12.02.2010
Umweltschutz kraftvoll vorantreiben
Umweltbundesamt veröffentlicht Jahrespublikation "Schwerpunkte 2010"
Eine Pause beim Umweltschutz darf es nicht geben, trotz der noch spürbaren internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Das Umweltbundesamt (UBA) hält insbesondere weitreichende Kimaschutzmaßnahmen für dringend geboten.
Quelle: (idw) Umweltbundesamt (UBA)UBA-Präsident Jochen Flasbarth unterstützte nachdrücklich
das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 die Treibhausgas-Emissionen um 40 Prozent
unter die Werte des Jahres 1990 zu senken und bis zur Mitte des Jahrhunderts
eine Emissionsminderung von 80 bis 95 Prozent zu erreichen: "Es gilt jetzt, die
Weichen für den notwendigen ökologischen Umbau der Wirtschaft zu stellen. Denn:
Eine wirtschaftliche Entwicklung ist ohne Beachtung ökologischer Leitplanken
nicht möglich. Gerade im Klimaschutz darf bei diesen Weichenstellungen nicht nur
auf kurzfristige Erfolge gesetzt werden. Die Notwendigkeit einer
kohlenstoffarmen Wirtschaftsweise erfordert langfristig angelegte Konzepte in
der Umwelt-, Energie- und Wirtschaftspolitik." Flasbarth unterstrich die
zentrale Bedeutung des Emissionshandels für die Erreichung der gesetzten
Klimaschutzziele.
Der Emissionshandel deckt derzeit in Deutschland rund die
Hälfte der CO2-Emissionen ab, mindert sie kontinuierlich und hat das Potential,
sich zu einem weltweit ökonomisch effizienten und klimaschutzpolitisch integren
Instrument zu entwickeln. Ein weiterer Schritt dahin ist die konsequente
Harmonisierung des europäischen Emissionshandels. Die Europäische Union (EU)
plant, für die dritte Handelsperiode statt der nationalen Budgets ein
gemeinschaftsweites Emissionsbudget und die Auktionierung als grundsätzliche
Zuteilungsmethode sowie einheitliche Zuteilungsregeln für kostenlose
Emissionszertifikate einzuführen.
"Die Europäische Union will den
Emissionshandel vereinheitlichen und damit effizienter machen. Dazu gehört auch
ein angemessenes europäisches Emissionsminderungsziel. Die bisher zugesagten 20
Prozent Minderung bis 2020 verfehlen die Notwendigkeiten des Klimaschutzes.
Richtig wäre eine Minderungsvorgabe von 30 Prozent bis 2020. Damit würden die
Europäer ihrer Verantwortung für den Klimaschutz nachkommen", sagte Jochen
Flasbarth während der Vorstellung der Jahrespublikation "Schwerpunkte 2010".
Sollte die EU sich diesem vernünftigen Weg nicht anschließen, hätte dies
Auswirkungen auf die Ausgestaltung des Minderungspfades in Deutschland, führte
Flasbarth weiter aus. Die zusätzlichen Anstrengungen zur Erreichung der
40-prozentigen Minderung müssten dann außerhalb des Emissionshandelssektors
erzielt werden.
Insgesamt wird der Emissionshandel als Motor der Klimapolitik
weiter ausgebaut. Mit Beginn der dritten Handelsperiode ab 2013 werden erstmals
neben CO2 auch perfluorierte Kohlenwasser-stoffe und Distickstoffoxid (Lachgas)
erfasst. Dies betrifft die chemische Industrie und die Aluminiumindustrie.
Bereits 2012 muss der internationale Luftverkehr für seine CO2-Emissionen
Emissionszertifikate vorweisen.
Der Verkehrssektor insgesamt sollte stärker
zum Klimaschutz beitragen. Rund ein Fünftel der CO2-Emissionen, gut die Hälfte
der Stickstoffoxid-Emissionen und der gesundheitsschädlichen Partikelemissionen
gehen derzeit auf den Verkehr zurück. Nach Erkenntnissen des UBA muss der
Verkehrssektor im Jahr 2020 rund 40 Millionen Tonnen CO2 weniger verursachen als
2005, damit die Bundesregierung ihr Klimaschutzziel erreichen kann. Wesentliche
Stützpfeiler einer zukunftsfähigen Mobilität sind neben besserer Technik und
mehr Effizienz bei den Fahrzeugen auch neue Konzepte in der Verkehrsplanung, die
den Verkehrsaufwand mindern und in umweltverträglichere Verkehrsträger lenken.
Gerade beim Güterverkehr, der nach Prognosen des Bundesverkehrsministeriums bis
2025 um fast weitere 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2008 wachsen könnte, ist eine
Verlagerung von der Straße auf die Schiene notwendig. Dazu müsste verstärkt in
den Ausbau des Schienennetzes investiert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt der
UBA-Publikation ist die Landwirtschaft. Sie ist Mitverursacherin des
Klimawandels. Laut Nationalem Inventarbericht trägt sie in Deutschland mit 5,4
Prozent zu den Treibhausgas-Emissionen bei. Wenn der Ausstoß aus Traktoren und
Maschinen, umgebrochenem Grünland und entwässerten Mooren sowie die
Mineraldüngerproduktion hinzurechnet wird, liegt der Anteil der Landwirtschaft
an den Treibhausgas-Emissionen sogar bei 13 Prozent. Nicht zuletzt im eigenen
Interesse sollte die Landwirtschaft einen angemessenen Beitrag zur Begrenzung
des Klimawandels leisten. Denn: Die Landwirte stehen zunehmend unter Druck,
Methoden zu finden, um sich besser an den Klimawandel anzupassen. Auch der
Nutzungsdruck auf die Böden steigt. Neben Nahrungsmitteln gewinnen nachwachsende
Rohstoffe an Bedeutung. Der Bodenschutz, in der Vergangenheit eher ein
"Stiefkind" der Umweltpolitik, muss verstärkt ins Blickfeld rücken. Auch
deshalb, weil in Deutschland die Flächeninanspruchnahme für Siedlungen und
Verkehr mit all ihren Eingriffen in Natur und Landschaft nicht nennenswert
zurückgeht, was ebenfalls zu einem Verlust fruchtbarer Böden führt.
Weitere Informationen:Die
Jahrespublikation "Schwerpunkte 2010" ist als Druckfassung kostenfrei erhältlich
bei Gemeinnützige Werkstätten Bonn, In den Wiesen 1-3, 53227 Bonn, Telefon
030/18 305 33 55 (zum Ortstarif), E-Mail:
uba@broschuerenversand.de.
Der
Bericht als Download:
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer...Die
englische Fassung erscheint in Kürze.