24.02.2010
Gletscherschmelze geschieht unter der Wasseroberfläche
Ein Forscherteam der University of California, Irvine (UCI) hat in einer aktuellen Studie im Wissenschaftsmagazin Nature Geoscience bewiesen, dass die Gletscher in Grönland von unten her schmelzen. 75 Prozent des Eisverlustes der Gletscher wird von zu warmen Meerwasser verursacht.
Quelle: UmweltDialog"Es gibt ein Bild in der Öffentlichkeit, das sich eingeprägt hat und das sieht
so aus, als würden die Gletscher nur Eis verlieren, wenn Eisberge abbrechen", so
Studienautor Eric Rignot von der UCI. "Wichtig ist jedoch, was unter der
Wasseroberfläche geschieht." Im Sommer 2008 hat das Forscherteam Salzgehalt,
Temperatur und Strömungsgeschwindigkeiten in der Nähe von vier kalbenden
Gletschern gemessen und die Daten nun ausgewertet.
Das "Gesicht" des
Gletschers unter der Wasseroberfläche hat täglich zwischen 0,7 und 3,9 Meter
abgenommen. Das ist etwa der 20-fache Rückgang im Vergleich zum Gletscherteil,
der aus dem Wasser ragt. Dies setze eine Maschinerie in Gang, bei der
Eisüberhänge entstehen, die dann nach und nach ins Meer stürzen, schildert Paul
Holland von der British Antarctic Society.
"Warmes Wasser sorgt
wahrscheinlich auch dafür, dass sich Eis vom Meeresgrund ablöst", so Rignot.
Denn damit verschwinden die "Stützpfeiler", die das Inlandeis daran hindern, ins
Meer zu rutschen. Das sei ein Weg, wie wärmende Ozeane dafür sorgen, dass
grönländisches Inlandeis abbricht und ins Meer stürzt.
Gleiches Prinzip wie in der Antarktis"Die von den großen Eisschilden abfließenden
Gletscher münden ins Meer und deren Ende reichen mehrere hundert Meter unter die
Meeresoberfläche. In tieferen Schichten ist die Meerestemperatur auch in der
Arktis und der Antarktis positiv, daher erfolgt hier eine sehr effiziente
Gletscherschmelze", erklärt der Klimaforscher Herbert Formayer von der Wiener
Universität für Bodenkultur.
"Einflüsse auf die Wassertemperatur am
Gletscherende, sei es durch generelle Erwärmung oder veränderter Strömungen
können daher die Abschmelzraten dieser großen Gletscher - und damit die
Massenbilanz der großen Eisschilde - markant beeinflussen", so der Forscher.
Gletscherexperte Eric Steig von der University of Washington in Seattle
erklärt, dass die Schmelze vom unteren Teil der Gletscher aus der Antarktis gut
bekannt sind. "Das ist allerdings die erste Studie, die den Hinweis darauf gibt,
dass dies auch in Grönland geschieht", so Steig.
"Der in den vergangenen
Jahrzehnten beobachtete Gletscherrückgang ist beunruhigend, auch im Himalaya",
erklärt Formayer. Die falsche Aussage im IPCC WG2-Bericht, dass die Himalaya
Gletscher bis 2035 zu 80 Prozent abgeschmolzen sind, dürfe auf keinen Fall dazu
führen, die Gletscherentwicklung in dieser Region oder generell zu
verharmlosen.
Weitere Information:http://www.ess.uci.edu/