papier umfasst Forderungen, Ansätze zur
Realisierung und Umsetzungsbeispiele und will damit Impulse geben, Synergien
zwischen der Biomasseanbau und -nutzung und Naturschutz künftig aktiver zu
nutzen.
Weitere Informationen:Das Positionspapier "Bioenergie und Naturschutz - Synergien fördern,
Risiken vermeiden" kann im Internet unter
http://www.bfn.de/positionspapiere.html
herunter geladen werden.