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23.11.2010

Demografischer Wandel fordert Anpassungen in der Abwasserstruktur

Laut Statistischem Bundesamt wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten einen erheblichen Bevölkerungsrückgang erleben: nach jetzigem Stand um zehn bis 17 Prozent bis zum Jahr 2050. Hinzu kommen Abwanderungen aus ländlichen Gebieten in die Ballungsräume als Folge von ökonomischen Veränderungen besonders in Ostdeutschland. Aber auch Wachstums- und Schrumpfungsprozesse in enger räumlicher Nachbarschaft charakterisieren den demografischen Wandel. Für die raumbezogenen technischen Infrastrukturen wie Wasser, Abwasser oder Fernwärme bedeutet diese Entwicklung Anpassungsbedarf, da die Effizienz dieser Infrastrukturen maßgeblich von der Bevölkerungsdichte abhängt.

Quelle: (idw) Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)
Wie das aussehen kann, welche Anforderungen zukünftig an die Wasserinfrastruktur zu stellen sind, aber auch welche Anpassungsmöglichkeiten bestehen, fasst eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung und der Universität Leipzig zusammen, die im Auftrag des Umweltbundesamtes im Rahmen des Umweltforschungsplanes (Förderkennzeichen 3708 16 305) erstellt und mit Bundesmitteln finanziert wurde.

Die identifizierten Auswirkungen des demografischen Wandels können unterschieden werden in betriebliche Auswirkungen für Wasserversorgung, Abwasserableitung und -behandlung und in die dadurch verursachten ökologischen und ökonomischen Effekte. Der Verbrauchsrückgang von Wasser aufgrund des demografischen Wandels wird noch verstärkt durch Wasser sparendes Verhalten in den Haushalten und den zunehmenden Einsatz von Wassereffizienztechnologien sowohl im Gewerbe als auch in den Haushalten. Projektleiter Dr. Thomas Hillenbrand geht deshalb davon aus, „das zurückgehende Nutzerzahlen für die Wasserver- als auch die Abwasserentsorgung und damit zurückgehende (Ab-) Wassermengen bei den derzeitigen Tarifstrukturen zurückgehende Einnahmen bedeuten. Aufgrund des sehr hohen Fixkostenanteils können die Kosten jedoch nur in geringem Umfang reduziert werden. Soweit nicht durch Effizienzverbesserungen oder Anpassungsmaßnahmen die Entwicklung beeinflusst werden kann, wären deutliche Erhöhungen der spezifischen Wasserpreise beziehungsweise Abwassergebühren in den vom demografischen Wandel stark betroffenen Gebieten die Folge.“

Ausgehend von den identifizierten und hinsichtlich ihrer Bedeutung bewerteten Auswirkungen der demografischen Veränderungen beschreibt die gemeinsam mit dem Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig und den zwei Praxispartnern Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH und Emschergenossenschaft/Lippeverband erstellte Studie unterschiedliche technische sowie organisatorische Maßnahmenoptionen und erarbeitet Handlungsempfehlungen. Der Bericht stellt neben bereits gebräuchlichen Maßnahmen wie zum Beispiel Maßnahmen zur Verringerung der Ablagerungen im Kanalnetz zusätzlich neuartige technische Ansatzpunkte bei der Abwasserentsorgung bis hin zu neuen Systemkonzepten vor. Außerdem werden organisatorische Ansatzpunkte wie langfristig orientierte Sanierungs- und Investitionsplanungen, gezielte Strategien für Rückbau und Stilllegung, Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit sowie innovative Organisationsmodelle behandelt. Solche neuen Organisationsmodelle spielen vor allem bei der Umsetzung von stärker dezentral ausgerichteten Konzepten eine wichtige Rolle und können dort langfristig einen ordnungsgemäßen Anlagenbetrieb und die geforderten Ablaufwerte sicher stellen.

In besonders betroffenen, ländlichen Regionen werden immer weniger und meist ältere Menschen leben, so dass Dienstleistungsmodelle zunehmend an Bedeutung gewinnen. Für die kommunalen Aufgabenträger könnte dies ein Anreiz sein, neue Geschäftsfelder mit marktreifen Dienstleistungsangeboten abseits der zentralen Abwasserbeseitigung zu entwickeln. Da besonders strukturschwache ländliche Gebiete von den Auswirkungen des demografischen Wandels betroffen sind, aber auch den Menschen in diesen Regionen alle kommunalen Infrastrukturkomponenten zur Verfügung gestellt werden müssen, haben die Ergebnisse des Vorhabens eine große Bedeutung für die Sicherung der öffentlichen Daseinsvorsorge in dünn besiedelten Räumen.

„Für Ver- und Entsorger sowie die Kommunen ist es entscheidend, sich frühzeitig auf die stattfindenden Veränderungen einzustellen, Stadtentwicklung sowie Unternehmensstrategie aufeinander abzustimmen und eine langfristig orientierte, die sich verändernden Rahmenbedingungen berücksichtigende Investitionsplanung durchzuführen. In diesem Sinne sind weitergehende Forschungs- und Entwicklungsprojekte aufgrund der anstehenden Herausforderungen notwendig“, so Dr. Thomas Hillenbrand. Wichtigste Zielsetzung muss dabei die Entwicklung und Umsetzung all solcher Maßnahmen, Konzepte und Organisationsmodelle sein, die langfristig auch unter Berücksichtigung der zu erwartenden demografischen Entwicklung eine hohe Leistungsfähigkeit, Betriebssicherheit, Flexibilität, Ressourceneffizienz und Wirtschaftlichkeit der Abwasserentsorgung sicherstellen. 

Weitere Informationen:

http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3779.pdf

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