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19.07.2011

Klimaforschung in 3D

Design-Studenten der FH Köln entwickelten eine Google-Earth-Anwendung zu den Tiefbohrungen am Elgygytgynsee in der sibirischen Arktis

Quelle: (idw) Fachhochschule Köln
Eine in Google Earth verortete 3D-Anwendung zu den Tiefbohrungen am Elgygytgynsee in der sibirischen Arktis entwickelten Design-Studenten der Köln International School of Design (KISD) der Fachhochschule Köln im Rahmen einer siebenwöchigen Projektarbeit. Um die Arbeit der Geologen und die Situation vor Ort möglichst umfassend darzustellen, nutzten die Studentinnen und Studenten neben den verschiedenen klassischen Medien auch eigen-produzierte, professionelle Animationsvideos, die verdeutlichen, wie ein Meteoriteneinschlag aussehen kann oder wie Seesedimente erbohrt werden. Das Herausragende an der studentischen Arbeit ist jedoch: mit dem Start der Anwendung kann die Menüführung von Google Earth ausgeschaltet werden – und der Betrachter sich voll und ganz auf das Klimaforschungsprojekt einlassen.

Im internationalen Klimaforschungsprogramm »El'gygytgyn Drilling Project« untersuchen 56 Wissenschaftler aus 21 Forschungsinstituten das am weitesten zurück reichende Klimaarchiv der terrestrischen Arktis. Die Sedimente des Elgygytgynsee, der am äußersten Zipfel Nordost-Sibiriens liegt, enthalten die arktische Klimageschichte der vergangenen 3,6 Mio. Jahre. Leiter auf deutscher Seite ist der Geologe Martin Melles vom Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln. Auf der Suche nach Möglichkeiten die Dimensionen dieses Projekts der Allgemeinheit zu vermitteln, stieß Friederike Schürhoff-Goeters vom Forscherteam des Instituts auf »Colonia 3D«, die 3D-Rekonstruktion des Römischen Köln. Sie ist das Ergebnis eines mehrjährigen Kooperationsprojekts der Fachhochschule Köln (Köln International School of Design/KISD), der Universität zu Köln (Archäologisches Institut) und des Hasso-Plattner-Instituts an der Universität Potsdam.

Ende vergangenen Jahres nahmen die Kölner Klimaforscher Kontakt zu Michael Eichhorn, Dozent für 3D-Gestaltung, und Richard Jungkunz, Dozent für Digitale Medien und Telekooperation der Fachhochschule Köln Kontakt auf und konnten sie für das spektakuläre Bohrprojekt begeistern. Der Vorschlag der Designer: Eine 3D-Anwendung, gestartet in einer Software, die den Nutzerinnen und Nutzern einen virtuellen Blick auf die Erde erlaubt. »Damit lässt sich der Elgygytgyn-Krater in den Mittelpunkt der Erde rücken. Die Satelliten-Perspektive zeigt die gewaltigen Entfernungen auch der Forschungspartner zueinander. Und es ist möglich, sich in den Krater hineinzuzoomen«, so Eichhorn.

Auf der Basis einer eindrucksvollen Themeneinführung durch Martin Melles entwickelten sieben Nachwuchsdesigner verschiedener Semester und Disziplinen ein ambitioniertes Konzept für eine Google Earth-Anwendung. Als Novum programmierten sie eine eigene, nutzerfreundliche Menüstruktur. Das Ergebnis begeisterte Martin Melles: »Ich hätte nicht gedacht, dass die Studenten innerhalb dieses kurzen Zeitraums ein derartiges Ergebnis erzielen. Sie haben großartig gearbeitet, man sieht, dass sie rund um die Uhr engagiert waren.«

Die Design-Studenten der Fachhochschule Köln haben sowohl das Camp als auch die Bohr-plattform der Wissenschaftler in 3D nachmodelliert, dem Nutzer werden Texte, Bildergalerien und Filmmaterial, aber auch die eigens erstellten Animationen zur Information angeboten. Ein Ergebnis, das überzeugte. »Genial!«, urteilte Geologe Volker Wennrich vom Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln beim Betrachten der Animation zum Bohrablauf. »Endlich eine Darstellung, die jeder versteht – und die zugleich zeigt, dass das Erbohren der Seesedimente am Elgygytgynsee alles andere als trivial war: immerhin haben wir hier eine Wassertiefe von 170 Metern.«

Die beteiligten Studenten Jana Maria Adam, Ilja Burzev, Sabrina Halbe, Géraldine Hellmann, Joschua Horz, Irina Massmann und Moritz Wallasch arbeiten längst wieder an neuen Projekten. Ihre LAKE_ELGYGYTYGN-Anwendung kann unter dem folgenden Link heruntergeladen werden: www.elgygytgyn.uni-koeln.de/3d.html

Das El’gygytgyn Drilling Project wird durch die Förderung vom ICDP, BMBF, NSF, RAS, dem BMWF sowie den Helmholtz-Zentren Alfred-Wegener-Institut und GeoForschungsZentrum Potsdam ermöglicht.

Weitere Informationen:

http://www.elgygytgyn.uni-koeln.de

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