Die EWI-Experten argumentieren, dass eine europaweite Förderpolitik zu einem Wettbewerb um die Erzeugung führen würde. Sie plädieren dabei für ein "technologieneutrales Quotensystem". Dabei würde auf europäischer Ebene ein Mengenziel für erneuerbare Energien festgelegt - unabhängig davon, ob die Energie durch Sonne, Wind, Wasser, Biomasse etc. erzeugt wird. "Ein mengenbasiertes Quotensystem würde der Logik des Emissionshandels entsprechen, bei dem europaweite CO2-Emissionsmengen vorgegeben werden - nicht eine (einheitliche) Steuer pro Tonne CO2", heißt es in der Studie.
Die derzeit höheren Kosten für erneuerbare Energien führen die Experten auf eine "teilweise ineffiziente Standortwahl" und auf die "Investitionen in teure Technologien, vor allem in Photovoltaik" zurück. Durch die Fehlanreize im derzeitigen Fördersystem wird Photovoltaik in den eher nördlichen EU-Ländern, so auch Deutschland, "mit vergleichsweise wenigen Sonnenstunden zugebaut".
Von einem "harmonisierten Quotenszenario" würde bis 2020 vor allem die Windkraft profitieren. Es käme den EWI-Experten zufolge zu einer systematischen Erschließung der besten Windstandorte in Großbritannien, Deutschland, Polen, Spanien und Frankreich (onshore) sowie Großbritannien, Niederlande, Deutschland, Frankreich und Dänemark (offshore). "Zudem werden die günstigsten Biomassebrennstoffe genutzt, bevor auf teurere Technologien zurückgegriffen wird."
Die Einspeisung von immer größeren Mengen an erneuerbaren Energien, deren Kapazitäten allerdings stark schwanken, überfordert bisher die Elektrizitätsnetze. Bisher ist das Stromsystem so unflexibel, dass es an der Leipziger Strombörse aufgrund des Überangebots mehrfach zu negativen Strompreisen kam. Das heißt, Abnehmer erhielten Geld dafür, Strom zu beziehen.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Harmonisierung des erneuerbaren Teilsystems dieses Netzproblem sogar verstärken würde, falls das Gesamtsystem nicht ebenfalls harmonisiert würde.
"Abhilfe könnte eine vollständig europäisch integrierte Energiepolitik schaffen", schreiben die Experten. Sie empfehlen die "stärkere Vermaschung der nationalen Stromsysteme durch Netzausbau".
Neun Länder (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Benelux, Dänemark, Irland und Norwegen) planen bereits, ihre Ökostrom-Aktivitäten mit einem gemeinsamen Hochspannungsnetz unter der Nordsee zu bündeln.
Außerdem seien auch "Speicherlösungen, flexiblere Nachfrageprozesse und eine angepasste Förderpolitik, welche die Bedarfsgerechtheit der Stromeinspeisung unterstützt, [...] zwingend erforderlich".
"Wenn die Verantwortung eines regional konzentrierten Zubaus erneuerbarer Energien mit der Netzausbauplanung koordiniert ist und gleichzeitig die am besten geeigneten, noch immer [zur Leistungsabsicherung] benötigten konventionellen Kraftwerke in die Regionen gebaut werden, in denen ihre technischen und ökonomischen Eigenschaften bestmöglich zum Tragen kommen, ist ein effizientes Gesamtsystem möglich", schlussfolgern die EWI-Experten.
Weitere Informationen:
http://www.euractiv.de/fileadmin/images/EWI_Studie_Zusammenfassung_2010.pdf
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